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14.07.2017

Energy-Drinks können für Jugendliche mit bestimmten Herzproblemen gefährlich werden

Wissenschaftler befürchten in einer Veröffentlichung in der Fachzeitschrift „International Journal of Cardiology“, dass Energy-Drinks insbesondere für Jugendliche mit familiären Long-QT-Syndrom (LQTS, früher QT-Syndrom) gefährlich werden könnten.

Koffeinhaltige Energy-Drinks können bei Personen, denen nicht bekannt ist, dass sie unter dieser Herzkrankheit mit genetischem Ursprung leiden (Long-QT-Syndrom), schwerwiegende Herzereignisse auslösen, einschließlich Herzstillstand.

Australische Wissenschaftler haben nun das Risiko von Herzereignissen nach dem Genuss von Energy-Drinks bei Patienten mit einem angeborenen Long-QT-Syndrom (LQTS) beurteilt. Die erbliche Erkrankung betrifft etwa 1 unter 2.000 Menschen und kann zu einem raschen, unregelmäßigen Herzschlag und zum plötzlichen Tod führen. In ihrer Studie berichten Experten, dass auch kleine Mengen eines Energy-Drinks die lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen auslösen können. Sie möchten insbesondere junge Menschen warnen, da vermutlich einige unter ihnen nicht von ihrer Herzerkrankung wissen.
Die hämodynamischen Effekte von Energy-Drinks bei gesunden jungen Erwachsenen wurden in früheren Studien bereits untersucht. Demnach kann der Genuss von Energy-Drinks einen erhöhten Blutdruck bewirken, aber in der Regel keine Änderung der Herzfrequenz. Die australische Untersuchung ist die erste Studie, die speziell darauf ausgerichtet war, die Auswirkungen von Energy-Drinks auf Personen zu testen, die Träger des fehlerhaften Gens sind, das für das angeborene LQTS verantwortlich ist.

Betroffene erfahren meist nach Jugendalter von ihrer Erkrankung

"Das mögliche kardiovaskuläre Risiko von Energy-Drinks ist nach wie vor ein wichtiges Thema in der öffentlichen Gesundheit", erklärte Studienleiter Professor Christopher Semsarian, von der Universität in Sydney und vom Centenary Institute, Australien. "Am meisten gefährdet sind Jugendliche und junge Erwachsene, die auch zu derjenigen Bevölkerungsgruppe gehören, bei denen diese Getränke am stärksten vermarktet werden. Da Energy-Drinks für alle Altersgruppen zugänglich und weit verbreitet sind, ist es wichtig, dass Herz-Kreislauf-Risiko dieser Getränke zu untersuchen."

Forscher rekrutierten 24 Patienten im Alter von 16 bis 50 Jahren. Mehr als die Hälfte hatte Beschwerden und erhielt Beta-Blocker. Die meisten hatten sich einer genetischen Untersuchung unterzogen, und bei 13 Patienten lag eine dokumentierte Mutation vor oder war wahrscheinlich.

Die Teilnehmer erhielten bei der ersten Sitzung einen bestimmten Energy Drink. Die Energy-Drinks bestanden aus zwei Dosen ohne Zucker mit 160 mg Koffein und 2.000 mg Taurin, insgesamt 500 ml. Das Kontrollgetränk war eine Art Kräutergetränk (500 ml) ohne Koffein oder Taurin.

Elektrokardiogramme und Blutdruck wurden alle 10 Minuten aufgezeichnet, während ein Signal gemitteltes Elektrokardiogramm bzw. EKG (SAECG) und Blutproben alle 30 Minuten während der Gesamtbeobachtungszeit von 90 Minuten genommen wurden.

Einer von zehn Erkrankten zeigt riskante Reaktion auf Getränk

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass drei Patienten (12,5%) eine gefährliche QT-Verlängerung und zwei der drei einen starken Anstieg des Blutdrucks zeigten, nachdem sie Energy-Drinks getrunken hatten. Bei diesen Patienten waren plötzliche Herztode in der Familiengeschichte dokumentiert, und zwei von ihnen hatten zuvor schwere klinische Manifestationen erlebt und deshalb einen Defibrillator implantiert bekommen.

In einem begleitenden Kommentar gibt Professor Peter J. Schwartz, Leiter des Zentrums für Herzrhythmusstörungen mit genetischem Ursprung am IRCCS Istituto Auxologico Italiano, Mailand, Italien, zu bedenken: "Bisherige Daten deuten darauf hin, dass die Mehrheit der LQTS-Patienten erst lange nach dem Teenageralter erste Symptome und Beschwerden zeigen. Dies bedeutet, dass eine beträchtliche Anzahl von Jugendlichen mit LQTS zu Energy-Drinks greifen, ohne von ihrer Erkrankung zu wissen. Sie sind sich nicht der Gefahr bewusst, in die sie sich begeben."

"Wenn etwas - in diesem Fall Energy-Drinks - von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt konsumiert wird, ist ein Prozentsatz von 12,5% nicht mehr klein, und die Studienergebnisse müssen beachtet werden", fügte Dr. Federica Dagradi hinzu. Sie ist ebenso am Zentrum für Herzrhythmusstörungen mit genetischem Ursprung am IRCCS, Istituto Auxologico Italiano, tätig. Sie hat mit Prof. Schwartz den studienbegleitenden Kommentar verfasst. "Wir sollten vermeiden, ungerechtfertigt Alarm zu schlagen und Ängste zu verbreiten, aber zur gleichen Zeit sollten wir mögliche Gefahren nicht außer Acht lassen.".

Quelle: EurekAlert! Press Release Elsevier, International Journal of Cardiology


Autor: äin-red