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09.04.2010

Babytragebeutel sind nicht immer risikofrei

Sling-ähnliche Tragehilfen (eine Schlaufe bildende Tragehilfen) können bei kleinen Kindern zum Erstickungstod führen, wenn die Babys unbemerkt mit Nase und Mund gegen das Tuch gedrückt werden oder ihr Kinn auf die Brust fällt und dadurch das Atmen behindert wird. Davor warnt die amerikanische Verbraucherzentrale für Produktsicherheit, Consumer Product Safety Commission ... 

Die amerikanische Verbraucherzentrale für Produktsicherheit CPSC (Consumer Product Safety Commission) mahnt zur Vorsicht im Umgang mit Babytragebeuteln bzw. -säcken, nachdem 2009 damit 14 Todesfälle in Zusammenhang gebracht wurden. Die CPSC hat in deren Folge Empfehlungen zum richtigen Gebrauch herausgegeben und drei Produkte aufgrund von Sicherheitsmängeln zurückrufen lassen. „Sling-ähnliche Tragehilfen, die eine Art Schlaufe bilden, sind nicht immer risikofrei können auf zwei Wegen zum Erstickungstod von Babys führen: Zum einen können Babys in den ersten Lebensmonaten aufgrund ihrer schwachen Nackenmuskulatur die Stellung ihres Kopfes nicht aktiv kontrollieren, was bedeutet, dass sie nicht befreiend reagieren können, wenn das Tuch sich gegen ihre Nase und Mund presst und sie nicht mehr ausreichend Luft bekommen. Ein weiteres Risiko besteht darin, dass Säuglinge in dem Tuch sich in einer stark gekrümmten Beugehaltung befinden. Wenn dann noch das Kinn auf die Brust gedrückt wird, bekommt das Kind kaum mehr Luft und kann sich auch nicht durch Schreien bemerkbar machen“, warnt Dr. Jörg Schriever, Beauftragter Kinderunfälle vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Gefährlich sind nach den US-Erfahrungen vor allem Tragehilfen im Taschenstil, die mit einem Halter um die Schulter der Eltern gebunden werden und das Kind automatisch in eine gebeugte, C-förmige Position bringen. Frühgeborene, Kinder mit einem geringen Geburtsgewicht, Zwillinge, bzw. alle Risikobabys mit einem weichen, schlaffen Muskeltonus oder solche mit einem Atemwegsinfekt haben anscheinend ein besonders hohes Erstickungsrisiko in Tragehilfen. „Kinder sollten sich am besten in einer aufrechten Position mit dem Gesicht zur Mutter im Tragetuch befinden. Das Gesicht des Kindes darf nicht bedeckt und muss immer sichtbar sein. Mütter bzw. Väter sollten sich dessen immer wieder versichern, wenn sie ihr Kind mit sich tragen wollen“, empfiehlt Dr. Schriever.

Neuseeländische Wissenschaftler waren vor einiger Zeit in einer Studie zu einem ähnlichen Ergebnis in Bezug auf Autokindersitze gekommen. Sie entdeckten, dass die gebeugte Haltung in Autokindersitzen im Schlaf gefährlich werden kann. Diese Stellung kann zu lebensgefährlicher Atemnot führen. Sofort nach dem Einschlafen sackt laut der Untersuchung der Kopf von kleinen Kindern nach vorne und der Unterkiefer presst sich auf den Brustkorb. Durch diesen Druck wird die Einatmung erschwert, zusätzlich verengen sich durch die gekrümmte Haltung noch die Atemwege im Rachen. Insbesondere bei Kindern unter einem halben Jahr ist der Kopf in Relation zum Körper noch sehr groß und schwer, sodass er im Schlaf leicht unkontrolliert nach vorne fällt. Deshalb sollten Eltern ihre Kinder nicht unbeaufsichtigt im Kindersitz lassen.


Autor: äin-red