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05.09.2012

Die Größe trügt: Beim Kauf von Kinderschuhen immer nachkontrollieren

Auf die aufgedruckte Größe verlassen sich Eltern besser nicht, wenn sie Schuhe für ihre Kinder kaufen. Sonst riskieren sie, dass ihre Kinder in zu kleinen oder zu großen Tretern herumlaufen. Besser ist es, vom Kinderfuß eine Schablone zu zeichnen und sie zum Kauf mitzunehmen…

Nachmessen, fühlen, biegen: Beim Kauf von Kinderschuhen lohnt es sich, Hand anzulegen. Denn häufig entspricht die angegebene Schuhgröße nicht der tatsächlichen Innenlänge. Eltern können sich daher nicht auf die Größenangaben verlassen, sondern müssen nachmessen. Ob ein Schuh weich ist und die Bewegungen des Kinderfußes mitmacht, merken Mütter und Väter, indem sie die Modelle in die Hand nehmen und biegen.

Mehr als die Hälfte der Kinder trägt zu kleine SchuheViele Kinder laufen in Schuhen herum, die nicht passen. Das ergeben Reihenmessungen in regelmäßigen Abständen. Das Forschungsteam Kinderfüße-Kinderschuhe aus Österreich stellt seit Jahren bei seinen Untersuchungen fest, dass mehr als die Hälfte der Kinder in zu kurzen Schuhen herumläuft. Messungen aus dem Jahr 2008 ergaben, dass in Deutschland sogar zwei Drittel (rund 66%) der Kinder zu kurze Schuhe trugen. Damals wurden die Füße und Schuhe von knapp 4.200 Kindern in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein vermessen.

Die Universität Potsdam fand ebenfalls heraus, dass viele Kinder falsche Schuhgrößen tragen: Forscher des Instituts für Sportmedizin und Prävention vermaßen zwischen 2006 und 2007 die Füße von rund 11.000 Kindern in Deutschland und der Schweiz und schauten, welche Schuhgrößen die Kinder trugen. Das Ergebnis: Neben zu kleinen hatten mehr als 40% der Jungen und Mädchen zu große Schuhe an.

Kleine Kinder können die Passform eines Schuhs kaum beurteilenZu groß, zu klein: Die Ergebnisse sind uneinheitlich. Sie zeigen aber, dass Eltern offensichtlich zu den falschen Schuhen greifen. Ein Hauptgrund dafür dürfte sein, dass die angegebenen Schuhgrößen oft nicht mit der tatsächlichen Schuhinnenlänge übereinstimmen. „Wir haben nach wie vor die Situation, dass rund 90% der Kinderschuhe falsch ausgezeichnet sind“, sagt Wieland Kinz, Sportwissenschaftler vom Forschungsteam Kinderfüße-Kinderschuhe in Salzburg.

Einheitliche Normen für Schuhgröp0en fehlen„Es gibt bei Schuhgrößen keine einheitliche Norm, sagt Annette von Czarnowski vom Deutschen Schuhinstitut in Offenbach. Das heißt: Die angegebene Größe auf einem Schuh ist bestenfalls eine Orientierung. Eltern stehen aber noch vor einem weiteren Problem. Kleinkinder fühlen nicht wie Erwachsene, ob ein Schuh passt. „Das Nervensystem an den Füßen ist noch nicht ausgereift“, erklärt Steffen Müller von der Uni Potsdam, der die Kinderfüße vermessen hat. „Finden Kinder einen Schuh gut, dann passt er. Finden sie ihn schlecht, passt er eher nicht.“ Es gebe Kinder, die wegen zu kurzer Schuhe blaue Zehennägel haben und trotzdem sagen: „Der Schuh passt“, ergänzt Wieland Kinz.

Gelenkentzündungen bei falscher SchuhgrößeZu kurze, aber auch zu große Schuhe schaden dem weichen Kinderfuß. Sie können zu Druck- und Scheuerstellen führen, weil der Fuß hin und her rutscht, warnt Müller. Oder die Kinder krallen bei jedem Schritt, was ermüdet und auf lange Sicht zu Problemen führen kann, ergänzt Kerstin Bosch, die am Sozialpädiatrischen Zentrum Westmünsterland ein Ganglabor leitet. Werden die Zehen ständig gestaucht, verändere sich die Zehenstellung, was zum Beispiel zu Gelenksentzündungen führen kann, warnen die österreichischen Forscher.

