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23.11.2020

Haut-zu-Haut-Kontakt mit Eltern lindert Schmerzempfinden bei Babys

Laut einer aktuellen Studie, die von Forschern des University College London (UCL) und der York University in Kanada durchgeführt wurde, zeigt ein Baby geringere Gehirnaktivitäten auf eine schmerzvolle medizinische Prozedur, wenn es die Haut der Eltern spürt.

Während Haut-zu-Haut-Kontakt mit den Eltern den Schmerz zu lindern scheint, konnten die Wissenschaftler beobachten, dass das Gehirn von Neugeborenen stärker auf die Schmerzen reagierte, wenn sie vom Elternteil gehalten wurden, aber statt der Haut die Kleidung zu spüren war. Ihre Ergebnisse stellten die Forscher im „European Journal of Pain“ vor.

Ein leitender Autor, Dr. Lorenzo Fabrizi (UCL Neuroscience, Physiology & Pharmacology), erklärte: "Wir haben festgestellt, dass das Gehirns Schmerzen anders bzw. auf höherer Ebene verarbeitet und wahrscheinlich Schmerzen dämpft, wenn das Baby von einem Elternteil mit Haut-auf-Haut-Kontakt gehalten wird. Das Gehirn des Säuglings verwendet auch einen anderen Weg, um seine Reaktion auf Schmerzen zu verarbeiten.

"Obwohl wir nicht belegen können, ob das Baby tatsächlich weniger Schmerzen hat, bekräftigen unsere Ergebnisse, wie wichtig für Säuglinge die Berührung durch ihre Eltern ist."

Die Studie umfasste 27 Säuglinge im Alter von 0 bis 96 Tagen, die vorzeitig oder zeitgerecht in den Krankenhäusern des University College London geboren wurden. Die Forscher maßen ihre Reaktion auf einen schmerzhaften, aber klinisch erforderlichen Eingriff: die Blutentnahme aus der Ferse durch einen kleinen Fersenstich (Bluttest). Die Gehirnaktivität wurde mittels EEG-Elektroden (Elektroenzephalographie) auf dem Kopf aufgezeichnet.

Die Babys wurden entweder von ihrer Mutter mit Haut-zu-Haut-Kontakt (mit einer Windel bekleidet an der Brust ihrer Mutter) gehalten oder von ihrer Mutter mit Kleidung gehalten oder sie blieben in einem Kinderbett oder Inkubator liegen (die meisten dieser Babys wurden gewickelt).

Die Forscher fanden heraus, dass die anfängliche Gehirnreaktion auf den Schmerz dieselbe war. Aber der Stich in die Ferse löste eine Reihe von vier bis fünf Wellen Gehirnaktivität aus und die späteren Aktivitätswellen wurden davon beeinflusst, ob das Baby Hautkontakt hatte oder mit Kleidung gehalten wurde.
Die Autorin, Professorin Rebecca Pillai Riddell (Institut für Psychologie, York University, Kanada), sagte: "Die leicht verzögerte Reaktion wurde gedämpft, wenn Hautkontakt mit der Mutter bestand, was darauf hindeutet, dass die Berührung der Eltern die Verarbeitung des Reizes auf höherer Ebene des Gehirns beeinflusst. Der Schmerz mag derselbe sein, aber wie das Gehirn des Babys diesen Schmerz verarbeitet und darauf reagiert, hängt von der Art des Kontakts mit einem Elternteil ab.

Das Gehirn der Babys, die im Kinderbett oder Inkubator liegen geblieben waren, reagierte ebenfalls weniger stark auf die Schmerzen als das Gehirn der Babys, die nur Kontakt mit Kleidung hatten. Die Forscher sagen jedoch, dass dies möglicherweise daran liege, dass die Babys nicht durch das Hochheben vor dem Eingriff gestört wurden oder aufgrund des Erfolges der sensiblen, individuellen Betreuung dort.

In ihrem Verhalten gab es bei den Babys keine deutlichen Unterschiede zu erkennen, obwohl die Haut-zu-Haut-Gruppe hinsichtlich ihres Gesichtsausdrucks und der Herzfrequenz leicht reduzierte Reaktionen zeigte. Andere Studien haben herausgefunden, dass Haut-zu-Haut-Kontakt mit einem Elternteil das Verhalten des Babys beeinflusst und möglicherweise die Reaktion auf Schmerzen verringern kann. Diese Studien untersuchten jedoch nicht die Gehirnreaktion.

In der aktuellen Studie wurden die Gehirnaktivitäten der Babys in der Haut-zu-Haut-Kontakt-Gruppe nicht nur gedämpft, sondern sie wurden auch in andere Bahnen geleitet.

Die Erstautorin, Dr. Laura Jones (UCL Neuroscience, Physiology & Pharmacology), verdeutlichte: "Das Gehirn von Neugeborenen weist einen hohen Grad an Plastizität auf, insbesondere bei Frühgeborenen, und ihre Entwicklung hängt in hohem Maße von den Interaktionen mit ihren Eltern ab. Unsere Erkenntnisse können Einblicke liefern, wie Babys lernen, Bedrohungen zu verarbeiten, da sie besonders empfindlich auf mütterliche Anreize reagieren."

Die Co-Autorin Dr. Judith Meek (University College London Hospitals) ergänzte: "Eltern und Ärzte wissen seit vielen Jahren, wie wichtig Haut-zu-Haut-Kontakt für Babys auf der Intensivstation für Neugeborene ist. Jetzt konnten wir nachweisen, dass dies eine solide neurophysiologische Grundlage hat. Das ist eine aufregende Entdeckung."

Quelle: EurekAlert! University College London, European Journal of Pain

Autor: äin-red