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28.01.2019

Baby: Sanftes Streicheln hilft gegen Schmerz

Forscher konnten beobachten, dass ein sanftes Streicheln beim Baby die Aktivität in seinem Gehirn reduziert, die mit schmerzhaften Erlebnissen einhergeht.

Eine Studie der University of Oxford und der Liverpool John Moores University in Liverpool überwachte die Gehirnaktivität von 32 Babys, während ihnen Blut abgenommen wurde. Die Hälfte von ihnen wurde zuvor mit einer weichen Bürste gestreichelt. Diese Kinder zeigten 40% weniger Schmerzaktivität im Gehirn.

Die leitende Autorin, Professor Rebeccah Slater, kommentierte die Studienergebnisse: "Berührungen scheinen eine schmerzlindernde Wirkung zu haben - ohne das Risiko von Nebenwirkungen."

Langsames,sanftes Streicheln besonders effektiv

Die Studie ergab, dass eine Streichgeschwindigkeit von etwa 3 cm pro Sekunde die beste schmerzlindernde Wirkung hatte. "Eltern streicheln ihre Babys intuitiv mit dieser optimalen Geschwindigkeit", ergänzte Prof. Slater.
"Wenn wir die neurobiologischen Grundlagen von Techniken wie der Babymassage besser verstehen können, können wir Eltern besser beraten, wie sie ihre Babys trösten und beruhigen können."

Diese Geschwindigkeit des Streichelns aktiviert bestimmte sensorischen Neuronen in der Haut, die als C-taktile Afferenzen bezeichnet werden, von denen man bisher weiß, dass sie die Schmerzen bei Erwachsenen reduzieren.
Es war jedoch unklar, ob Babys dieselbe Reaktion hatten oder ob sie diese im Laufe der Zeit entwickelten.

"Es gab Hinweise darauf, dass C-taktile Afferenzen bei Säuglingen aktiviert werden können und dass langsame, sanfte Berührungen Veränderungen der Gehirnaktivität bei Säuglingen hervorrufen können", ergänzte Prof. Slater.
Professor Slater zufolge könne die in „Current Biology“ veröffentlichte Studie anekdotische Beweise für die beruhigende Wirkung berührungsbasierter Praktiken wie Säuglingsmassage und Känguru-Pflege erklären, bei denen Frühgeborene Hautkontakt erhalten, um die Bindung von Eltern und Säuglingen zu fördern und möglicherweise die Schmerzen zu reduzieren.

"Frühere Arbeiten haben gezeigt, dass Berührungen die elterliche Bindung erhöhen, den Stress für Eltern und Baby verringern und die Dauer des Krankenhausaufenthalts verringern können", so Prof. Slater.
Die Autoren der Studie planen nun, ihr Experiment an Frühgeborenen zu wiederholen, deren sensorische Bahnen sich noch entwickeln.

Caroline Lee-Davey, Chief Executive der Bliss-Charity für Frühgeborene und kranke Babys, begrüßte die Untersuchung: "Wir wissen bereits, dass positive Berührungen - wie zum Beispiel der Haut-zu-Haut-Kontakt - für Babys in Neugeborenen-Pflege einen wirklichen Unterschied ausmachen und Eltern dabei helfen, eine Bindung zu ihrem Baby zu entwickeln. Diese neue Studie legt nahe, dass die Berührung der Eltern auch zur Linderung der Schmerzen bei Säuglingen beitragen könnte.  […] Alles, was das Unbehagen eines Babys verringern kann, ist ein großer Schritt nach vorne in diesem unterfinanzierten Forschungsbereich."

Quelle: BBC News, Current Biology

Autor: äin-red