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25.04.2011

Gewalt bei Kindern erhöht Risiko für spätere Erkrankungen

Laut Experten reagieren Kinder, die Gewalt erfahren haben, als Erwachsene schneller  in Affektzustände, wenn sie von entsprechenden Erinnerungen und Gefühlen überschüttet werden. Dies habe starke hormonelle Reaktionen unter Stress und chronischen Entzündungsprozesse zur Folge. Die Folge: Viele traumatisierte Menschen rauchen, ernähren sich ungesund und bewegen sich weniger und haben dadurch ein erhöhtes Erkrankungsrisiko …

Gewalt bei jungen Menschen wirkt sich nicht nur auf die Psyche aus, sondern erhöht Studien zufolge auch das Risiko für spätere körperliche Erkrankungen. Wer im frühen Leben misshandelt oder sexuell missbraucht werde, sei später anfälliger für eine chronische Schmerzstörung, bestimmte Herzkrankheiten oder Diabetes, erklärte Prof. Johannes Kruse.

Eine erhöhte Gefährdung erklären Mediziner mit dem Lebensstil, starken hormonellen Reaktionen unter Stress und chronischen Entzündungsprozessen. „Viele traumatisierte Menschen rauchen, ernähren sich ungesund und bewegen sich weniger“, sagte Kruse. Das Rauchen spiele eine große Rolle in der Bewältigung unangenehmer Affektzustände, in die diese Patienten immer wieder geraten würden, wenn sie von entsprechenden Erinnerungen und Gefühlen überschüttet werden. „Es dient quasi der Selbstberuhigung“, verdeutlichte Kruse.

Zusätzlich zeigten Untersuchungen, dass Gewaltopfer später besonders heftig auf Stress reagierten. „Bei diesen Menschen schüttet der Körper unter Belastung vermehrt und über längere Zeit Stresshormone aus.“ Diese Reaktionen könnten wiederum Puls, Atemfrequenz und Blutdruck in die Höhe treiben, beschreibt der Facharzt für Psychosomatik und stellvertretende Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie das Phänomen.

Fünf bis 10% aller Kinder in Deutschland seien Studien zufolge Opfer von sexuellem Missbrauch. Über 10% der Heranwachsenden seien heftiger Gewalt ausgesetzt. Als Erwachsene würden mehr als die Hälfte der Betroffenen die Symptome einer Belastungsstörung aufweisen.

Quelle: dpa

Autor: äin-red