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28.08.2020

England: Anscheinend nur 1% der Corona-Fälle bei Kindern in der ersten Phase der Pandemie

Kinder machten während der ersten Welle der Coronavirus-Pandemie in England nur einen sehr kleinen Anteil - 1% - aller bestätigten COVID-19-Fälle aus, und dies bei einer insgesamt großen Anzahl von Getesteten. Dies berichtet eine Untersuchung, die nationale Überwachungsdaten auswertete. Sie wurde in der Fachzeitschrift „Archives of Disease in Childhood veröffentlicht“.

Die Ergebnisse bestätigen, dass Kinder im Gegensatz zu Erwachsenen keine wichtige Quelle für COVID-19-Infektionen sind, lautet das Fazit der Forscher.
Kinder machen nur einen kleinen Teil der bestätigten Fälle von COVID-19 aus. Es ist jedoch nicht klar, ob dies auf der niedrigen Testrate oder der höher als erwarteten Sterblichkeitsrate zurückzuführen ist.

Um die Trends bei Erwachsenen und Kindern während der ersten Welle der Coronavirus-Pandemie in England zwischen Januar und Mai 2020 zu vergleichen, überprüften die Experten die COVID-19-Testergebnisse für diesen Zeitraum.

Die Daten umfassten die Testergebnisse von National Health Service (NHS) und Public Health England (PHE) sowie die Ergebnisse von Hausärzten in 300 Allgemeinarztpraxen.

Zwischen dem 16. Januar und dem 3. Mai wurden insgesamt 540.305 Personen, darunter 35.200 Kinder unter 16 Jahren, auf SARS-CoV-2 getestet.

Bei rund jedem vierten (24%) der getesteten Personen (129.704 von 540.305) ließ sich das Virus nachweisen. 1408 dieser 129.704 positiven Ergebnisse entfielen auf Kinder, was 1% der Gesamtzahl und 4% der 35.200 Kinder entspricht, bei denen die Tests durchgeführt wurden. Dies steht im Vergleich zu etwa 19% bis 35% bei den Erwachsenen.

Die ersten bestätigten Fälle der Infektion bei Kindern wurden am 29. Februar gemeldet und nahmen weiter zu, bevor sie am 11. April ihren Höhepunkt erreichten, was der bei Erwachsenen beobachteten Entwicklung entspricht.
Im Durchschnitt waren Kinder fast 6 Jahre alt, als sie positiv auf das Virus getestet wurden, und etwas mehr als die Hälfte (53%; 742) der Fälle betrafen Jungen. Die meisten Tests und positiven Ergebnisse wurden bei Säuglingen, insbesondere unter 3 Monaten, und bei 1-Jährigen durchgeführt.

In den Allgemeinarztpraxen war die SARS-CoV-2-Positivität selbst bei Kindern mit akuten Infektionen der Atemwege gering, wie die Daten zeigen. Insgesamt wurden dort 2.961 Menschen mit Atemwegserkrankungen auf SARS-CoV-2 getestet, und nur 10 Kinder (2,8%) waren positiv, verglichen mit 9% der 15- bis 44-Jährigen, 18,5% der 45- bis 64-Jährigen, 20,5% der 65- bis 79-Jährigen und 45,5% der über 80-Jährigen.

Kinder spielen bei der COVID-19-Pandemie anscheinend keine so große Rolle
Die Gesamtzahl der Todesfälle bei Kindern zwischen Januar und Mai in England war nicht höher als im Vergleich zum gleichen Zeitraum der letzten vier Jahre. Dies steht in starkem Kontrast zu den geschätzten 56.456 Todesfällen bei Erwachsenen in England zwischen März und Mai 2020.

Insgesamt starben 8 der 1.408 Kinder, die positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden, aber nur vier starben an COVID-19; sie waren zwischen 10 und 15 Jahre alt und drei hatten mehrere Vorerkrankungen. Die anderen starben aus anderen Gründen, wobei SARS-CoV-2 als zufälliger Befund oder beitragender Faktor bestätigt wurde. Die Sterblichkeitsrate bei Kindern mit COVID-19 in England wurde auf weniger als 1 von 200 (0,5%) geschätzt.

Die Zahlen stimmten mit Daten aus anderen Ländern überein, so die Forscher. "Mit fast einer halben Million SARS-CoV-2-Tests, die in den ersten vier Monaten des Jahres 2020 durchgeführt wurden, betrug die Rate der positiven Tests unter 35.200 getesteten Kindern nur 4,0%, verglichen mit 19,1% bis 34,9% bei Erwachsenen und älteren Erwachsenen."
Hauptautor Dr. Shamez Ladhani kommentierte (nicht in der Veröffentlichung): "Es ist immer noch nicht klar, warum kleine Kinder im Vergleich zu älteren Kindern oder Erwachsenen ein so geringes Infektionsrisiko haben. Eine Theorie ist, dass Kinder im Vergleich zu Erwachsenen weniger ACE2-Rezeptoren besitzen, an die das Virus in Zellen binden kann, die die Atemwege auskleiden.“
"Die Art und Weise, wie das Immunsystem auf das Virus reagiert, ist wahrscheinlich auch bei Kindern anders als bei Erwachsenen."

Er räumt aber auch ein, dass diese Zahlen aus einer Zeit stammten, wo Kinder ziemlich abgeschottet lebten, nämlich als die Ausgangssperren galten. So hatten Kinder vermutlich ein geringeres Risiko, dem Virus ausgesetzt zu sein.
Und er warnt: "Wir müssen wachsam bleiben, da die Beschränkungen gelockert wurden und Kinder wieder verstärkt Kontakt zu anderen Kindern und Erwachsenen haben. Insbesondere benötigen wir mehr Informationen über beschwerdefreie Infektionen und unbemerkte Übertragungen."

Quelle: MedicalXpress, Archives of Disease in Childhood


  

Autor: äin-red