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29.11.2021

Hirnhautentzündung (Meningitis): Neugeborene sind besonders anfällig

Eine Hirnhautentzündung kann lebensgefährlich werden und verursacht häufig schwere Folgeschäden. Neugeborene sind besonders anfällig für diese Art von Erkrankung; sie entwickeln 30-mal häufiger eine Meningitis als die Allgemeinbevölkerung. Streptokokken der Gruppe B (GBS) sind die häufigste Ursache einer Hirnhautentzündung bei Neugeborenen (neonatalen Meningitis), aber sie sind selten für die Erkrankung bei Erwachsenen verantwortlich.

Wissenschaftler des Institut Pasteur (Frankreich) haben in Zusammenarbeit mit dem Inserm (National Institute of Health and Medical Research, Frankreich), der Université de Paris und dem Necker-Enfants Malades Hospital (AP-HP) versucht, die Anfälligkeit von Neugeborenen für GBS-Meningitis zu erklären. In einem Mausmodell zeigten sie, dass die Unreife sowohl der Darmflora als auch die Durchlässigkeit des Darms und der Gefäße eine Rolle bei der Anfälligkeit von Neugeborenen für eine durch GBS verursachte bakterielle Meningitis spielen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Cell Reports“ veröffentlicht.

Neugeborene entwickeln häufiger eine bakterielle Meningitis als Kinder und Erwachsene. Streptokokken der Gruppe B (GBS) sind die Erreger, der für einen erheblichen Teil der Fälle von neonataler Meningitis verantwortlich sind. In den meisten Fällen geht der Infektion eine bakterielle Besiedelung des Darms voraus. Die Darmflora spielt eine wichtige physiologische Rolle, da sie u.a. an der Verdauung beteiligt ist, Schutz vor krankmachenden Keimen im Darm bietet und zur und Immunentwicklung beiträgt. Neugeborene haben noch keine Darmflora; diese entwickelt sich allmählich in den ersten Wochen nach der Geburt.

In Abwesenheit einer reifen Mikrobiota können die schädlichen Bakterien den Darm großflächig besiedeln. Ohne die Darmflora ist auch die Barrierefunktion der Blutgefäße im Darm weniger effektiv. Diese Barriere müssen die Bakterien überwinden, um über den Blutkreislauf ins Gehirn zu gelangen. Das Immunsystem ist deshalb nicht in der Lage, Infektionen zu kontrollieren.
Unabhängig von der Darmflora sind die Gewebegrenzen (die Schnittstelle zwischen Blut und der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit, die das Gehirn durchspült) bei Neugeborenen nicht vollständig ausgereift, was den Bakterienzugang zum Gehirn ebenso erleichtert.

„In dieser Studie zeigen wir, wie zwei Faktoren, die mit dem Säuglingsalter verbunden sind – die Unreife der Darmmikrobiota und das Wachstum von Darm- und Aderhautepithelgewebe – eine Rolle bei der Anfälligkeit von Neugeborenen für eine durch GBS verursachte Meningitis in allen Stadien der Infektion spielen - von der Darmbesiedelung bis zur Verbreitung im Gehirn", erklärte Professor Marc Lecuit, Mitautor der Studie.

Die Ergebnisse dieser Forschung veranschaulichen die Bedeutung der Darmflora und ihre entscheidende Rolle beim Schutz vor Infektionen.

Quellen: MedicalXpress, Institut Pasteur, Cell Reports


 


Autor: äin-red