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10.08.2018

Extreme Hitze beeinträchtigt die geistige Leistungsfähigkeit

Schüler oder Studenten, die während einer Hitzewelle in Gebäuden ohne Klimaanlage lebten, zeigten schlechtere Ergebnisse bei einer Reihe von kognitiven Tests im Vergleich zu denjenigen, die in klimatisierten Räumen wohnten. Davon berichtet eine Studie der Harvard T.H Chan School of Public Health, USA.

© grafikplusfoto - Fotolia.com

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Die Studie, die zum ersten Mal die negativen kognitiven Effekte von Innenraumtemperaturen während einer Hitzewelle bei einer Gruppe junger gesunder Menschen untersuchte, unterstreicht die Notwendigkeit nachhaltiger Lösungen zur Linderung der gesundheitlichen Auswirkungen extremer Hitze.
"Die meisten Untersuchungen über die gesundheitlichen Auswirkungen von Wärme wurden bei gefährdeten Bevölkerungsgruppen wie älteren Menschen durchgeführt, was den Anschein erweckte, dass die Bevölkerung im Allgemeinen nicht durch Hitzewellen gefährdet sei", erklärte José Guillermo Cedeño-Laurent, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Harvard Chan School und Hauptautor der Studie. Deshalb beobachteten Cedeño-Laurent und seine Kollegen gesunde Schüler und Studenten, die während einer Hitzewelle in Boston lebten. Die Studie wurde am 10. Juli 2018 in PLOS Medicine im Rahmen einer Sonderausgabe zum Thema „Klimawandel und Gesundheit“ veröffentlicht.
Extreme Hitze kann schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben und ist die häufigste Todesursache aller meteorologischen Phänomene in den USA. Die Temperaturen auf der ganzen Welt steigen, wobei 2016 das wärmste Jahr seit den letzten zwei Jahrhunderten war. Während die gesundheitlichen Auswirkungen von extremer Hitze gut dokumentiert sind, konzentrierten sich die meisten Studien bisher auf Risikopatienten, einschließlich der sehr jungen oder älteren Menschen, und orientieren sich überwiegend an den Aufzeichnungen der Außentemperaturen. Das Verständnis der Auswirkungen von Innenraumtemperaturen ist jedoch wichtig, da viele 90% ihrer Zeit in geschlossenen Räumen verbringen.

Für die aktuelle Studie beobachteten die Forscher 44 Schüler bzw. Studenten in ihren späten Teenagerjahren und in den frühen Zwanzigern, die in Wohnheimen untergebracht waren. Vierundzwanzig der jungen Menschen lebten in benachbarten sechsstöckigen Gebäuden, die in den frühen 1990er Jahren entstanden waren und zentrale Klimaanlagen besaßen. Die restlichen 20 Teilnehmer lebten in niedrigen Gebäuden, die zwischen 1930 und 1950 gebaut worden waren und in denen keine Klimaanlage installiert war. Die Forscher rüsteten den Raum jedes Schülers mit einem Gerät aus, das die Temperatur, den Kohlendioxidgehalt, die Luftfeuchtigkeit und den Geräuschpegel maß und erfassten die körperliche Aktivität der Probanden und deren Schlafmuster mit tragbaren Geräten.

Die Aufzeichnungen erfolgten an 12 aufeinander folgenden Tagen im Sommer 2016. Die ersten fünf Tage herrschten für die Jahreszeit typischen Temperaturen. Dann folgte eine fünftägige Hitzewelle und anschließend eine zweitägige Phase der Abkühlung. Die Schüler bzw. Studenten absolvierten täglich gleich nach dem Aufwachen zwei kognitive Tests auf ihren Smartphones. Der erste Test verlangte von ihnen, die Farbe der angezeigten Wörter korrekt zu identifizieren, und sollte die kognitive Geschwindigkeit und „Hemmungskontrolle“ bewerten - oder die Fähigkeit, sich auf relevante Reize zu konzentrieren, wenn auch irrelevante Reize vorhanden sind. Der zweite Test bestand aus grundlegenden arithmetischen Fragen und wurde verwendet, um die kognitive Geschwindigkeit und das Arbeitsgedächtnis zu messen.
Die Ergebnisse zeigten, dass die Teilnehmer während der Hitzewelle in den Gebäuden ohne Klimaanlagen in den Tests schlechter abschnitten als diejenigen in den klimatisierten Räumen. Bis zu fünf Messeinheiten verringerte sich die kognitive Leistung, einschließlich Reaktionszeiten und Arbeitsgedächtnisses. Während der Hitzewelle zeigten die jungen Menschen in Gebäuden ohne Klimaanlage um 13,4% längere Reaktionszeiten bei Farbworttests und um 13,3% niedrigere Additions-/Subtraktionstestwerte im Vergleich zu den Teilnehmern in klimatisierten Räumen.

Insgesamt zeigen diese Daten, dass junge Menschen in Räumen mit Klimaanlagen nicht nur schneller reagieren, sondern auch genauer.

Nach Hitzewelle bleiben Innenräume oft noch aufgeheizt

Interessanterweise wurde der signifikanteste Unterschied in der kognitiven Funktion zwischen den beiden Gruppen während der Abkühlphase beobachtet, als die Außentemperaturen abzuflauen begannen, aber die Innenraumtemperaturen in den Räumen ohne Klimatisierung erhöht blieben.
"Die Innentemperaturen steigen oft auch nach Abkühlung der Außentemperatur weiter an, was den falschen Eindruck erweckt, dass die Gefahr vorüber ist, wenn tatsächlich die ‚Hitzewelle in Innenräumen‘ weiterbesteht", sagte Joseph Allen, wissenschaftlicher Assistent und Co-Direktor des Center for Climate, Health, and the Global Environment (C-CHANGE) an der Harvard Chan School und einer der leitenden Autoren der Studie. "In Regionen der Welt mit vorwiegend kaltem Klima wurden Gebäude so geplant, dass sie Wärme speichern. Diese Gebäude haben es in heißen Sommertagen, die es durch das sich verändernde Klima gibt, schwer, Wärme abzugeben, was zu Hitzewellen in Innenräumen führt."

Quelle: medicalXpress, PLOS Medicine

Autor: äin-red