Kinderfüße wachsen schnell. Im Alter von drei bis sechs Jahren legen sie im Schnitt einen Millimeter pro Monat zu. „Es kann sein, dass ein paar Wochen lang gar nichts passiert und der Fuß dann plötzlich einen Schub macht“, erklärt Müller. Er rät, die Fußlängen mindestens alle sechs Monate, im Kleinkindalter besser alle drei Monate zu messen - und die Schuhe zu überprüfen.

Bestimmung der richtigen SchuhgößeMüssen neue Paare her, sollte der Schuhhändler neben dem Kinderfuß auch die Innenlänge der ausgewählten Schuhe messen. Weil sich die Zehen beim Gehen nach vorne schieben, muss vorne ausreichend Platz sein. Das Deutsche Schuhinstitut rät zu 12 bis 15 Millimetern (mm) Zugabe. Laut Wieland Kinz dürfen neue Schuhe sogar bis zu 17 mm länger als der Fuß sein. Er rät Eltern, eine Pappschablone zu basteln: Dafür stellen sie das Kind barfuß auf einen Karton, zeichnen den Fußumriss, fügen an den längsten Zeh 17 mm und schneiden einen zwei Finger breiten Streifen aus. Passt der Streifen in den Schuh, ist dieser lang genug.

Wer nicht basteln möchte, kann die Schuhsohle herausnehmen und das Kind daraufstellen. „Dann sehen Sie, ob der Schuh lang und breit genug ist“, rät Kerstin Bosch. „Am längsten Zeh sollte eine Erwachsenenfingerbreite zugegeben werden.“ Wichtig sei, dass die Ferse nicht mit dem Rand der Sohle abschließt, weil der Fuß im Schuh rund einen Zentimeter weiter vorne steht, so die österreichischen Forscher.

Kinder haben unterschiedlich breite Füße. Entsprechend gibt es schmale und breitere Schuhe. Eltern sollten entweder die Breite mitmessen lassen oder selbst schauen und fühlen. „An der Ferse muss der Schuh eine gute Führung haben, damit der Fuß nicht rausschlappt“, rät Kerstin Bosch. Wieland Kinz empfiehlt Eltern, mit dem Finger zu fühlen, ob der Schuh an Ballen und Ferse eng sitzt. „Dreht das Kind die Füße beim Gehen nach außen wie Charlie Chaplin, ist der Schuh in jedem Fall zu groß“, sagt er.

Gebrauchte Schuhe sind nicht schädlichEltern können mit gutem Gewissen gebrauchte Schuhe für ihre Kinder kaufen. Sie sollten aber genau hinsehen. Ist die Sohle einseitig abgelaufen, lassen sie die Schuhe besser im Regal stehen, rät Kerstin Bosch vom Sozialpädiatrischen Zentrum Westmünsterland. Gleiches gilt, wenn der Schuh schräg nach innen oder außen steht. „Das merken Sie, wenn Sie die Schuhe hinstellen und von hinten auf die Ferse schauen.“

Kinder möglichst viel barfuß gehen lassenKinder sollten möglichst oft barfuß gehen. Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich klebten fünf- bis siebenjährigen Kindern Sensoren an die Füße und untersuchten ihren Gang in Schuhen und barfuß. Unter anderem zeigte sich, dass sich Füße in Schuhen um mindestens 30% weniger beugen. „Die Füße von Laufanfängern sind meist speckig, sehen flach aus und können den Druck gut verteilen. Sie haben alles, was sie brauchen“, sagt Kerstin Bosch, die im Rahmen einer Studie an der Universität Münster Kinderfüße untersucht hat. Schuhe seien vor allem notwendig, um vor Kälte, scharfen und spitzen Untergründen zu schützen.

Quelle: dpa

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Autor: äin-red