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11.10.2018

Der Speck muss weg: Kinder- und Jugendärzte für Aktionsplan gegen Übergewicht

Seit langem fehlt ein wirksames Rezept zur Bekämpfung von Übergewicht und Fettleibigkeit bei Heranwachsenden. Mediziner fordern die Politik zum Handeln auf.

© Grischa Georgiew - Fotolia.com

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Im Kampf gegen Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern fordern Ärzte ein entschiedenes Vorgehen der Politik. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) spricht sich für einen nationalen Aktionsplan aus. BVKJ-Präsident Thomas Fischbach sagte am Donnerstag (11.10.) bei einem Kongress in Bad Orb (Main-Kinzig-Kreis), Bund, Länder und Kommunen müssten endlich aufeinander abgestimmt etwas gegen die Krankheit unternehmen.

Der Verband schlug konkrete Schritte vor: Die Liste der Forderungen umfasst unter anderem eine Zuckersteuer, eine Nährwertampel auf Produkten und ein Werbeverbot für ungesunde Nahrungsmittel. „Diese Maßnahmen werden helfen, die epidemische Verbreitung von Übergewicht einzudämmen. Kinder und Jugendliche werden dann besser vor ungesunden, vor allem zu süßen Lebensmitteln geschützt, die dick und krank machen“, erklärte Fischbach. Eine Nährwertampel zum Beispiel könne auf einen Blick zeigen, welche Waren im Supermarkt-Regal zu fett, zu salzig oder zu süß sind.

Zum Vorschlag einer Zuckersteuer erklärte Deutschlands oberster Kinderarzt, die Wirksamkeit von gesetzlichen Verboten hätten das Rauchverbot und die Alkopops-Steuer bewiesen. Nachdem die Politik die bei Jugendlichen überaus beliebten Schnapsmischgetränke mit einer Sondersteuer belegt habe, sei der Absatz binnen eines Jahres um 80% gesunken. Auch Beispiele aus Mexiko, Frankreich, Finnland, Ungarn und Großbritannien zeigten, dass Steuerungsmechanismen die Gesundheit wirksam schützen könnten. „Durch die Einführung von Zucker-Abgaben und damit höheren Preise ist den Verbrauchern in diesen Ländern die Lust auf Süßes weitgehend vergangen“, sagte Fischbach.
Der wissenschaftliche Leiter des Kinderärzte-Kongresses, Klaus-Michael Keller, sagte mit Blick nach Berlin, die rein beratende und informierende Haltung der Bundesregierung sei nicht zielführend.

Am Beispiel der Tabaksteuer und dem Rückgang des Zigarettenkonsums lasse sich ablesen, wie wirksam eine Steuerung sein könne.

Gesetzliche Regelungen seien aber allein nicht ausreichend, um Kinder vor Über- und Fehlernährung zu schützen. Ebenso wichtig sei es, dass Kinder sehr früh „Ernährungsbildung“ im Kindergarten und in der Schule erhielten. Hier seien die Kommunen gefordert. Sie müssten zusammen mit den Ländern aber schon bei der Stadtplanung etwas berücksichtigen: „Wir brauchen Freiräume für Kinder, in denen sie sich bewegen können, spielen und herumtoben.“
Adipositas kann nach Angaben der Mediziner schwere, teilweise lebensbedrohliche Krankheiten begünstigen. Dazu zählen Bluthochdruck, Diabetes, Kniegelenkarthrose und Depressionen. Fettleibige Menschen seien „vom sozialen Leben weitgehend ausgeschlossen“.

Übergewicht und krankhafte Fettleibigkeit sind den Kinderärzten zufolge auf hohem Niveau stabil. Mehr als 15 Prozent der 3- bis 17-Jährigen in Deutschlands seien betroffen.

1948 nahm die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Adipositas in ihre Liste der Krankheiten und Störungen auf. Seit 1997 spricht die WHO von einer Epidemie.

Quelle: dpa

Autor: äin-red