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03.01.2022

Erste COVID-19-Welle in Kanada war mit einer Zunahme von Patienten mit Magersucht verbunden

Kanadische Forscher beobachteten mit Beginn der COVID-19-Pandemie einen Anstieg der Diagnosen und Krankenhauseinweisungen aufgrund von Magersucht ( Anorexia nervosa) sowohl bei Kindern als auch bei Jugendlichen. Die Wissenschaftler berichteten darüber in „JAMA Network Open Pediatrics“.

„Der Zusammenhang zwischen belastenden Erlebnissen und Verschlimmerungen bei Essstörungen wurde bereits dokumentiert“, schrieben Dr. Holly Agostino, MD, CM, vom Montreal Children’s Hospital und Kollegen. „Studien an erwachsenen Patienten mit vorbestehenden Essstörungen berichteten von einer Verschlechterung der Symptome während der ersten Pandemie-Welle und dem damit verbundenem Lockdown – u.a. mit einer stärkeren Kalorieneinschränkung, vermehrtem selbstinduzierten Erbrechen, einer Verschlechterung des Körperbilds und einem erhöhten Bewegungsdrang.
„Bisher wurde der Zusammenhang zwischen der Pandemie und ihren Eindämmungsmaßnahmen und der erstmaligen Entwicklung einer Anorexia nervosa oder einer atypischen Anorexia nervosa nicht untersucht“, fügten sie hinzu.

Dr. Agostino und Kollegen versuchten, in einem landesweiten Querschnitt von knapp 1.900 Kindern und Jugendlichen vor und während der ersten Welle der COVID-19-Pandemie Häufigkeit und Schwere der Diagnosen zu ermitteln. Die Studie wurde zwischen dem 1. Januar 2015 und dem 30. November 2020 in sechs pädiatrischen Einrichtungen in ganz Kanada durchgeführt und umfasste Patienten im Alter von 9 bis 18 Jahren, die neu an Anorexia nervosa oder atypischer Anorexia nervosa erkrankt waren. Die Diagnosetrends während der ersten COVID-19-Welle, beginnend am 1. März 2020, wurden mit ähnlichen Daten aus den 5 Jahren vor der Pandemie vom 1. Januar 2015 bis zum 28. Februar 2020 verglichen.

Verdoppelung der neu vrogestellten Fälle

Von den 1.883 Teilnehmern, bei denen Anorexia nervosa oder atypische Anorexia nervosa diagnostiziert wurde, waren 91% weiblich (1.713) Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 16 Jahre. Die Ergebnisse zeigten, dass vor der Pandemie durchschnittlich 24,5 Fälle pro Monat neu vorgestellt wurden, die durchschnittliche Zahl der Neuerkrankungen stieg jedoch während der ersten Pandemiewelle auf 40 pro Monat an.

Gleichzeitig stieg die Zahl der Krankenhauseinweisungen bei Patienten mit neu diagnostizierter Anorexia nervosa signifikant von 7,5 auf 20 pro Monat. Der Anstieg sowohl der Diagnosen als auch der Krankenhauseinweisungen war in denjenigen kanadischen Provinzen ausgeprägter, die höhere Raten von COVID-19-Infektionen meldeten. Bei Patienten, die während des Pandemiebeginns die Diagnose für eine der genannten Essstörungen erhielten, wurde im Gegensatz zu denjenigen vor der Pandemie eine signifikante Schwere der Symptome festgestellt, zusammen mit Hinweisen auf eine schnellere Krankheitsverschlechterung, wie u.a. ein verlangsamter Herzschlag.

Die Daten verdeutlichten, dass der Behandlung von Essstörungen und psychischen Problemen, die als Folge der Pandemie aufgetreten sind, mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden müsse, so die Autoren. „Das Fehlen einer klaren Routine kann mit einem höheren Risiko für Essstörungen verbunden sein, da Strukturen fehlen, die das Essen normalisieren“, schrieben Dr. Agostino und Kollegen. „Ausgangssperren und andere Einschränkungen erschweren regelmäßige körperliche Aktivität, was in Kombination mit unregelmäßigen Mahlzeiten eine Rolle bei einer zunehmenden Sorge um Figur und Gewicht spielen kann.“

Quelle: Healio, JAMA Network Open Pediatrics





Autor: äin-red