Kinder- & Jugendärzte im Netz

Ihre Haus- & Fachärzte von der Geburt bis zum vollendeten 18. Lebensjahr

Herausgeber:

07.12.2022

Diphtherie-Fälle nehmen in Europa wieder zu

Diphtherie hatte vor der Einführung der Impfung (seit 1974 Standardimpfung für Säuglinge und Kinder) viele Opfer in Deutschland gefordert. Mit der Impfung gab es nur noch vereinzelt Fälle. 2022 traten wieder mehr Diphtherie-Erkrankungen in Europa und insbesondere in Deutschland auf.

© Dron - Fotolia.com

© Dron - Fotolia.com

Bis zum 25.11.2022 gab es in Deutschland bereits 108 Erkrankte – etwa ein Drittel davon Heranwachsende – das Jahr zuvor wurden 22 Diphtherie-Fälle gemeldet. „Gute Durchimpfungsraten schützen vor erneuten Ausbrüchen. Für die Grundimmunisierung benötigen Kinder drei Impfungen, die sie im Rahmen der Sechsfachimpfung erhalten. Sie schützt gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Polio, Hib und Hepatitis B. Die erste Impfdosis sollten Kinder im Alter von 2 Monaten bekommen, die zweite mit 4 Monaten und die letzte mit 11 Monaten“, rät Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Bisher waren die Durchimpfungsraten bei Kindern in Deutschland gegen Diphtherie relativ gut. 90,2% des Geburtsjahrgangs 2018 erhielten die vollständige Grundimmunisierung bis zum Alter von 15 Monaten. Doch laut einem Krankenkassenbericht gab es 2021 aufgrund der Coronapandemie 11% weniger Impfungen für Kinder und Jugendliche als noch 2019. Besonders stark ist der Rückgang laut der Auswertung bei der Auffrischungs-Impfung gegen Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus und Kinderlähmung ab etwa 11 Jahren. Den Angaben zufolge bekamen 31% weniger Kinder und Jugendliche im Jahr 2021 eine Erst-Impfung gegen diese Krankheiten als noch 2019.

Ein Großteil der Diphtherie Erkrankungen in Europa trat in den letzten Jahren bei Immigranten auf, in deren Herkunftsländern geringe Impfquoten gegen Diphtherie herrschten, wie z.B. Afghanistan und Syrien. Auch in der Ukraine haben nicht alle Kinder einen ausreichenden Impfschutz gegen Diphtherie. Es gibt aber immer wieder Fälle, die auf einer Ansteckung im Land selbst beruhen. Zwischen 2016 und 2020 ließen sich Diphtherie-Infektionen innerhalb von Belgien, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Italien, Litauen, der Niederlande, Norwegen, Slowakei, Spanien, Schweden und innerhalb von Großbritannien nachweisen.

Das Gift des Bakteriums löst Entzündungen mit hohem Fieber und Membranbildung an den Schleimhäuten der Atemwegen (Atemwegs-Diphtherie) oder an der Haut aus (Haut-Diphtherie). Über feinste Speicheltröpfchen - insbesondere durch Husten oder Niesen - oder Hautkontakt bzw. Kontakt zu Wundsekret verbreiten sich die Diphtherie-Bakterien insbesondere im Herbst und Winter. Atemwegs-Diphtherie führt zu einem entzündeten Nasen-Rachenraum. Ein wie ein Häutchen aussehender Belag überzieht im Verlauf der Krankheit den Rachen. Diese „Pseudomembran“ kann die Atmung und das Sprechen behindern und zu lebensgefährlichen Erstickungsanfällen (Diphterie-Croup) führen. Deshalb wird die hochansteckende bakterielle Infektionskrankheit auch „Würgeengel“ bezeichnet. Komplikationen werden durch das Diphterie-Toxin hervorgerufen und betreffen vor allem den Herzmuskel und das Nervensystem. Insbesonder bei Kindern und älteren Menschen kann die Krankheit einen schweren oder tödlichen Verlauf nehmen.

„Manche Menschen, die mit den Diphtheriebakterien infiziert sind, zeigen keine Symptome, können aber andere infizieren. Die erfolgreiche Behandlung von Diphtherie beinhaltet eine schnelle Verabreichung von Diphtherie-Gegengift in Kombination mit einer Antibiotikabehandlung. Trotz Behandlung sterben je nach Alter 5 bis 40% der Erkrankten“, erklärt Dr. Fegeler.

Für Kinder im Alter zwischen 5 und 6 Jahren empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut in Berlin eine Diphtherie-Auffrischimpfung (in Kombination mit Tetanus und Keuchhusten, Tdap: Tetanus-Diphtherie-azelluläre Pertussis). Zwischen 9 und 16 Jahren sollte der Impfschutz dann ein zweites Mal aufgefrischt werden (ebenso mit dem Tdap-Kombinationsimpfstoff, evtl. in Kombination mit einem Impfstoff gegen Kinderlähmung) – und von da an alle 10 Jahre.

Quellen: DAK (1, 2), dpa, ECDC (1, 2), Vaccine, Euro Surveill., RKI (1, 2)
__________________
Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ). Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.kinderaerzte-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des BVKJ-Elternportals verlinken. Fotos und Abbildungen dürfen grundsätzlich nicht übernommen werden.

Autor: äin-red