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28.01.2009

Bei chronischer Verstopfung auch an Morbus Hirschsprung denken

Milde Formen von Morbus Hirschsprung, eine erbliche Darmkrankheit, können sich oft erst im Vorschulalter durch chronische Verstopfung bemerkbar machen. Blähungen, schlechter Appetit, Erbrechen von grüner Gallenflüssigkeit, geschwollener Bauch, Blutarmut und Gedeihstörungen können weitere Anzeichen der Krankheit sein...

Kinder, die unter schwerer chronischer Verstopfung leiden, sollten evtl. auch auf Morbus Hirschsprung hin untersucht werden. Diese erbliche Darmkrankheit ist zwar selten eine Ursache von Verstopfung, doch bei milden Formen kann sie sich im Vorschulalter durch chronische Verstopfung bemerkbar machen. „Meist zeigt sich die Erkrankung schon kurz nach der Geburt, weil das Baby kein Kindspech (Mekonium) ausscheidet. Der Säugling entwickelt in der Folge einen stark aufgetriebenen Bauch. Bei nicht so ausgeprägten Fällen fällt das Kind durch eine chronische Verstopfung auf - mit Stuhlentleerungen nur alle 5-7 Tage, insbesondere nach dem Abstillen von der Muttermilch. Stuhlentleerungen sind teilweise nur mit Hilfe von Einläufen oder Ähnlichem möglich – dies z.T. unter erheblichen Schmerzen“, beschreibt Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) die Krankheit.

Weitere Anzeichen für die Krankheit sind Blähungen, schlechter Appetit, Erbrechen von grüner Gallenflüssigkeit, Verstopfung, aber auch teilweise zäher, übel riechender „Bleistiftstuhl“ - d.h. schmale stiftähnliche Stuhlform -, geschwollener Bauch, Blutarmut und Gedeihstörungen. Unter Umständen besteht ein Kotschmieren, d.h., das Kind kann die Stuhlentleerung nicht kontrollieren und es tritt ständig Stuhl aus. Etwa eines von 5.000 Neugeborenen ist von Morbus Hirschsprung betroffen, Jungen fünfmal häufiger als Mädchen. Es handelt sich um eine angeborene Fehlbildung des Dickdarms. Er besitzt in einem bestimmten Abschnitt keine Nervenzellen, die die Muskeln zur Kontraktion und damit zum Weitertransport des Darminhaltes anregen können. In diesem Abschnitt kann sich der Darm dann nicht mehr bewegen, es besteht ein Passagehindernis, vor dem sich der Darm dann aufweitet (so genanntes Megakolon). „Solche ‚aganglionären Segmente’ können in unterschiedlichen Abschnitten des Dickdarms auftreten, manchmal auch im Enddarm unmittelbar vor dem Schließmuskel. Nur nach einer operativen Entfernung des entsprechenden Darmabschnitts können Kinder wieder normal leben. Mittlerweile gibt es auch minimal-invasive Methoden, die die Kinder deutlich weniger belasten“, erklärt Dr. Fegeler.

Autor: äin-red