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17.06.2011

Diabetes und Depressionen: Kinder- und Jugendärzte fordern neue Vorsorge für Kinder

Gestörte kleine Patienten: Kinder- und Jugendärzte fordern eine Reform der Vorsorgeuntersuchungen, um Krankheiten bei Kindern gar nicht erst ausbrechen zu lassen - inklusive psychischer Leiden ...

Falsche Ernährung, zu viel Medienkonsum und gestörtes Sozialverhalten: Wenn Kinder heute in eine Arztpraxis kommen, gebe es andere Probleme als vor 40 Jahren, sagen Deutschlands Kinder- und Jugendärzte. Daher fordern sie eine Reform der Vorsorgeuntersuchungen vom Kleinkind- bis ins Jugendalter. „Das Vorsorgeprogramm ist nicht mehr zeitgemäß“, kritisierte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Dr. Wolfram Hartmann, am Freitag in Berlin.

Kinder- und Jugendärzte sprechen heute offen von neuen Krankheiten bei ihren kleinen Patienten. 14% der Kinder haben nach den jüngsten Gesundheitsstudien Übergewicht, 6% sind bereits krankhaft dick. Eine Folge davon ist die Zunahme von Diabetes. Unengagierte Eltern und falsche Vorbilder können auch andere Leiden fördern. Bis zu 7% der Kinder unter sechs Jahren haben nach Angaben der Ärzte Depressionen. Andere zeigen ein gestörtes Sozialverhalten, Aufmerksamkeitsdefizite und Ängste. Bei Kindern aus sozial schwachen Familien kommen oft Sprachprobleme und motorische Störungen dazu.

Bei den heutigen Vorsorgeuntersuchen, die 1971 eingeführt wurden, geht es vorwiegend um einen Gesundheitscheck und Impfungen. Zwar halten Kinderärzte das Programm, das heute mehr als 90% der Eltern kleiner Kinder wahrnehmen, weltweit für vorbildlich. Die 20-Minuten-Beratungen, für die ein Arzt rund 33 Euro bekommt, reichten bei den heutigen Problemlagen aber oft nicht mehr aus.

„Wir brauchen andere Beratungen, nicht nur organisch, sondern auch sozialer Natur“, sagte der Berliner Kinder- und Jugendarzt und Verbandssprecher Dr. Ulrich Fegeler. Auch Ärzte müssten mit Eltern über Kinderbücher und Anregungen sprechen. Kitas und Schulen sollten zu Partnern für Ärzte werden - darauf eingestellt, Schieflagen in den Familien zu kompensieren. „Eine gute Kita ist für die Sprachentwicklung eines Kindes besser als ein Logopäde“, urteilt Fegeler. Und ein pädagogisch gut geführter Jugendclub bringe mehr als später ein Therapeut.

Besonders dramatisch sehen Kinder- und Jugendärzte bei den Vorsorgeuntersuchungen die Lücke in der Grundschulzeit. Nicht alle gesetzlichen Kassen zahlen heute für diesen Check (U 10, U 11), bei dem es unter anderem um Lese-, Rechtschreib- und Rechenschwächen geht. Auch die soziale Kompetenz und das Medienverhalten steht dann bei den 6- bis 10-Jährigen auf dem Prüfstand. Besonders für Kinder aus sozial schwachen Familien sei das wichtig, betonen die Experten.

Außerdem haben die Kinder- und Jugendärzte noch eine Forderung: die Impfpflicht. In Deutschland ist Impfen freiwillig. „Kinder in Entwicklungsländern sind teilweise besser geimpft als in Deutschland“, so Hartmann.

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Autor: äin-red