Kinder- & Jugendärzte im Netz

Ihre Haus- & Fachärzte von der Geburt bis zum vollendeten 18. Lebensjahr

Herausgeber:

10.10.2017

Großbritannien gelingt erstmals die Ausrottung der Masern

Der Weltgesundheitsorganisation zufolge gelang es Großbritannien 2016 erstmals die Masern zu eliminieren.

Eine Krankheit gilt als ausgerottet, wenn sie seit mindestens drei Jahren nicht mehr im Land selbst zirkuliert. Zwar kann es noch kleine Herde geben, aber diese sind meist aus dem Ausland importiert und breiten sich nicht weiter aus.
Trotzdem warnen Gesundheitsexperten davor, sich damit zufriedenzugeben, denn es gibt nach wie vor große Ausbrüche in Europa. Bis Mitte September gab es in Deutschland dem Robert Koch-Institut zufolge bereits knapp 3,5-fach so viele gemeldete Masernfälle wie im Vorjahr im gleichen Zeitraum.

Falsche Gerüchte ließen Durchimpfungsraten sinken

Großbritannien war bereits in den 1990er-Jahren nahe daran, die Masern zu eliminieren, aber durch den vermeintlichen Skandal um den Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff, ging die Impfrate stark zurück. Dr. Andrew Wakefield hatte über einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Impfstoff und Autismus berichtet, der mittlerweile mehrfach wissenschaftlich widerlegt wurde.

Dr. Mary Ramsay, Chef der Immunisation der Public Health England, sagte: "Wir freuen uns, dass die WHO bestätigt hat, dass Großbritannien im Jahr 2016 die Masern-Eliminierung erreicht hat und dass die Eliminierung der Röteln weiterhin bestehen bleibt. Darüber hinaus haben wir für die Durchimpfung bei 5-Jährigen mit der ersten MMR-Dosis das Ziel der WHO von 95% erreicht.“

Noch vor ein paar Jahren gab es einen großen Anstieg der Masernausbrüche in England. Im Jahr 2012 wurden es fast 2.000 Fälle gemeldet, die höchste Zahl seit 1994. Fast jeder fünfte dieser Erkrankten musste ins Krankenhaus und einige litten unter Komplikationen wie Bronchitis, Lungenentzündung oder Meningitis.

In der Folge rief das Gesundheitsministerium in England im April 2013 Catch-up-Impfprogramme ins Leben, um Kinder zu immunisieren, die nicht während der Ausbrüche geimpft worden waren.

Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit

Masern sind eine hochinfektiöse Viruserkrankung, die für Schwangere, Kleinkinder und Immungeschwächte mit einem erhöhten Komplikationsrisiko verbunden sind.

Masern verursachen häufig Fieber, eine laufende Nase, Husten, rote Augen, Halsschmerzen und einen unverwechselbaren Hautausschlag. Auch kleine grau-weißliche Flecken im Mund und Appetitlosigkeit können Begleiterscheinungen sein.

Der Masernausschlag - kleine rotbraune Flecken, die sich zu größeren Flecken verbinden können - erscheint etwa zwei bis vier Tage nach den ersten Symptomen.

Das Virus, das für die Infektion verantwortlich ist, wird in der Regel innerhalb von 14 Tagen vom Körper vernichtet. Aber in seltenen Fällen gelangt es auch in das Gehirn, wo es jahrelang inaktiv sein kann - manchmal Jahrzehnte.

Obwohl eine Impfung zur Verfügung steht, sind Masern weltweit eine der Hauptursachen für den Tod von kleinen Kindern. Im Jahr 2015 gab es weltweit 134.000 Todesfälle. 2016 ist das letzte Jahr, für das Zahlen vorliegen. Von 2000 bis 2015 gab es einen Rückgang der Todesfälle um 79%. Im Jahr 2000 starben schätzungsweise 651.000 Menschen an Masern.

Im Jahr 2016 erhielten etwa 85% der Kinder weltweit eine Dosis des Masernimpfstoffs mit etwa einem Jahr, gegenüber 73% im Jahr 2000.

Dänemark und Spanien auch erfolgreich

  • Neben Großbritannien galten auch in Dänemark und Spanien im Jahr 2016 die Masern als ausgerottet.
  • In der Republik Moldau (Moldavien), in Schweden und in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien gelten seit 2016 die Röteln als eliminiert.
  • Kroatien, Griechenland, Island, Litauen, Montenegro und Usbekistan waren 2016 laut der WHO sowohl als Masern- wie auch als Röteln-frei.

Quelle: Telegraph, WHO, RKI

Autor: äin-red