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06.08.2018

Kann Honig die schweren Folgen einer geschluckten Knopfbatterie lindern?

Ein Team von Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten vermutet aufgrund ihrer Forschungsarbeit, dass die Einnahme von Honig nach dem Schlucken einer Knopfbatterie möglicherweise schwere Verletzungen bei Kleinkindern lindern kann. Ihre Befunde bei Versuchstieren legen nahe, dass dieses gängige Haushaltsprodukt die Morbidität und Mortalität von stark alkalischen Batterien signifikant reduzieren kann.

© design56 - Fotolia.com

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In den USA gab es einen mehr als 12-fachen Anstieg der Todesfälle aufgrund von Knopfbatterien in den letzten zehn Jahren im Vergleich zum vorherigen Jahrzehnt, warnt Co-Autor Dr. Ian N. Jacobs. Direktor des Center for Pediatric Airway Disorders und ein auf Kinder spezialisierter HNO-Arzt am Kinderkrankenhaus von Philadelphia (CHOP). "Da ein ernsthafter Schaden innerhalb von zwei Stunden nach der Einnahme einer Batterie auftreten kann, ist die Zeitspanne, die zwischen Einnahme und Entfernung verstreicht, eine kritische Zeit, in der evtl. Schäden verringert werden können."

Aufgrund ihrer Größe, der bonbonartigen Form und der glänzenden Metalloberfläche sind Knopfzellen seit Jahrzehnten ein Risiko für Kleinkinder. Wenn die Batterie mit Speichel und Gewebe der Speiseröhre reagiert, entsteht eine alkalische Lösung, die das Gewebe angreift und auflöst. Kinder mit einer Knopfbatterie in der Speiseröhre können Halsschmerzen, Husten, Fieber, Schluckbeschwerden entwickeln und haben Schwierigkeiten zu essen. Die Atmung kann geräuschvoll sein. Eine Knopfbatterie in der Speiseröhre kann zu schweren Komplikationen wie Perforation (Durchbruch) der Speiseröhre, Stimmbandlähmung und zu Beschädigungen der Atemwege oder großen Blutgefäße führen. Je länger es dauert, bis die Batterie entfernt wird, desto höher ist das Risiko für diese Kinder, schwere Folgeschäden zu erleiden. Insbesondere Kinder, die keinen Zugang zu Krankenhäusern mit spezialisierten Anästhesisten und Endoskopikern haben, die Erfahrung in der Entfernung von Fremdkörpern haben, sind gefährdet.

Das Forschungsteam wollte erfolgreiche Interventionen zur Linderung dieser Verletzungen im häuslichen und klinischen Umfeld ermitteln und ihre Wirksamkeit an einem lebenden Tiermodell, in diesem Fall Laborschweine, testen. Insbesondere suchten die Wissenschaftler nach schmackhaften, zähfließenden Flüssigkeiten, die eine schützende Barriere zwischen dem Gewebe und der Batterie schaffen und gleichzeitig die alkalischen Konzentrationen neutralisieren könnten. In Laborexperimenten untersuchte das Team verschiedene Optionen, darunter gängige Haushaltsgetränke wie Säfte, Softdrinks und Sportgetränke.

"Wir untersuchten eine Vielzahl von gebräuchlichen Haushalts- und medizinischen Flüssigkeitsoptionen, und unsere Studie zeigte, dass Honig und Sucralfat (Sucralfat. gehört zu den Antazida, das sind Mittel gegen zu viel Magensäure) am wirksamsten vor Verletzungen durch Knopfbatterien schützten, indem sie die Schäden regional begrenzten und nicht so tief werden ließen", so Co-Autor Dr. Kris R. Jatana, ebenso ein auf Kinder spezialisierter HNO-Arzt am Kinderkrankenhaus von Philadelphia (CHOP). "Die Ergebnisse unserer Studie werden unmittelbar in die klinische Praxis übernommen und in die neuesten Leitlinien des National Capital Poison Center zum Umgang mit geschluckten Knopfzellenbatterien aufgenommen."

Frühere veröffentlichte Studien dieses Teams hatten schwach saure Flüssigkeiten wie Zitronensaft als Beweis für das Konzept getestet. Viele Kinder trinken jedoch keinen Zitronensaft. Im Gegensatz dazu ist der süße Geschmack von Honig für kleine Kinder viel besser geeignet.

Quelle: medicaXpress, Children's Hospital of Philadelphia, Laryngoscope

Autor: äin-red