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10.12.2001

Diphtherie-Gefahr nicht gebannt

Vor 100 Jahren, am 10. Dezember 1901, erhielt Geheimrat Emil von Behring den ersten Nobelpreis für Medizin. Damit wurde seine Entdeckung der Serumtherapie gegen die tödliche Diphtherie gekrönt. 2000 wurde erstmals kein einziger Fall in Deutschland mehr gemeldet. Doch die Gefahr ist damit keineswegs gebannt.

Vor genau 100 Jahren, im Dezember 1901, erhielt Geheimrat Emil von Behring den ersten Nobelpreis für Medizin. Damit wurde seine Entdeckung der "Serumtherapie" gegen die tödliche Diphtherie gekrönt. Erstmals wurde im vergangenen Jahr 2000 kein einziger Diphtherie -Fall in Deutschland mehr gemeldet. Damit ist die Gefahr vor Diphtherie hierzulande jedoch keineswegs gebannt. Um die Bevölkerung vor Diphtherie-Epidemien zu schützen, müssen laut WHO über 90% der Kinder und über 75% aller Erwachsenen zumindest minimal geschützt sein. Das ist jedoch laut Privatdozent Dr. med. Hans-Martin Hasselhorn, Arbeitsmediziner an der Universität Wuppertal, in Deutschland längst nicht der Fall.

Behring hatte in Marburg Pferde mit dem Diphtherie-Gift (Toxin) geimpft, anschließend die tierischen Antikörper isoliert und als "Heilserum" für die Therapie von Erkrankten verwendet. Mit Hilfe dieser Therapie konnten damals allein in Deutschland jährlich etwa 45 000 Leben gerettet werden, zumeist Kinder.

Die Diphtherie wird durch Tröpfchen übertragen und führt zu schweren Entzündungen in Rachen und Luftwegen. Die charakteristischen weißlichen Beläge können bis zum Erstickungstod führen. Die gefährlichen Diphtherie-Bakterien produzieren ein hochpotentes Gift. Ein einziges Gift-Molekül reicht aus, um eine menschliche Zelle zu zerstören. Hierdurch werden Innere Organe wie Herz, Nieren und auch die Nerven irreversibel geschädigt, was ebenfalls zum Tod führen kann.

Schon seit 1925 wird in Deutschland gegen Diphtherie geimpft, aber noch in den 40er Jahren erkrankten jährlich über 100 000 Menschen. Seit den 60er Jahren erst ging die Erkrankung zurück. So wurden von 1994 bis heute lediglich 18 Fälle gemeldet, drei verliefen tödlich.

Während die meisten Kinder über einen Impfschutz verfügen, seien weniger als die Hälfte der Erwachsenen vor der Diphtherie geschützt, warnt Dr. Hasselhorn. Besonders niedrig sei der Impfschutz bei Erwachsenen jüngeren und mittleren Alters, insbesondere übrigens in den alten Bundesländern. Das liege vor allem daran, dass hier Erwachsene seit den 70er Jahren kaum noch gegen diese Erkrankung geimpft werden.

Weil der Impfschutz mit der Zeit nachlässt, wird eine Auffrischimpfung alle 10 Jahre empfohlen. Dennoch ist die Aufmerksamkeit der Ärzte hierfür nach Ansicht von Dr. Hasselhorn gering. Der Mediziner, der im Fachbereich Sicherheitstechnik der Uni Wuppertal dem Lehr- und Forschungsgebiet Arbeitsmedizin, Arbeitsphysiologie und Infektionsschutz (Professor Dr. Dr. Friedrich Hofmann) angehört: "Wenn hierzulande die Diphtherie-Impfung von Erwachsenen nicht deutlich zunimmt, ist es wahrscheinlich, dass der Impfschutz noch weiter nachlässt und die Krankheit wieder in größerem Maße auftritt."

WHO-Experten hielten es für möglich, dass bereits unter den jetzigen Umständen lokale Ausbrüche möglich seien, obwohl man in den frühen 80er in Europa die Diphtherie als "gelöstes Problem" angesehen habe, berichtet Dr. Hasselhorn. Die Weltgesundheitsorganisation WHO habe Diphtherie in Europa bis zum Jahr 1990 eliminieren wollen. Die dann folgende Epidemie in der ehemaligen Sowjetunion mit bis zu über 50 000 Fällen (!) pro Jahr hätten jedoch gezeigt, wie weit man von diesem Ziel tatsächlich entfernt sei.
In einer Analyse der zurückliegenden Diphtherie-Fälle bestätigt Dr. Hasselhorn, dass die Diphtherie in den letzten Jahrzehnten kaum noch Kinder, sondern vor allem Erwachsene betraf. Ein besonderes Risiko sei die Berufstätigkeit. Seine Empfehlung: Beispielsweise bei Menschen, die im Gesundheitsdienst tätig sind, besonders auf guten Impfschutz zu achten! Auch Menschen, die in Epidemiegebiete reisen, vor allem nach Asien oder in die Nachfolgestaaten der Sowjetunion, sollten vor der Reise ihren Impfschutz vom Hausarzt überprüfen lassen. Da Menschen mit ausreichendem Impfschutz den Erreger auch verbreiten könnten, ohne selbst zu erkranken, sollten auch ihre Angehörigen über guten Impfschutz verfügen.
Ausführliche Informationen zum Thema Impfen in der Rubrik "Das erste Jahr/Impfen schützt "

Autor: äin-red