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10.02.2008

Extreme Wutanfälle im Vorschulalter können auf seelische Probleme hindeuten

Für Kinder im Vorschulalter ist nicht ungewöhnlich gelegentlich ihre Aggressionen sehr deutlich zum Ausdruck zu bringen. Wenn sich aber die extreme Wutanfälle häufen und sich das Kind kaum noch beruhigen kann, dann besteht die Möglichkeit einer seelischen Erkrankung...

Bestimmte Arten sehr stark ausgeprägter Wutanfälle bei Kindern im Vorschulalter können ein Zeichen für eine Verhaltensstörung oder emotionale Probleme sein. Auch wenn emotionale Ausbrüche bei kleinen Kindern häufig und nicht ungewöhnlich sind, deuten lang andauernde, häufige, gewalttätige oder selbst zerstörerische Wutanfälle nach Erkenntnissen von Forschern der Washington Universität in St. Louis, USA, möglicherweise auf seelische Probleme hin. Die Wissenschaftler verglichen die Wutanfälle von gesunden Kindern mit den Ausbrüchen von Kindern, die an Depressionen, einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung oder beidem zugleich litten. Die Studie umfasste insgesamt 270 Kinder im Alter zwischen 3 und 6 Jahren. Die Das Forscherteam begleitete die Kinder über mehrere Jahre und konnten 5 Besonderheiten bei Wutanfällen identifizieren, die mit einer Erkrankung an einer Depression oder ADHS in Verbindung standen.

  1. Bei besonders heftigen Aggressionen gegenüber anderen Personen oder wenn bei den meisten Wutanfällen Objekte wie zum Beispiel Spielzeug zerstört werden, besteht eine Neigung zu einer Erkrankung an ADHS.
  2. Besorgniserregend ist es auch, wenn Kinder sich bei den Wutanfällen selbst verletzen, indem sie sich zum Beispiel kratzen, bis sie bluten, sich selbst beißen oder den Kopf gegen die Wand schlagen. Diese Verhaltensweise trat in der Studie ausschließlich bei Kindern auf, die an einer Depression erkrankt waren.
  3. Mehr als 5 Wutanfälle täglich an mehreren aufeinander folgenden Tagen erwiesen sich ebenfalls als Warnzeichen für eine mögliche seelische Störung.
  4. Normalerweise dauern Wutanfälle bei Kindern im Vorschulalter bis zu 10 Minuten. Bei einigen Kindern in der Studie, insbesondere denjenigen mit ADHS, dauerten die Ausbrüche mehr als 25 Minuten.
  5. Wenn es Kindern sehr schwer fällt, sich nach einem Wutausbruch wieder zu beruhigen, besteht ebenfalls ein erhöhtes Risiko für psychische Probleme.

Die Forscher betonen, dass es wichtig sei, die Ergebnisse in weiteren Studien zu belegen, auch um weitere möglicherweise problematische Verhaltensweisen bei Wutanfällen zu finden. Nachdem sich diese Untersuchung auf die Berichte von Eltern stützte, ist es wichtig, in Zukunft auch Videoaufnahmen zu berücksichtigen.

Es ist ganz normal, dass Kinder im Vorschulalter Wutausbrüche haben. Auch gesunde Kinder können durchaus extremere Verhaltensweisen an den Tag legen, wenn sie zum Beispiel krank sind oder Hunger haben. Wenn aber ein Kind regelmäßig Auffälligkeiten bei Wutanfällen zeigt, wie selbst verletzendes Verhalten, oder wenn sich das Kind kaum noch beruhigen kann, dann sollte Eltern mit ihm einen Kidner- udn Jugendarzt bzw. einen Kinder- und Jugendpsychiaters aufsuchen.

Autor: äin-red