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25.11.2020

Corona-Pandemie verstärkt jugendliche Sorgen – auf Depressionszeichen achten

Dass viele Jugendliche sich Gedanken und auch Sorgen wegen der Corona-Pandemie machen, ist zu erwarten. Sie haben weniger Kontakt zu Freunden und auch die schulische Unterstützung kann oft nicht mehr im gewohnten Umfang erfolgen.

„Alle Teenager haben Tage, an denen sie ruhiger als sonst sind, mehr besorgt erscheinen, aber diese Stimmungen vergehen i.d.R. wieder. Aber wenn sich das Verhalten eines Heranwachsenden grundsätzlich und längerfristig verändert, dann sollten Eltern näher hinschauen. Zum Beispiel kann es ein Anzeichen für ein psychisches Probleme sein, wenn ein sonst lebhafter, fröhlicher Jugendlicher plötzlich über mehrere Wochen gereizt, zurückgezogen bleibt, Schlafstörungen hat und keinen Appetit mehr zeigt. Eltern sollten dann in einem ruhigen Moment versuchen, mit ihrem Heranwachsenden zu sprechen und ihn zu fragen, wie es ihm geht, was er für Erfahrungen gemacht hat und ob Vater oder Mutter etwas für ihn tun können. Ein Gespräch mit dem Jugendarzt kann klären, ob es sich möglicherweise um eine Depression handelt und evtl. ein Besuch beim Jugendpsychologen sinnvoll ist“, erklärt Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Eine Videosprechstunde bietet hier die Möglichkeit der kontaktlosen Beratung an. „Eltern haben meist ein sehr gutes ‚Bauchgefühl‘, wenn es ihren Kindern nicht gut geht“, ergänzt Dr. Fegeler.

Eine OECD-Umfrage in 48 Ländern hat ergeben, dass Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 24 Jahren sich aufgrund der Corona-Pandemie weniger um ihre körperliche als ihre seelische Gesundheit Sorgen machen. Die Unsicherheit ihrer beruflichen Zukunft beunruhigt sie. Aber auch Befürchtungen, was die Kontaktmöglichkeiten zu Freunden und zur Familie betrifft, sind demnach verbreitet. Junge Menschen geben an, weniger besorgt über Einschränkungen ihrer individuellen Freiheiten und bezüglich ihrer eigenen körperlichen Gesundheit zu sein als um das Wohlergehen älterer Menschen.

„Das psychosoziale und subjektive Wohlbefinden von Heranwachsenden ist auch abhängig davon, wie sehr sich ihr Alltag verändert, welchen Stress ihre Eltern erleben und ob sie eine Krankheit von Angehörigen oder der Verlust von geliebten Menschen miterleben müssen“, gibt Dr. Fegeler zu bedenken.

Auf der Seite www.kinderaerzte-im-netz.de hat eine Allianz vieler Verbände der Kindergesundheit Tipps zum Umgang mit Stress, Krisen und Streit zusammengestellt. Die Weltgesundheitsorganisation bietet einen illustrierten Leitfaden, ergänzt durch Audioclips, um praktische Fähigkeiten zum Umgang mit Stress zur erwerben. Darin werden fünf Entspannungsmethoden und  techniken vorgestellt, die Familien auch gemeinsam erlernen können. Der Leitfaden ist bereits in vielen Sprachen verfügbar (u.a. englisch) und soll noch in weitere übersetzt werden. Die Broschüre "Entspannung und Ruhepausen - Elterninfo" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist zwar nicht speziell auf COVID-19 ausgerichtet, kann aber wertvolle Hinweise geben.

Quellen: Wellesley College, OECD, Pak J Med Sci., WHO, BZgA
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Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ). Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.kinderaerzte-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des BVKJ-Elternportals verlinken. Fotos und Abbildungen dürfen grundsätzlich nicht übernommen werden.

Autor: äin-red