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27.11.2020

Frühe Pubertät: Erhöhtes Risiko für Selbstverletzungen

Kinder, die früher als andere Kinder in die Pubertät kommen, haben anscheinend ein erhöhtes Risiko, sich als Teenager zu verletzen. berichten britische Forscher.

© Klaus Peter Adler - Fotolia.com

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"Unsere Studie ist die erste, die den Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der Pubertät und selbstverletzendem Verhalten anhand eines objektiven Maßes für den Zeitpunkt der Pubertät bei Jungen untersucht", erklärte der Hauptautor Elystan Roberts, ein Forscher an der Universität Bristol. Er sagte, es sei wichtig herauszufinden, warum selbstverletzendes Verhalten unter jungen Menschen zunimmt, damit denjenigen geholfen werden kann, die am stärksten gefährdet sind.

"Wir wissen immer noch nicht viel über die psychologischen Auswirkungen einer früh einsetzenden Pubertät bei Jungen, da der Beginn der Pubertät bei Männern so schwer zu messen ist. Unsere Ergebnisse werden daher wichtig sein, um das Selbstverletzungsrisiko bei Jungen und Mädchen zu verringern", so Roberts in einer Pressemitteilung der Universität. Die Co-Autorin Dr. Becky Mars von der Medical School der Universität Bristol ergänzte, dass biologische Faktoren wie Gehirnentwicklung oder Hormonveränderungen oder psychosoziale Faktoren wie Mobbing, Substanzkonsum oder Depression beteiligt sein könnten. "Sobald wir ein besseres Verständnis für die Gründe haben, warum ‚Frühentwickler‘ sich eher selbst verletzen, können Interventionen entworfen und durchgeführt werden, um das Risiko von Selbstverletzungen zu verringern", verdeutlichte Mars.

Daten von mehr als 5.000 Jungen und Mädchen zeigten, dass eine frühe Pubertät im Alter von 16 Jahren zu einem höheren Risiko für selbstverletzendem Verhalten führte. Bei Mädchen hielt das Risiko bis ins Erwachsenenalter an.

Dass eine frühe Pubertät mit einem erhöhten Risiko der Selbstverletzung bei jungen Frauen verbunden ist, darauf haben vergangene Studien bereits hingewiesen. Die Ergebnisse für männliche Jugendliche und Männer waren bisher jedoch inkonsistent. Die Schwierigkeit lag vor allem in der Bestimmung des Zeitpunkts, wann die Pubertät bei männlichen Heranwachsenden einsetzt. Oft wurden subjektive Maßstäbe herangezogen.

Phase des schnellsten Wachstums als objektives Maß für Einsetzen der Pubertät sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen

Das Hauptziel der britischen Studie war es daher, den Zusammenhang zwischen Pubertätsbeginn und Selbstverletzung bei beiden Geschlechtern in der Jugend und im jungen Erwachsenenalter anhand eines objektiven Maßes zu untersuchen. Die britischen Forscher verwendeten dafür die Phase, in der Jungen und Mädchen am schnellsten wuchsen – Jungen in einem Alter von 13,5 Jahren und Mädchen in einem Alter von 11,8 Jahren. Sie werteten zudem Fragebögen aus, die die Teilnehmer im Alter von 16 und 21 Jahren ausgefüllt hatten.

Mit 16 Jahren gaben 10% der Jungen und 25% der Mädchen an, sich selbst verletzt zu haben. Mit 21 gaben 28% der Männer und 35% der Frauen an, sich selbstverletzend zu verhalten. Die meisten von ihnen hatten eine frühe Pubertät erlebt, stellten die Forscher fest. Ein früher Wachstumsschub war mit einem 15%-igen Anstieg des Selbstverletzungsrisikos von Mädchen im Alter von 16 Jahren verbunden. Bei Jungen war ein großer Wachstumsschub mit einem 28%-igen Anstieg für selbstverletzendes Verhalten gekoppelt. Dies zeige möglicherweise keinen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung, schränkten die Forscher ein. Aber es handele sich um große Unterschiede bei den Risiken für selbstverletzendes Verhalten.

Quelle: HealthDay, University of Bristol, Epidemiology and Psychiatric Sciences

Autor: äin-red