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22.07.2022

Kanadische Studie: Sorgfältig geplante vegetarischer Ernährung sorgt für ähnliches Wachstum wie fleischhaltiger Speiseplan

Eine kanadische Studie zeigt, dass Kinder mit vegetarischer Ernährung im Vergleich zu Kindern, die Fleisch essen, ein ähnliches Wachstum und einen ähnlichen Ernährungsstatus aufweisen. Bei einem vegetarischen Speiseplan bestand nur ein höheres Risiko für Untergewicht.

Eine Studie mit fast 9.000 Kindern ergab, dass diejenigen, die sich vegetarisch ernähren, ähnliche Wachstums- und Ernährungswerte aufwiesen wie Kinder, die Fleisch essen. Die Untersuchung, die in „Pediatrics“ veröffentlicht und von Forschern des St. Michael’s Hospital of Unity Health Toronto geleitet wurde, kam ebenso zu dem Ergebnis, dass Kinder mit vegetarischer Ernährung ein höheres Risiko hatten, Untergewicht zu entwickeln. Dies betont den Autoren zufolge die Notwendigkeit, bei Kindern eine vegetarische Ernährung besonders sorgfältig zu planen.

„In den letzten 20 Jahren haben wir eine wachsende Popularität von pflanzlichen Ernährungsweisen und ein sich veränderndes Lebensmittelumfeld mit mehr Zugang zu pflanzlichen Alternativen gesehen, aber wir verfügten über keine Studien zu den Ernährungsergebnissen bei Kindern mit vegetarischer Ernährung in Kanada“, erklärte Dr. Jonathon Maguire, Hauptautor der Studie und Kinder- und Jugendarzt am St. Michael's Hospital of Unity Health Toronto.
„Diese Studie zeigt, dass kanadische Kinder, die sich vegetarisch ernährten, im Vergleich zu Kindern, die sich nicht vegetarisch ernährten, ein ähnliches Wachstum und ähnliche biochemische Ernährungswerte aufwiesen. […]“
Die Forscher werteten die Daten von 8.907 Kindern im Alter von sechs Monaten bis acht Jahren aus den Jahren 2008 bis 2019 aus. Die Kinder waren alle Teilnehmer der TARGet Kids! Kohortenstudie. Die Teilnehmer wurden in Vegetarier – definiert als eine Ernährung ohne Fleisch – oder Nicht-Vegetarier eingeteilt.

Body-Mass-Index (BMI), Körpergröße sowie Eisen-, Vitamin-D- und Cholesterinspiegel vergleichbar

Die Forscher fanden heraus, dass Kinder, die sich vegetarisch ernährten, im Vergleich zu denen, die Fleisch konsumierten, einen ähnlichen mittleren Body-Mass-Index (BMI), eine ähnliche Körpergröße sowie ähnliche Eisen-, Vitamin-D- und Cholesterinspiegel aufwiesen. Zudem gab es Hinweise darauf, dass Kinder mit einer vegetarischen Ernährung eine fast doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit hatten, untergewichtig zu sein, was als unter dem dritten Perzentil beim BMI definiert ist. Es gab keine Tendenzen zu Übergewicht oder Fettleibigkeit bei den Vegetariern.

Untergewicht kann ein Zeichen dafür sein, dass die Qualität der Ernährung des Kindes nicht den Ernährungsbedürfnissen des Kindes entspricht, um ein normales Wachstum zu unterstützen. Für Kinder, die sich vegetarisch ernähren, sei eine Überwachung des Wachstums, Aufklärung und Beratung durch Experten besonders wichtig, um ihr Wachstum und ihre Ernährung zu unterstützen.

Internationale Richtlinien zur vegetarischen Ernährung im Säuglings- und Kindesalter enthalten unterschiedliche Empfehlungen. Frühere Studien, die die Beziehung zwischen vegetarischer Ernährung und Wachstum sowie Ernährungszustand von Kindern untersucht haben, kamen zu widersprüchlichen Ergebnissen.

„Eine pflanzenbasierte Ernährungsweise gilt als gesund, da Vegetarier mehr Obst, Gemüse, Ballaststoffe, Vollkornprodukte und ungesättigte Fettsäuren verzehren. Allerdings haben nur wenige Studien die Auswirkungen der vegetarischen Ernährung auf das Wachstum und den Ernährungszustand von Kindern untersucht. Vegetarische Ernährung scheint für die meisten Kinder geeignet zu sein“, so Dr. Maguire, der auch Wissenschaftler am MAP Center for Urban Health Solutions am St. Michael’s Hospital ist.

Pflanzliche Ernährung kann viele Formen annehmen

Eine vegetarische Ernährung kann viele Formen annehmen und die Qualität der individuellen Ernährung kann sehr wichtig für das Wachstum und den Ernährungsstatus sein. Den Autoren zufolge müsse weiter geforscht werden, um die Qualität sowohl einer vegetarischen als auch veganen Ernährung bei Kindern sowie deren Auswirkungen auf ihr Wachstum und ihren Ernährungsstand zu überprüfen, d.h. auch Ernährungsweisen, die sämtliche tierische Produkte wie Milchprodukte, Eier und Honig ausschließen.

Quellen: ScienceDaily, St. Michael's Hospital, Pediatrics

Autor: äin-red