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14.06.2018

BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach: "Nein zu Impfungen in der Apotheke! Impfungen müssen ärztliche Aufgabe bleiben!"

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) weist mit aller Entschiedenheit die Forderung des Bundesverbandes der Arzneimittelhersteller (BAH) nach Impfungen in der Apotheke zurück.

© Picture-Factory - Fotolia.com

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BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach: "Impfen muss ärztliche Aufgabe bleiben. Wir Kinder- und Jugendärzte erfüllen diese Aufgabe kompetent und zuverlässig. Die Eltern haben großes Vertrauen in unsere Impfkompetenz - zu Recht: Wir schauen uns bei allen Vorsorgeuntersuchungen den Impfstatus an, erinnern an ausstehende Impfungen, beraten sorgfältig und impfen dann. Und weil wir unsere Patienten meist schon von Geburt an kennen, wissen wir auch, wen wir zum Beispiel wegen bestimmter Grunderkrankungen NICHT impfen dürfen. Es gibt in ganz Deutschland keine einzige Kinder- und Jugendarztpraxis, in der wegen Überlastung nicht geimpft würde - soviel zu dem fadenscheinigen Argument des BAH. Auch das Argument, dass in anderen Ländern Apotheker impfen, zieht nicht. Kaum ein anderes Land verfügt über ein so gutes Gesundheitssystem und speziell ein so dichtes Netz an niedergelassenen Kinder- und Jugendärzten wie Deutschland.
Oder geht es dem BAH mit seiner Kampagne am Ende um die Aushöhlung der Verschreibungspflicht? Denn sobald Impfstoffe aus der Verschreibungspflicht herausfallen und nur noch apothekenpflichtig sind, müssen Patienten über zwölf Jahre sie aus eigener Tasche bezahlen.

Seit Inkrafttreten des GKV-Modernisierungsgesetzes im Jahr 2004 sind nämlich rezeptfreie, apothekenpflichtige Arzneimittel grundsätzlich von der Erstattung durch die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ausgeschlossen. Zugleich sind diese Medikamente nicht mehr von den Regelungen der Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV) erfasst. Mit dieser Regelung hat der Gesetzgeber die Verkaufspreise für diese Präparate freigegeben. Jede Apotheke kann ihre Preise eigenverantwortlich kalkulieren.

Wir Kinder und Jugendärzte wehren uns entschieden dagegen, dass immer mehr Medikamente aus der Verschreibungspflicht herausfallen und damit Pharmaindustrie und Apotheken nach Gutdünken die Preise treiben können und Familien für notwendige Medikamente ihrer Kinder aus eigener Tasche hohe Preise zahlen müssen. Vor allem Impfstoffe dürfen nicht aus der Verschreibungspflicht fallen. Denn dann wird das Impfen für Kinder über zwölf Jahre teuer. Und immer teurer, denn ohne die Regelungen der Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV) werden die Preise für Impfstoffe steigen. Und wir sind uns sicher, dass nach dem Herausfallen der Impfstoffe aus der Verschreibungspflicht andere Medikamente ebenfalls aus der Verschreibungspflicht fallen und in der Folge teurer werden und Eltern für ihre Kinder über 12 dringend benötigte Medikamente aus eigener Tasche bezahlen müssen.

Wir befürchten, dass die BAH-Kampagne dem Ziel dient, den Dammbruch zu beschleunigen und immer mehr Medikamente aus der Erstattungspflicht durch die Gesetzlichen Krankenkassen zu nehmen und gleichzeitig auch der Preiskontrolle zu entziehen. Aus diesem Grund wehren wir uns entschieden gegen jeden Versuch, das Impfen in die Apotheken zu verlagern."
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Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.kinderaerzte-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des BVKJ-Elternportals verlinken. Fotos und Abbildungen dürfen grundsätzlich nicht übernommen werden.

Autor: äin-red