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22.02.2006

Diphtherie – „Würgeengel der Kinder“

Mittlerweile treten aufgrund der Impfung in Nord- und Westeuropa nur noch vereinzelte Diphtherie-Fälle auf. Doch in Osteuropa hat sich die Infektionskrankheit aufgrund der verschlechterten Krankheitsvorsorge und sinkenden Durchimpfungsraten wieder verstärkt ausgebreitet. Durch Reisende aus Osteuropa oder aus Ländern der Dritten Welt, in denen Diphtherie noch immer endemisch auftritt, könnte die Krankheit vor allem aufgrund ungenügender Durchimpfungsraten bei Erwachsenen auch in Deutschland wieder eingeschleppt werden...

Diphtherie forderte in Deutschland vor Einführung der vorbeugenden Impfung viele Opfer. Mittlerweile treten in Nord- und Westeuropa nur noch vereinzelte Erkrankungsfälle auf. Die häufigste Form der Diphtherie ist die Rachendiphtherie. Über feinste Speicheltröpfchen oder Hautkontakt verbreiten sich die Diphtherie-Bakterien insbesondere im Herbst und Winter und führen zu einem entzündeten Nasen-Rachenraum. Ein wie ein Häutchen aussehender Belag überzieht im Verlauf der Krankheit den Rachen. Diese „Pseudomembran“ kann die Atmung und das Sprechen behindern und zu lebensgefährlichen Erstickungsanfällen führen. Deshalb wird die hochansteckende bakterielle Infektionskrankheit auch „Würgeengel“ bezeichnet.

„Für viele gehört die Krankheit der Vergangenheit an, doch in Osteuropa (insbesondere in der ehemaligen Sowjetunion) konnte sie sich aufgrund der verschlechterten Krankheitsvorsorge und sinkenden Durchimpfungsraten wieder verstärkt ausbreiten. Durch Reisende aus Osteuropa oder aus Ländern der Dritten Welt, in denen Diphtherie noch immer endemisch auftritt (wie z.B. Brasilien, Indonesien, Indischer Subkontinent), könnte die Krankheit vor allem aufgrund ungenügender Durchimpfungsraten bei Erwachsenen auch in Deutschland wieder eingeschleppt werden. Manche Menschen können das Bakterium auch in sich tragen und weitergeben, ohne selbst zu erkranken“, warnt Frau Dr. Ursel Lindlbauer-Eisenach vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) aus München, die auch Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) ist. Letztes Jahr stellte das Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin in Oldenburg bei einem Mädchen, das aus dem Irak kam, Diphtherie fest. Vor allem bei Kindern und älteren Menschen nimmt die Krankheit einen schweren oder tödlichen Verlauf. Selbst wenn Patienten frühzeitig mit einem Gegengift (Serum) und mit Antibiotika behandelt werden, versterben noch 5 bis 10% der Patienten - unbehandelt sogar 30%.

Der sicherste Schutz ist die vorbeugende Impfung. Vom 3. bis zum 15. Lebensmonat erhält der Säugling im Rahmen einer viermaligen Impfung mit einem Sechsfachimpfstoff auch die Grundimmunisierung gegen Diphtherie. Im sechsten Lebensjahr empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut in Berlin eine weitere Diphtherie-Impfung (in Kombination mit Tetanus und seit Januar 2006 auch mit Keuchhusten, Tdap: Tetanus-Diphtherie-azelluläre Pertussis). Zwischen dem 11. und 18. Lebensjahr sollte der Impfschutz dann aufgefrischt werden (ebenso mit dem Tdap-Kombinationsimpfstoff) – und von da an alle 10 Jahre.

Autor: äin-red