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06.01.2017

Eine gute Beziehung zu den Eltern wirkt sich noch Jahrzehnte später positiv auf die Gesundheit aus

Wer in einer wohlhabenden Familie aufwächst, kann davon noch Jahrzehnte später zehren. Doch fehlt es in einer vermögenden Familie an emotionaler Wärme zwischen Eltern und Kind oder treten sogar Misshandlungen auf, verliert der materielle Vorteil an Bedeutung. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Baylor Universität in Texas, USA.

"Bisherige Forschungsarbeiten haben einen hohen sozioökonomischen Status mit einer besseren Ernährung, besseren Schlaf, bessere Umgebung/Nachbarschaft und mehr Sport- und Bewegungsmöglichkeiten sowie Förderung der sozialen Fähigkeiten in Verbindung gebracht. Aber eine gute Bindung zwischen Eltern und Kindern könnte notwendig sein, damit Eltern die entsprechenden Erziehungsmaßnahmen ergreifen, um Kinder dazu zu bringen, dass sie sich gesund ernähren, Schlafenszeiten einhalten und sich regelmäßig bewegen", fasste Professor Matthew A. Andersson vom Baylor College die Ergebnisse seiner Studie zusammen.

Wenn Eltern-Kind-Beziehungen belastet sind, werden die Mahlzeiten wahrscheinlich weniger koordiniert in der Familie ablaufen, und Kinder tendieren dann eher dazu, zuckerhaltige oder fettreiche Lebensmittel als Snacks oder sogar anstelle von Mahlzeiten zu verzehren. Der Alltag sowie die Schlafenszeiten können auch unregelmäßig und unstrukturiert werden, so dass Kinder keinen gesunden Lebensstil und wenige soziale sowie emotionale Fähigkeiten entwickeln, so Andersson.

Auf der anderen Seite scheinen gute Eltern-Kind-Beziehungen in ökonomisch benachteiligten Familien zwar die Gesundheit zu fördern, aber sie können die negativen Auswirkungen des niedrigen sozioökonomischen Status nicht ganz ausmerzen, die sich bei Kinder zeigen, wenn sie älter werden, sagte Andersson. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass Eltern mit weniger Bildung und geringen finanziellen Mitteln eher geeignet sind, zu drohen oder Gehorsam zu erzwingen, statt mithilfe eines konstruktiven Dialogs Kinder zu einer gesunden Lebensweise zu motivieren. Dies kann sich wiederum negativ auf eine warmherzige Beziehung auswirken. Krankheiten oder Entzündungen treten dann vermehrt bei Menschen auf, die als Kinder unter Missbrauch und geringer elterlicher Wärme litten.

Für die Studie wurde die Gesundheit im mittleren Erwachsenenalter als das Fehlen von 28 möglichen Krankheiten definiert, darunter Krebs, Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen, endokrine Erkrankungen, Erkrankungen des Nervensystems, infektiöse und parasitäre Erkrankungen, Erkrankungen der Haut oder des Verdauungssystems und muskuloskelettale Beeinträchtigungen.
"Viele Untersuchungen sehen den sozioökonomischen Status und die Eltern-Kind-Beziehung weiterhin als eng miteinander verknüpft oder sogar austauschbar an. Aber in der Tat können sie das Wohlbefinden eines Kindes ganz unabhängig voneinander beeinflussen", sagte Andersson.
"Die wichtigste Botschaft der Studie ist, dass ohne angemessene Qualität einer Eltern-Kind-Beziehung der sozioökonomische Vorteil in der Kindheit nicht viel Schutz gegen schwere chronische Krankheiten bietet kann, wenn Kinder erwachsen werden und ein mittleres Alter erreichen."

Für die Arbeit analysierte Andersson die Daten über Krankheiten oder schlechte Gesundheitszustände von Erwachsenen mittleren Alters, die aus der National Survey of Midlife Development in den Vereinigten Staaten (MIDUS) stammten. Er befragte 1995 2.746 Menschen im Alter von 25 bis 75 Jahren über ihre Kindheit und wie sie von ihren Eltern behandelt wurden. Er wiederholte die Umfragen etwa 10 Jahre später mit 1.692 der beteiligten Personen. Die Follow-up-Analyse zeigte, dass Missbrauch in der Kindheit weiterhin jeglichen Schutz vor Krankheiten durch einen in der Kindheit vorhandenen sozioökonomischen Vorteil zunichtemachte.

Quelle: HealthNewsDigest, Journal of Health and Social Behavior



Autor: äin-red