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19.01.2018

Eltern sollten mit der Aufklärung ihrer Kinder früh beginnen

Es ist wichtig, dass Eltern frühzeitig und mehrmals mit ihren Kindern über Sex sprechen, auch wenn Heranwachsende das Gespräch nicht begrüßen. So lautet der Rat von amerikanischen Experten.

© krishnacreations - Fotolia.com

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Für viele Eltern ist es unangenehm, mit der „Aufklärung“ zu beginnen, aber ob sie wollen oder nicht, bekommen Kinder früh eine Vorstellung von einer sexuellen Beziehung. Über das Thema „Sex“ zu sprechen, kann peinlich sein. Eltern wissen nicht, wie sie altersgerecht damit beginnen und es behandeln können, Eltern fühlen sich evtl. mit ihrer eigenen Sexualität unsicher oder sie haben Angst davor, ihre Kinder versehentlich mit falschen Informationen auszustatten.

Professor Veronica I. Johnson von der Universität von Montana und Professor Guy Ray Backlund von der New Mexico State Universität haben Collegebesucher befragt und dabei erfahren, dass nur sehr wenige von ihren Eltern aufgeklärt wurden. Aber diejenigen, die von ihren Eltern aufgeklärt wurden, berichteten von einer positiveren Lernerfahrung als diejenigen, die von irgendeiner anderen Quelle, wie von Gleichaltrigen, über Medien oder im Religionsunterricht aufgeklärt wurden. Davon berichten sie in einer Veröffetnlichugn in „The Conversation“.

Medien konfrontieren Kinder heute früh mit Sexualität

Kinder sind teilweise bereits im Alter von sechs Monaten Werbung ausgesetzt - selbst Babys erkennen Business-Logos. Die dort verzerrten Darstellungen hinterlassen Jugendliche mit unrealistischen Erwartungen in Bezug auf „normale“ Beziehungen.

Lange vor dem Social-Media-Zeitalter fand eine Studie aus dem Jahr 2000 heraus, dass Jugendliche während der Hauptsendezeiten jede Woche etwa 143-mal sexuelles Verhalten im Fernsehen sehen konnten. Aber nur wenige Clips zeigten sichere und gesunde sexuelle Beziehungen. Entweder sie verherrlichten Sexualität und intime Beziehungen oder sie stellten sie negativ dar. Medien zeigten den häufigen Wechsel von Partnern und degradierten Frauen zu Sexobjekten und stellten aggressives Verhalten in intimen Beziehungen als normal dar. Gewalt und Missbrauch sind das erschreckende, aber logische Ergebnis.

Demgegenüber ist bekannt, dass genaue und zuverlässige Informationen über Sex, risikoreiche Verhaltensweisen verringern. Eltern, die mit ihren Kindern über Sex sprechen, können das Sexualverhalten ihrer Kinder positiv beeinflussen.
Ist es sinnvoll, das Aufklärungsgespräch anderen Autoritäten zu überlassen?
Die Sexualerziehung in den Schulen kann Kindern Informationen über Sex liefern, aber die Meinungen der Eltern stimmen manchmal nicht mit denen des Lehrpersonals überein; einige befürworten vielleicht Abstinenz, während andere eine umfassende Sexualerziehung bevorzugen.

Im Religionsunterricht werden Kindern evtl. Inhalte gelehrt, die dem „weltlichen“ Unterricht widersprechen, so dass Kinder möglicherweise dadurch verwirrt werden. Offene und ehrliche Gespräche in der Familie können Kindern helfen, die widersprüchlichen Botschaften über Sexualität richtig einzuordnen.
Vorwiegend Eltern bestimmten die sexuelle Entwicklung der Kinder, wobei Geschwister und Sexualkunde in der Schule auch eine Rolle spielen. Während der späten Kindheit gewinnen Gleichaltrige zunehmend an Einfluss, sie bestimmen die sexuelle Identität besonders, wenn Eltern ihr Kind kaum oder zu spät aufgeklärt haben.

Selbst wenn Eltern sich nicht kompetent genug fühlen, um ihr Kind aufzuklären, gibt die elterliche Aufklärung Kindern mehr Sicherheit als jede andere Quelle, betonen Johnson und Backlund in ihrem Artikel.

Wenn Eltern sich schwierigen Gesprächen stellen, schafft dies Vertrauen und macht Kinder fit für zukünftige Herausforderungen im Leben. Eltern können ein realistisches Bild von gesunden intimen Beziehungen vermitteln.

Wie beginnen Erziehungsberechtigte am besten?

Es gibt keinen perfekten Weg, das Gespräch zu beginnen, aber Johnson und Backlund geben einige Tipps. Sie halten es für hilfreich, wenn Eltern Kreativität zeigen und mithilfe von Versuch und Irrtum an das Thema herangehen. Sie sollten sich nicht ermutigen lassen und immer wieder und auch frühzeitig damit beginnen.

  • Es gibt mehrere altersgerechte Bücher, die über Fortpflanzung bei verschiedenen Lebewesen berichten.
  • Filme können Gelegenheiten bieten, Fragen zu stellen und Gespräche mit Kindern über gesunde Beziehungen und Sexualität zu führen, z.B. anahnd der Charaktere in einem Film.
  • Die Experten raten dazu, Offenheit und Ehrlichkeit gegenüber unterschiedlichen Werten zu zeigen und Neugier fördern.
  • Gespräche rund um das Thema „Sexualität“ sollten zu Hause erlaubt sein – dabei sollten anatomisch korrekte Namen für die Körperteile benutzt werden.
  • Eltern sollten ihren Kindern Zugang zu Materialien zur Sexualerziehung verschaffen.

Ziel ist es, Kinder bei der Entwicklung von gesunden intimen Beziehungen zu unterstützen. Eltern können bei Bedarf den Kinder- und Jugendarzt um Unterstützung bitten, wenn sie sich unsicher sind, wie sie mit dem Thema umgehen sollen.

Quelle: medicalXpress, The Conversation

Autor: äin-red