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25.12.2019

Essstörung mit „normalem“ Gewicht: Atypische Magersucht

Wer als übergewichtiger Heranwachsender in kurzer Zeit viel Gewicht verliert oder über einen langen Zeitraum laufend abnimmt, leidet möglicherweise unter einer Essstörung, auch wenn er nicht abgemagert aussieht. Diese Essstörung wird deshalb als untypische Magersucht bezeichnet. Sowohl die typische Magersucht (Anorexia nervosa) als auch die untypische Magersucht (atypische Anorexie) kann gefährliche gesundheitliche Auswirkungen haben.

„Beide Patientengruppen haben ein gestörtes Körperbild und extreme Angst davor, zuzunehmen und schränken ihre Nahrungszufuhr stark ein. Nur bei der atypischen Anorexie fällt das Hungern nicht so auf, da bei den meisten ehemals übergewichtigen Patienten immer noch ein weitgehendes ‚normales‘ oder sogar etwas mehr als „normales“ Gewicht vorliegt. Trotzdem ist bei Essstörungen oftmals der Hormonhaushalt oft soweit gestört, dass bei Mädchen die Regelblutung ausbleibt. Bei erheblicher Unter- bzw. Mangelernährung ist der Puls ist in der Regel verlangsamt, was zu Herzrhythmusstörungen führen kann. Auch die Körpertemperatur ist meist herabgesetzt.“, beschreibt Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), das Krankheitsbild. Gefährlich ist vor allem das Elektrolytungleichgewicht, das die Funktion des Gehirns, der Muskeln und des Herzens beeinträchtigt. Länger andauernde Elektrolytstörungen schädigen zudem das Nierengewebe. Eine Behandlung im Krankenhaus kann erforderlich werden.

In einer in „Pediatrics“ veröffentlichen amerikanischen Studie, in der Betroffene mit beiden Essstörungen untersucht wurden, zeigte sich, dass die Heranwachsenden bzw. jungen Erwachsenen (12 bis 24 Jahre) bei beiden Formen durchschnittlich ca. 14 kg in etwa 15 Monaten verloren hatten. Etwa ein Drittel der Patienten, die aufgrund einer Essstörung in der Klinik behandelt werden müssen, sind den Autoren zufolge derzeit Patienten mit einer atypischen Magersucht. „Der Body Mass Index sagt zwar etwas über das Gewicht aus, das ein Jugendlicher hat, aber er kann keine Aussage über seine Gesundheit geben. Bei Übergewicht ist es wünschenswert, dass ein junger Mensch an Gewicht verliert, doch sollte dies am besten unter ärztlicher Kontrolle erfolgen, um negative Folgen zu vermeiden“, rät Dr. Fegeler.

In den letzten 30 Jahren hat Übergewicht bei Jugendlichen deutlich zugenommen. Der KiGGS-Studie zufolge (Welle 2) leiden bei Kindern im Alter von 3 bis 17 15,4% unter Übergewicht und 5,9% unter Fettleibigkeit (Adipositas). Je älter Kinder werden, desto höher ist ihr Risiko für Übergewicht. Heranwachsende mit zu vielen Pfunden hören von vielen Seiten, dass sie abnehmen sollten. Doch wenn dies auf eigene Faust geschieht, ist es meist nicht der beste Weg, wie z.B. Abnahme durch eine Radikaldiät, einseitige Ernährung und extreme körperliche Betätigung. „Anerkennung und Lob von anderen für ihren Gewichtsverlust spornt Betroffene an, weiterzumachen. Dabei glauben Teenager oft, dass sie immer noch etwas für ihre Gesundheit tun, weil sie ja nicht untergewichtig sind“, ergänzt Dr. Fegeler.

Quellen: Pediatrics, University of California, RKI
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Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ). Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.kinderaerzte-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des BVKJ-Elternportals verlinken. Fotos und Abbildungen dürfen grundsätzlich nicht übernommen werden.

Autor: äin-red