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04.01.2018

Experten warnen vor Stigmatisierung von übergewichtigen Kindern und Jugendlichen

Die amerikanische Gesellschaft der Kinder- und Jugendärzte (American Academy of Pediatrics: AAP) und die amerikanische Adipositas-Gesellschaft (Obesity Society) warnen vor den sozialen und emotionalen Auswirkungen der Stigmatisierung von übergewichtigen Kindern und Jugendlichen.

© uwimages – Fotolia.com

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Ärzte drängen dazu, auf die Sprache im Umgang mit dicken Kindern und Jugendlichen zu achten, um gesellschaftliche Diskriminierung zu vermeiden. Für Kinder, die übergewichtig oder fettleibig sind, können Stigmatisierung und Diskriminierung ihre Gesundheitsprobleme verstärken und ihre Lebensqualität beeinträchtigen. Negativ besetzte Wörter beschämen sie, sie fühlen sich ausgeschlossen und deprimiert. Studien belegen, dass Übergewicht alleine schon das Risiko stark erhöht, in eine Opferrolle zu geraten und gemobbt zu werden. 

In der Schule gehört Mobbing aufgrund des Gewichts zu den häufigsten Formen von Beeinträchtigung durch Schüler, die von Schülern gemeldet werden. 71% derjenigen, die eine Behandlung zur Gewichtsabnahme wünschen, erklären, dass sie im vergangenen Jahr wegen ihres Gewichst gemobbt wurden, und mehr als ein Drittel gab an, dass sie bereits seit mehr als fünf Jahre aufgrund ihres Gewichts gemobbt wurden. Doch auch Lehrer sind nicht frei von Vorurteilen. Befragungen unter Pädagogen haben ergeben, dass sie häufig von normalgewichtigen Kindern bessere Leistungen erwarten als von Kindern mit Übergewicht.

Selbst Kindersendungen verbreiten streotype Darstellungen. Normalgewichtige Kinder werden dort meist als freundlich, beliebt und attraktiv dargestellt, während dicke Kinder oft als aggressiv, unbeliebt, bösartig und ungesund porträtiert werden. Sie sind auch in Filmen gerne Opfer von Streichen.

Stigmatisierung verschlimmert Probleme

Die Stigmatisierung von Menschen mit Adipositas ist weit verbreitet. Studien weisen darauf hin, dass sich das negative Bild bezüglich dicken Menschen, das in der Gesellschaft herrscht, schon bei Dreijährigen zu formen beginnt. Das Negativ-Image wird in der Gesellschaft oft propagiert und geduldet, weil viele glauben, dass Stigmatisierung und Scham dazu motivieren könnten, Gewicht zu verlieren. Doch das Gegenteil ist der Fall: Übergewichtige fühlen sich ausgeschlossen und deprimiert, sie reagieren mit Verhaltensweisen wie Essattacken, vernachlässigen ihre Gesundheit noch mehr, bewegen sich weniger, was wiederum zur Gewichtszunahme beiträgt, sie verschlimmert und gesunde Verhaltensänderungen weiter erschwert.

Kinder und Jugendliche mit Gewichtsproblemen sind aufgrund ihrer negativen Erfahrungen Studien zufolge anfälliger als normalgewichtige Gleichaltrige für Depressionen, Angsterkrankungen, Suchtprobleme und entwickeln meist ein geringes Selbstbewusstsein und ein negatives Körperbild.

Unterstützung und positive Haltung helfen

Die AAP empfiehlt deshalb, die "Menschen zuerst" zu nennen, beispielsweise "Kind mit Übergewicht" anstelle von "übergewichtiges Kind". Mitfühlende und unterstützende Gespräche sollen Heranwachsende ermutigen, sich mit der Ausgrenzung und mit dem Mobbing auseinanderzusetzen. Kinder- und Jugendärzte können Eltern und Betroffene unterstützen und beraten, wie sie das Gewichtsstigma im häuslichen Umfeld vermeiden und es in der Schule bekämpfen.

„Die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Adipositas bedeutet mehr als nur eine Änderung der Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten. Es geht auch darum, die sozialen und emotionalen Auswirkungen zu behandeln, die mit übermäßigem Gewicht verbunden sein können", verdeutlichte Prof. Dr. Stephen J. Pont, ein Hauptautor der Stellungnahme. "Wir hoffen, durch diese neuen Empfehlungen effektivere und einfühlsamere Ansätze für die Behandlung von Kindern mit Adipositas und deren Familien zu fördern."

Quelle: AAP News/Healthychildren.org, Pediatrics




Autor: äin-red