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08.02.2019

Kinder erreichen heute ihre Knochenreife früher

Kinder, die Ende letzten und Anfang dieses Jahrhunderts geboren wurden, erreichen ihre Knochenreife früher als zu Beginn des vorigen Jahrhunderts - Mädchen um fast 10 Monate und Jungen um fast sieben Monate. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle amerikanische Studie der University of Missouri School of Medicine.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass es eine ‚neue Normalität‘ in Bezug auf den Zeitpunkt der Knochenreife gibt", erklärte Dr. Dana Duren, Direktorin der orthopädischen Forschung am Thompson Laboratory for Regenerative Orthopaedics.

Das von Duren geleitete Forscherteam untersuchte die Röntgenbilder von mehr als 1.000 zwischen 1915 und 2006 geborenen Kindern, insbesondere Röntgenbilder der Knochen in den Händen und Handgelenken, um den genauen Zeitpunkt des Beginns und des Endes eines Entwicklungsprozesses, der als Epiphysenschluss bezeichnet wird, zu ermitteln. Beim Verschluss der Epiphysenfuge wird knorpelige in eine knöcherne Substanz umgewandelt. Sie kennzeichnet das Ende der Skelettreifung und führt zum Ende des Wachstums.
"Wir haben uns auf den Epiphysenschluss konzentriert, weil sie das Ende des Knochenwachstums signalisiert", sagte Duren. "Es beginnt, wenn die Wachstumsplatten, bei der es sich um Knorpel am Ende des Knochens handelt, die Epiphyse oder Knochenkappe durch kleine Verkalkungen mit dem langen Knochen zu verbinden beginnt. Schließlich verkalkt die Wachstumsplatte vollständig und verbindet sich mit dem Knochen. Wenn die Fusion abgeschlossen ist, ist es auch das Wachstum dieses Knochens."

Das Forschungsteam nutzte Röntgenaufnahmen aus der Fels Longitudinal Study, der weltweit einzigen fast ein Jahrhundert dauernden Studie über Wachstum und Entwicklung des Menschen, um zu ermitteln, wann die Fusion bei Kindern begann, die bereits 1915 geboren wurden. Die Ergebnisse zeigten, dass die Skelette von Kindern, die in den 1990er Jahren geboren wurden, den Fusionsabschluss und damit die Skelettreife schneller und früher erreichten als in den 1930er Jahren geborene Kinder.

Diese Ergebnisse wirken sich direkt auf den Zeitpunkt der klinischen Behandlung bestimmter pädiatrischer orthopädischer Erkrankungen aus, z.B. Unterschiede in der Beinlänge, Skoliose, und den Zeitpunkt der Verwendung von Wachstumshormonen.

Dr. Mel Boeyer, promovierter orthopädischer Forschungsstipendiat und Mitautor der Studie, arbeitet eng mit orthopädischen Chirurgen für Kinder zusammen, um zu verstehen, wie Ärzte diese Behandlung durchführen.
"Der Zeitpunkt, wann diese Erkrankungen behandelt werden, ist eine entscheidende Komponente für ein gutes Ergebnis", verdeutlichte Boeyer. "Was diese Forschung zeigt, ist, dass Ärzte den Epiphysenschluss früher annehmen müssen, als sie gedacht hatten."

Die Studie geht nicht auf die mögliche Ursache dieser neuen Norm ein. Duren und viele ihrer Kollegen glauben jedoch, dass eine erhöhte Exposition gegenüber Umwelthormonen und Hormon-ähnlichen Substanzen dazu beitragen könnte.

Quelle: ScienceDaily, University of Missouri-Columbia, Clinical Orthopaedics and Related Research





Autor: äin-red