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15.05.2020

Bestandteil in Muttermilch verbessert kognitive Entwicklung bei Babys

Dass Muttermilch viele positive Auswirkungen auf das Baby haben kann, ist bereits bekannt. Tierstudien haben u.a. festgestellt, dass ein Kohlenhydrat, das in der Muttermilch enthaltene Oligosaccharid 2'FL, sich günstig auf die geistige und neurologische Entwicklung auswirkt.

In einer ersten Studie am Menschen haben Forscher des Kinderkrankenhauses Los Angeles nun in Zusammenarbeit mit der University of California in San Diego gezeigt, dass 2'FL in der Muttermilch die kognitive Entwicklung fördert. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlicht.

In dieser Kohortenstudie mit 50 Müttern und ihren Babys analysierten die Forscher die Zusammensetzung der Muttermilch und wie oft die Babys im Alter von 1 bis 6 Monaten gestillt bzw. gefüttert wurden. Die kognitive Entwicklung wurde nach 24 Monaten unter Verwendung der Bayley-III-Skala gemessen, einem standardisierten Test für die Entwicklung von Säuglingen und Kleinkindern. Die Studie zeigte, dass die Menge an 2'FL in der Muttermilch im ersten Monat beim Stillen signifikant mit einem besseren kognitiven Entwicklungsstand beim Baby im Alter von 2 Jahren zusammenhing. Dieser Effekt konnte nach 6 Monaten Stillen nicht mehr beobachtet werden. Dies legt nahe, dass eine frühe Exposition vorteilhaft sein könnte.
Viele Studien haben über einen positiven Effekt des Stillens auf die kognitive Entwicklung berichtet. "Wir wollten genau herausfinden, was diesen Effekt verursacht", erklärte Michael Goran, Ph.D., Direktor des Diabetes- und Adipositas-Programms am Saban Research Institute des Kinderkrankenhauses in Los Angeles und leitender Autor der Studie.

Durch ein spezielles Verfahren konnten die Wissenschaftler Oligosaccharide wie 2'FL und viele andere Substanzen in kurzer Zeit bei Hunderten von Muttermilchproben quantifizieren, so Studienmitarbeiter und Co-Autor Lars Bode, Ph.D., Professor für Pädiatrie und Direktor des Mother-Milk-Infant Center of Research Excellence an der University of California in San Diego. "Diese Technologie ermöglicht es uns, Unterschiede in der Milchzusammensetzung mit bestimmten Ergebnissen bei Säuglingen wie der kognitiven Entwicklung […] in Verbindung zu bringen", fügte Bode hinzu.

Mithilfe einer statistischen Methode namens Mediationsanalyse konnten die Forscher die Auswirkungen des Stillens im Allgemeinen und die Auswirkungen des Oligosaccharids 2'FL unabhängig voneinander bewerten.

"Diese verbesserte kognitive Entwicklung in den ersten zwei Lebensjahren wirft die Frage nach möglichen langfristigen Auswirkungen auf ein Kind in der Schule und darüber hinaus auf", sagte Paige Berger, Ph.D., RD, ein Postdoktorandin bei CHLA und der Erstautorin der Studie.

Diese Beobachtungen ließen das Team zu dem Schluss kommen, dass die durch das Stillen verbesserte neurologische und kognitive Entwicklung hauptsächlich auf die Mütter zurückzuführen war, die mehr 2'FL produzierten, damit das Baby es mit der Muttermilch aufnehmen konnte.

"Wir wissen, dass die Muttermilch viele verschiedene Verbindungen enthält und dass die Zusammensetzung dynamisch ist - sie ändert sich im Laufe der Zeit und unterscheidet sich auch stark von Mutter zu Mutter", ergänzte Dr. Goran. "Zusätzlich zur Identifizierung der Auswirkungen des Oligosaccharids 2'FL wollten wir auch den Zeitpunkt bestimmen, der für die Entwicklung eines Kindes am bedeutendsten ist."

Während die Forscher im ersten Lebensmonat eines Babys eine verbesserte Entwicklung beobachteten, die durch eine höhere 2'FL erklärt werden konnte, trat dieser Effekt nach sechs Monaten nicht mehr auf. Die Fähigkeit, Faktoren zu identifizieren, die für die frühe neurologische Entwicklung kritisch sind, bietet die Möglichkeit, diese wichtige Substanz der Muttermilch zuzusetzen, wenn sie zu wenig davon enthält.

"Für einige Frauen ist das Stillen eine Herausforderung. Für diejenigen, die nicht oder nur kurzfristig stillen können, könnte 2'FL möglicherweise als Zusatz zur Fläschchennahrung angeboten werden, um die kognitiven Fähigkeiten besser zu fördern", hofft Dr. Berger.

Quelle: MedicalXpress/Children’s Hospital Los Angeles, PLOS ONE

 

Autor: äin-red