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04.11.2019

Grippeimpfung verringert Risiko für einen Krankenhausaufenthalt bei Kindern

Zwei aktuelle Studien weisen darauf hin, dass eine Influenzaimpfung bei Kindern das Risiko für einen Krankenhausaufenthalt um die Hälfte reduzieren kann und bei Erwachsenen kann eine Impfung das Risiko für schwerwiegende Folgen um mehr als ein Drittel senken.

© Picture-Factory - Fotolia.com

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Die Studien werteten Daten von mehreren Grippesaisons aus. Dr. Kristina Bryant vom Norton Children's Hospital und der University of Louisville in Kentucky hofft, dass dies einige Patienten überzeugt.

"Wenn unsere Patienten keine Grippeimpfung wollen, müssen wir fragen, warum", erklärte sie gegenüber Medscape Medical News. Eine häufige Antwort sei, dass sie den Impfstoff in einer Saison hatten und trotzdem an Grippe erkrankt waren.

Diese Studien lieferten nun Hinweise darauf, dass der Impfstoff zwar nicht immer eine Erkrankung verhindern kann, aber den Verlauf abmildern und sogar Todesfälle verhindern könne, verdeutlichte sie.

Insbesondere Schutz für chronisch kranke Kinder, aber auch gesunde Kinder profitieren

"Vor allem in den letzten Jahren gibt es kaum Daten darüber, wie gut der Impfstoff […]  Kindern in den USA schützt", erläuterte Dr. Angela Campbell, von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC).

Unabhängig davon, welche Viren gerade zirkulieren und wie gefährlich sie sind, müssten Kinder mit Grippe häufig ins Krankenhaus eingeliefert, so Campbell. Aktuelle Schätzungen haben aber die Effektivität des Grippeimpfstoffs anhand von Praxisbesuchen beurteilt.

In ihrer Studie führten Campbell und ihre Kollegen eine ungewöhnliche Analyse durch – sie analysierten den Impfschutz anhand der schwersten Fälle. Ihre Kohorte bestand aus 3630 Kindern im Alter von 6 Monaten bis 17 Jahren, die im Verlauf von zwei Grippesaisons in einem von sieben pädiatrischen Zentren mit akuten Atemwegserkrankungen ins Krankenhaus eingeliefert worden waren.
Kinder, die gegen Grippe geimpft waren, hatten demnach nur eine halb so hohe Wahrscheinlichkeit, aufgrund einer Grippeerkrankung in ein Krankenhaus eingeliefert zu werden, wie Kinder ohne Grippe-Impfung (49% in der Saison 2016/17 und 51% in der Saison 2017/18). "Der Schutz für H3N2-Viren betrug 33%, für H1N1-Viren 76% und für B-Viren 59%, als wir die beiden Jahreszeiten kombiniert haben", berichtete Campbell.

"Ungefähr 60% der in Krankenhäusern untergebrachten Kinder hatten eine Grunderkrankung. Das bedeutet, dass 40% der hospitalisierten Kinder, zuvor keine chronische Krankheit aufwiesen", fügte sie hinzu.

Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut in Berlin empfiehlt, Kinder mit chronischen Erkrankungen wie z.B. Asthma, Stoffwechselstörungen, Diabetes mellitus, Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Leber, der Niere oder mit neurologischen Behinderungen inklusive Krampfleiden jährlich gegen Grippe impfen zu lassen. Dies ist bei Kindern ab dem vollendeten 6. Lebensmonat möglich.

Geimpfte Erwachsen erkranken ebenso weniger schwer

Dr. Shikha Garg, MD, von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC), die die Erwachsenenstudie leitete, und ihre Kollegen bewerteten Daten vom Influenza Hospitalization Surveillance Network (FluSurv-NET) von 43.608 Patienten im Alter von mindestens 18 Jahren, die im Verlauf von fünf Grippesaisons (2013/14 bis 2017/18) ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Diese Akten enthalten Informationen aus über 250 Akutspitälern in 13 Bundesstaaten.

Die Wissenschaftler bestimmten den Impfstatus anhand von Krankenakten, Impfregistern und Interviews. Die Forscher stellten fest, dass das Risiko für schwere Verläufe bei geimpften Patienten um 36% niedriger war als bei nicht geimpften.

Insbesondere für Erwachsene im Alter von 18 bis 64 Jahren, die mit H1N1 im Krankenhaus behandelt wurden, verringerte die Impfung das Sterberisiko um 36%, das Risiko für die Aufnahme auf die Intensivstation um 19%, das Risiko für eine Beatmung um 34% und das Risiko für eine Lungenentzündung um 17%.
Darüber hinaus waren die Aufenthalte auf der Intensivstation bei geimpften Patienten kürzer. "Unsere Studie liefert weitere Belege dafür, dass der Erhalt eines Grippeimpfstoffs die Schwere der Influenza verringert", fasste Garg zusammen.

Quelle: Medscape, IDWeek (1, 2)




Autor: äin-red