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06.12.2001

"Intelligente Wirkstoffe" gegen Krebs

Der Einblick in die Zellbiologie fördert Mittel gegen Krebs: Krebs steht man heute durch den Wissenstand der Zellbiologie und Molekularen Medizin nicht mehr hilflos gegenüber, wie früher. Heute können Tumoren z.B. an ihrem Wachstum gehindert werden. Mit modernen genetischen Methoden hofft man in Zukunft den Krebs bereits in der Entstehung zu hindern, indem man solche Gene ausschaltet, die für die Tumorbildung verantwortlich sind. Dennoch sterben in Deutschland immer noch jährlich 500 Kinder an Krebs.

Die Fortschritte bei der Erforschung der Zellbiologie begünstigen nach Meinung von Experten die Entwicklung «intelligenter» Wirkstoffe gegen Krebs. So könnten neuartige Mittel etwa Wachstumssignale für Tumorzellen blockieren, sagt der Direktor des Chemotherapeutischen Forschungsinstituts Georg-Speyer-Haus (Frankfurt), Prof. Bernd Groner auf einem Symposium. Zudem könnten über spezielle Oberflächen-strukturen des Tumors gezielt Zellgifte einschleust werden.

Die Entzifferung des menschlichen Genoms habe auch Fortschritte in der Biomedizin gebracht, sagt Groner. Vor allem der Vergleich von Gen-Mustern in gesunden und kranken Zellen mache es möglich, solche Gene zu identifizieren, die für die Entwicklung von Wirkstoffen interessant seien.

Charles Streuli von der Universität Manchester (Großbritannien) sagt, dass sich Tumorzellen in der Brust nach neuen Erkenntnissen dem natürlichen Zelltodprogramm entziehen können. So würden in der weiblichen Brust nach dem Ende der Milchproduktion normalerweise rund 90 bis 95% der dafür verantwortlichen Zellen absterben. Manche Zellen könnten jedoch erhalten bleiben und einen Tumor bilden. Mit modernen genetischen Methoden müsse es in Zukunft möglich sein, solche Gene auszuschalten, die Tumorbildung verantwortlich sind.

Jährlich sterben in Deutschland 500 Kinder an Krebs

Trotz großer Erfolge in der Krebstherapie sterben in Deutschland immer noch jährlich 500 Kinder an Krebs. Die Zahl der jährlich an Krebs neuerkrankten Kinder und Jugendlichen bis 15 Jahren beträgt 1800, sagt Prof. Heribert Jürgens (Universität Münster) auf der Halbjahrestagung der deutschen Gesellschaft für pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH). Die häufigsten Formen sind Krebs des Blutsystems (Leukämie ) und Hirntumore, die in ca. 60 bis 90% der Fälle geheilt werden können.

In der Bundesrepublik erkranken unter den 13 Millionen Kindern und Jugendlichen 14 pro 100 000 jährlich neu an Krebs. Diese Zahl verändert sich seit 15 Jahren nicht, sagte Jürgens. Da schon Kleinkinder und sogar Feten im Mutterleib Krebs entwickeln können, halten Mediziner Umweltfaktoren oder die psychosoziale Situation der Eltern für nicht ursächlich.

"Jede Zellteilung beinhaltet das Risiko einer Entartung", erklärte Prof. Günter Henze, Sprecher des Kompetenznetzes Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (Kinderkrebs und Blutkrankheiten). Bei den Kindern seien es Erkrankungen des jeweils am schnellsten wachsenden Körpersystems. Jürgens ergänzte, "in diesen jungen Jahren kommt Krebs
in allen Fällen völlig überraschend".

"Vor 1975 konnten Ärzte so gut wie nichts bei krebskranken Kindern tun", sagte Jürgens. Erst vor einem Vierteljahrhundert wurden Medikamente entwickelt, die Krebs eindämmten. Heute könnten vier von fünf Kindern geheilt werden. Für sie bedeute das aber ein Krankenhausaufenthalt von ein bis zwei Jahren, «in denen ihnen die Klinik zur zweiten Heimat wird", wie Henze sagte.

Die GPOH hat sich zum Ziel gesetzt, den Kindern eine optimale Diagnostik und Therapie zu geben. Gut 95% aller erkrankten Kinder und Jugendlichen werden heute im Rahmen von kontrollierten Studien an Schwerpunktkliniken behandelt, berichtete Prof. Ursula Creutzig, Geschäftsführerin des Kompetenznetzes mit Sitz in Hannover. Der Vorteil sei, dass die kleinen Patienten nach dem neuesten Stand des Wissens behandelt werden.

Mit Hilfe des Bundesforschungsministeriums, das das Netz fünf Jahre lang mit insgesamt 25 Millionen Mark unterstützt, konnten an den beteiligten Klinik-Zentren 27 Forschungs- und Studienassistenten eingestellt werden. Creutzig beklagte aber die noch mangelhafte Finanzierung. Eine Behandlung koste 100 000 bis 300 000 Mark (51 129 bis 153 388 Euro). Teilweise würden Betroffenengruppen finanziell einspringen, doch halte sie das auf Dauer für nicht tragbar. Sie hoffe auf die Unterstützung der Pharmaindustrie.

Autor: äin-red