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29.06.2020

Känguru-Methode: Haut-zu-Haut-Kontakt wirkt sich positiv auf Frühgeborene aus

Eine Studie der Monash University, Australien, konnte erstmals nachweisen, dass sich Haut-zu-Haut-Kontakt mit Eltern bei Frühgeborenen positiv auf die Herz- und Gehirnfunktion auswirkt.

Ende der 1970er-Jahre entdeckten Fachkräfte in Kolumbien die Vorteile des Haut-zu-Haut-Kontakts (SSC: Scin-to-Scin-Care, kangaroo-care oder Känguru-Methode) für Eltern und Kleinkinder, als Inkubatoren nicht verfügbar waren, um Babys warm zu halten. Mittlerweile ist diese Betreuungsform bei Frühgeborenen weltweit anerkannt.

An der australischen Studie unter Leitung von Professor Arvind Sehgal, Neonatologe und Leiter der Abteilung Neonatal Cardiovascular Research at Monash Children's Hospital, nahmen 40 Frühgeborene teil, die nach etwa 30 Wochen geboren wurden (normal sind 40 Wochen) mit einem Durchschnittsgewicht von 1,3 kg (normal sind 3 kg). Es zeigte sich, dass eine Stunde Haut-zu-Haut-Kontakt pro Tag die Durchblutung des Gehirns und die Herzfunktion signifikant verbesserte im Vergleich zum alleinigen Aufenthalt des Babys im Inkubator.

Die im „Journal of Pediatrics“ veröffentlichte Studie belegt, warum regelmäßiger Hautkontakt mit den Eltern auf den Herzrhythmus und die neurologische Entwicklung des Kindes einen günstigen Einfluss hat. Die Verbesserung der Blutversorgung ist wichtig, da sie Sauerstoff und Nährstoffe zum Gehirn und zu anderen Organen transportiert und die neurologische Entwicklung steuert.
"Die Ergebnisse unserer Studie sind bedeutsam, da dies eine kostengünstige Intervention ist, die leicht bei Säuglingen in Neugeborenenstationen auf der ganzen Welt angewandt werden kann und den am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen hilft", verdeutlichte Professor Sehgal.

Zwar ist Haut-zu-Haut-Kontakt weltweit üblich, doch gibt es immer noch Bedenken, wie z.B., dass Säuglinge zu sehr auskühlen könnten oder kleine Frühgeborene zu instabil sind und diese Behandlung möglicherweise nicht tolerieren, was die Herzfunktion oder den Blutdruck beeinträchtigten kann. In dieser Studie behielten die Säuglinge jedoch ihre Körpertemperatur bei (tatsächlich etwas höher als der Ausgangswert) auch nach einer Stunde Haut-zu-Haut-Kontakt.

Zu den bereits erwähnten Vorteilen der Känguru-Methode gehören weniger Stress und Weinen beim Baby sowie eine stärkere Eltern-Kind-Bindung. Auch Eltern (Mütter) profitieren davon. Sie sind weniger gestresst und ihre Muttermilchproduktion erhöht sich.

„Haut-zu-Haut-Kontakts wäre vielleicht der normale physiologische Zustand, aber die meisten Frühgeborenen erleben Stress, da sie von ihren Eltern getrennt sind", so Professor Sehgal.

"Wir hoffen, dass diese Studie dazu beiträgt, dass Neugeborene auf der ganzen Welt Haut-zu-Haut-Kontakt erleben dürfen und Fachkräfte und Eltern, die dies bereits praktizieren, dadurch eine Bestätigung erhalten, dass sich die Anstrengungen und das Engagement  […] lohnen."

Quelle: MedicalXpress, Monash University, Journal of Pediatrics



Autor: äin-red