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22.07.2020

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) zum Kinderkliniksterben: „Politik muss klinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen sichern!“

Ende des vergangenen Jahres schloss der Klinik-Konzern Asklepios die Kinderstation in Parchim, angeblich wegen Personalmangel. Eine solche Schließung ist kein Einzelfall. Immer mehr Kinderstationen und Kinderkliniken in Deutschland schließen aufgrund der aus der Sicht der meist privaten Klinikbetreiber mangelhaften wirtschaftlichen Rendite. Die Politik muss endlich gegensteuern und den Anspruch der Bevölkerung auf eine angemessene Daseinsfürsorge klar über simples Gewinnstreben stelle, forderte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Dr. Thomas Fischbach heute in Köln.

© Udo Kroener - Fotolia.com

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„Die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Kinderkliniken und -stationen ist akut gefährdet. Die Zahl der Betten in den Kinderabteilungen der deutschen Krankenhäuser geht seit über zwanzig Jahren stetig zurück. Gleichzeitig steigen seit einigen Jahren die Geburtenzahlen. Vor allem die medizinische Versorgung schwer kranker und chronisch kranker Kinder ist durch Klinikschließungen akut gefährdet. Die Politik muss hier endlich gegensteuern. Sie darf nicht zulassen, dass Kinderkliniken und -stationen geschlossen werden und kranke Kinder medizinisch nicht mehr adäquat versorgt werden können. Die von der Politik gewünschte Privatisierung des Gesundheitssystems sowie die Einführung von Fallpauschalen haben zu dieser Entwicklung geführt.
Kranke Kinder sind zeit-, personal- und materialaufwendig. Ärzte und Pflegende müssen sich viel Zeit nehmen, um das Vertrauen von Kindern zu gewinnen, sie zu überzeugen, dass sie z. B. bei Untersuchungen oder Blutabnahmen mitmachen. Zudem brauchen vor allem sehr junge Kinder intensive Pflege, sie müssen etwa gefüttert, gewickelt und intensiv betreut werden. Beatmungsgeräte und andere Geräte, aber auch Betten müssen in unterschiedlichen Größen vorgehalten werden. Schließlich kann weder ein Frühgeborenes in einem Erwachsenenbett liegen, noch ein Jugendlicher in einem Inkubator. Das System der Fallpauschalen sieht trotz Nachbesserungen diesen Aufwand nicht vor. Es sieht auch nicht die für Kinderstationen typische stark wechselnde Belegung vor, die dadurch zustande kommt, dass Kinder besonders im Herbst und Winter oft so schwer krank werden, dass sie stationär behandelt werden müssen, im Sommer dagegen seltener eine Krankenhausbehandlung brauchen. Personalschlüsselvorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses treiben die Kosten noch weiter nach oben, ohne dass hier finanziell ausreichende Kompensation seitens der Krankenkassen erfolgt ist. Dazu kommt der bestehende Personalnotstand im Bereich der Kinderkrankenpflege, der sich durch das unselige Pflegeberufereformgesetz noch weiter verschärfen wird. Die Folge: Kinderkliniken können keine Gewinne abwerfen. Investoren erwarten jedoch Gewinne. Was keinen Gewinn abwirft, soll dann abgestoßen werden.
Als Kinder- und Jugendärzte fordern wir die Politik auf, die Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Kinderkliniken und -stationen endlich zukunftsfest zu machen durch eine Vergütung der Kliniken, die dem erhöhten Aufwand der medizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen entspricht. Außerdem fordern wir auch für ländliche Regionen eine wohnortnahe qualifizierte ambulante Versorgung. 50 Kilometer und mehr bis zur nächsten Kinderstation – das darf nicht sein. Last but not least gilt es, den zunehmenden Fachkräftemangel in der Pädiatrie endlich zu beheben. Unsere Vorstellungen zur Behebung des Ärztemangels in unserem Fach haben wir der Politik in zahlreichen Gesprächen dargelegt.“

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Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ). Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.kinderaerzte-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des BVKJ-Elternportals verlinken. Fotos und Abbildungen dürfen grundsätzlich nicht übernommen werden.

Autor: äin-red