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18.01.2021

Bei hohen Temperaturen zubereitetes Fleisch enthält Stoffe, die Asthma fördern können

Nebenprodukte, die bei der Fleischzubereitung mit hohen Temperaturen wie Grillen, Frittieren oder Braten entstehen, erhöhen anscheinend das Risiko für asthmatische Beschwerden bei Kindern. Zu diesem Schluss kommt eine amerikanische Studie.

Chemische Verbindungen, die in stark erhitztem Fleisch gefunden werden, sind mit einem erhöhten Risiko für asthmatische Beschwerden in der Kindheit verbunden. Darüber berichtet ein Artikel in der Zeitschrift „Thorax“.

Die Verbindungen, die als Endprodukte fortgeschrittener Glykation oder Advanced Glycation Endproducts (kurz: AGEs) bekannt sind, bilden sich beim Erhitzen, u.a. von Fleisch bei hohen Temperaturen - wie Grillen, Braten oder Braten. AGEs binden sich an bestimmte Zellen im Körper, die in der Lunge besonders häufig vorkommen, und lösen eine entzündliche Reaktion des Immunsystems aus. Wie dies genau geschieht, ist bisher noch nicht geklärt.
Um dies weiter zu untersuchen, analysierten die Forscher die möglichen Auswirkungen der Aufnahme von AGEs über die Nahrung -insbesondere über den Fleischkonsum - auf Atemwegsbeschwerden. Dafür werteten sie die Daten des National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) von 2003 bis 2006 aus. NHANES ist eine national repräsentative jährliche Umfrage zur Bewertung der Gesundheit und zum Ernährungsverhalten der US-Bevölkerung.
Zu den Teilnehmern gehörten 4388 Kinder im Alter von 2 bis 17 Jahren, für die Informationen zu Ernährungsgewohnheiten, die anhand eines 139 Punkte umfassenden Fragebogens vorlagen. Die Interviews enthielten auch Antworten zur Häufigkeit des Verzehrs von bestimmten Nahrungsmitteln und zu Atemwegsbeschwerden der Kinder. Die Menge der konsumierten AGEs wurde aus den Antworten zur Häufigkeit des Verzehrs von bestimmten Lebensmitteln berechnet.

537 (13%) der Kinder gaben an, im vergangenen Jahr Atemnot gehabt zu haben. Nach Berücksichtigung potenziell einflussreicher Faktoren wie Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Haushaltseinkommen, Gewicht (BMI) und Asthma waren höhere AGE-Werte signifikant mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Asthmabeschwerden verbunden (18%). Sie waren auch mit einem erhöhten Risiko für Schlafstörungen aufgrund von Atembeschwerden (mindestens einmal) (26%) verbunden sowie für asthmatische Beschwerden während körperlicher Anstrengung (34%); und asthmatische Beschwerden, die im letzten Jahr die Einnahme von Medikamenten erforderlich machten (35%). In ähnlicher Weise war ein höherer Anteil von jeder Art von Fleisch in der Ernährung mit einer mehr als verdoppelten Wahrscheinlichkeit von Schlafstörungen durch Asthma und dem Bedarf an Medikamenten zur Linderung der Symptome verbunden.

Dies sei eine Beobachtungsstudie, die daher keine Ursache feststellen könnte und auch nicht die Aufnahme von AGE genau messen konnte. Aber die Ergebnisse stützten anderer Forschungsarbeiten, die Asthma mit erhöhten Entzündungswerten durch eine bestimmte Ernährung in Zusammenhang bringen, so die Autoren. Ihre Hypothese, dass AGEs in der Nahrung eine wichtige Rolle für Entzündungsreaktionen in den Atemwegen bei Kindern spielen könnten, sei dadurch gestärkt, schreiben sie.

In einem Leitartikel zu diesem Thema stellt Professor Jonathan Grigg (Zentrum für Kindergesundheit, Universität Queen Mary, London), einer der bedeutendsten Kinderärzte Großbritanniens und ein international führender Forscher im Bereich der pädiatrischen Lungenheilkunde, fest, dass eine wachsende Zahl von Hinweisen für die Mitbeteiligung von AGEs bei der Entwicklung von Asthma spricht. "Obwohl wir weit davon entfernt sind, genügend Beweise zu haben, um Empfehlungen für einen veränderten Fleischkonsum bei Kindern auszusprechen, um Asthma zu reduzieren, gibt es dennoch Hinweise, dass der Verzehr großer Mengen stark erhitzten Fleisches sich nachteilig auf die Atemwege auswirkt", ergänzte er.

Quelle: BMJ, Thorax (1, 2)









Autor: äin-red