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28.09.2020

Finnland: Soziale Distanzierung verringerte Atemwegsinfekte im Frühjahr bei Kindern

Die soziale Distanzierung verringerte in Finnland die Zahl der minderjährigen Patienten in den Notaufnahmen auf fast ein Drittel der sonst üblichen Patienten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie.

In Finnland wurde als Reaktion auf die Coronavirus-Pandemie im März 2020 der Ausnahmezustand ausgerufen. Es wurden u.a. Schulen und öffentliche Einrichtungen geschlossen und Versammlungen mit über zehn Personen verboten. Die sich daraus ergebenden soziale Distanzierung verringerte die Zahl der Kinder, die in die Notaufnahme mussten, auf fast ein Drittel der üblichen Zahl. Zu diesem Ergebnis kommt finnische Studie, die von der Universität von Ostfinnland, dem Kuopio University Hospital und dem National Institut for Health and Welfare (Forschungsinstitut des Gesundheitsministeriums) durchgeführt wurde.

Die Forscher erfassten die Anzahl der pädiatrischen Notaufnahmen in zwei finnischen Krankenhäusern (Kuopio University Hospital, Mikkeli Central Hospital) vier Wochen vor und vier Wochen nach der Ausgangssperre des Landes. Darüber hinaus wurde die landesweite wöchentliche Anzahl der Erkrankungen mit Influenza (A + B) und Infektionen mit dem Respiratory Syncytial Virus (RSV) bei Kindern aus dem nationalen Register für Infektionskrankheiten für die Influenzasaison 2019–2020 ermittelt und mit den Zahlen von 2015 verglichen.
Neben einem Rückgang der pädiatrischen Notaufnahmen wurde die Anzahl der Überweisungen in Krankenhäuser seit Beginn der Einschränkungen um die Hälfte verringert. Ein ähnlicher Rückgang wurde sowohl in Krankenhäusern als auch bei Kindern jedes Alters beobachtet.

Virale Atemwegsinfektionen sind normalerweise häufiger Grund für Besuch in der Notaufnahme

Für Besuche von Eltern mit Kindern in der Notaufnahme sind meist Virusinfektionen der Atemwege verantwortlich, doch während des „Lockdowns“ nahmen insbesondere Fälle von Infektionen der oberen Atemwege und Mittelohrinfektionen deutlich ab. Am auffälligsten waren die Unterschiede bei Infektionen der unteren Atemwege, d. h. Bronchitis und Lungenentzündung, deren Inzidenz auf etwa ein Fünftel fiel. Ein ähnlicher Rückgang war bei den Zahlen im Frühjahr 2019 nicht zu verzeichnen.

Die Influenza-Saison und die RS-Virus-Epidemie endeten kurz nach der Erklärung der des Ausnahmezustands. Im Vergleich zu früheren Jahren dauerte die Influenza-Saison nur etwa halb so lange wie sonst (8 Wochen gegenüber 13 bis 20 Wochen in früheren Jahren). Während des Studienzeitraums wurden in teilnehmenden Krankenhäusern keine pädiatrischen Fälle von COVID-19 festgestellt.

"Wir sind an die Vorstellung gewöhnt, dass Kinder fast immer an Atemwegsinfekten leiden. Am häufigsten bekommen sie Bronchitis und Mittelohrentzündungen. Kinder unter einem Jahr müssen auch oft aufgrund einer RSV-Infektion oder einer Grippe ins Krankenhaus. Die zeigt, dass soziale Distanzierung eine wichtige Rolle bei der Verringerung von Infektionen bei Kindern, ihren Besuchen in den Notaufnahmen und bei Einweisungen ins Krankenhaus spielen", verdeutlicht Marjo Renko, Professor für Pädiatrie an der Universität in Ostfinnland.

Quelle: medicalXpress, University of Eastern Finland, Pediatric Infectious Diseases Journal







Autor: äin-red