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07.06.2019

Kaiserschnitt erhöht Risiko für Kinder, als Säugling wegen Bronchiolitis ins Krankenhaus zu müssen

Laut einer Untersuchung, die auf dem Pediatric Academic Societies Meeting vorgestellt wurden, haben Kinder, die per Kaiserschnitt auf die Welt kamen, ein höheres Risiko, als Säugling wegen Bronchiolitis in ein Krankenhaus eingeliefert werden müssen, als Säuglinge, die durch eine natürliche Entbindung geboren wurden.

Die Forscher ergänzten, dass die Jahreszeit, in der das Kind geboren wird, das Risiko für einen Krankenhausaufenthalt aufgrund dieser Atemwegserkrankung ebenso beeinflussen kann. Eine Bronchiolitis ist eine Entzündung der kleinsten, knorpellosen Bronchien (Bronchiolen), die besonders kleine Kinder betrifft.
Laut Lindsey C. Douglas, Dozentin für Pädiatrie am Mount Sinai Kravis Children's Hospital, und Kollegen ist eine der Ursachen für Bronchiolitis bei Säuglingen eine Beeinträchtigung der Abwehrkräfte. Das Mount Sinai Kravis Children's Hospital in New York gilt eines der besten Kinderkrankenhäuser in Amerika. Die Geburt durch Kaiserschnitt kann die Immunabwehr beim Kind beeinträchtigen, da sie nicht vom Mikrobiom der Scheide beeinflusst werde, so die Wissenschaftler.

"Es sind nur wenige modifizierbare Risikofaktoren für eine schwere Bronchiolitis bekannt, die im Säuglingsalter einen Krankenhausaufenthalt erforderlich machen", erklärte Douglas in einem Interview. „Wir wissen, dass die Immunkraft eine Rolle dabei spielt, wie Säuglinge auf Viruserkrankungen reagieren. Wir fanden heraus, dass Säuglinge, die mithilfe eines Kaiserschnitts geboren wurden, in den folgenden 2 Jahren häufiger an Bronchiolitis erkrankten als Kinder, die über eine Vaginalgeburt auf die Welt kamen. Viele dieser Kaiserschnitte waren eine freiwillige Entscheidung der Frauen.“

Douglas und ihre Kollegen führten eine retrospektive Kohortenstudie mit 124.526 israelischen Säuglingen durch, die zwischen 2008 und 2010 geboren worden waren. Sie werteten demografische und klinische Merkmale bei der Geburt sowie den Krankenhausaufenthalt bei Bronchiolitis bis zum Alter von 2 Jahren aus.

Von den in die Studie einbezogenen Säuglingen wurden 4,1% (n = 5.102) wegen Bronchiolitis ins Krankenhaus eingeliefert. Säuglinge, die durch einen Kaiserschnitt geboren worden waren, hatten ein höheres Risiko, ins Krankenhaus eingeliefert zu werden als Säuglinge, die durch eine spontane vaginale Entbindung auf die Welt kamen. Das Risiko wurde zudem durch die Jahreszeit beeinflusst. Demnach vergrößerte sich die Gefahr einer Bronchiolitis, die eine klinische Betreuung erforderlich machte, bei Babys, die im Frühjahr oder im Sommer geboren worden waren.

Eine andere Studie, die auf dem European Congress of Clinical Microbiology & Infectious Diseases (Amsterdam, Niederlande 13. Bis 16. April 2019) vorgestellt wurde, bestätigt die Ergebnisse. Demnach weisen Säuglinge, die durch einen Kaiserschnitt geboren wurden, eine veränderte Darmflora auf, was sie im ersten Lebensjahr anfälliger für Infektionen der Atemwege machen kann.

"Als Kinder- und Jugendärzte können wir keine Empfehlung für einen Kaiserschnitt aussprechen", sagte Douglas. „Wir haben festgestellt, dass ein Kaiserschnitt die Wahrscheinlichkeit für das Kind erhöht, [aufgrund einer Bronchiolitis] stationär behandelt werden zu müssen, insbesondere bei Säuglingen, die im Frühjahr und Sommer geboren werden. Wir schlagen deshalb vor, dass mehr dazu geforscht wird. Unsere Studie weist darauf hin, dass eine vaginale Entbindung eine sichere Option für Mutter und Kind darstellt, wenn der Kaiserschnitt nicht erforderlich ist.“

Quelle: Healio, Mount Sinai, PAS Meeting 2019

Autor: äin-red