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23.05.2016

Atemwegsinfektionen in der frühen Kindheit erhöhen möglicherweise Typ-1-Diabetes-Risiko

Säuglinge, die in den ersten sechs Lebensmonaten wiederholt von viralen Atemwegsinfekten betroffen sind, können einer aktuellen Studie in JAMA zufolge möglicherweise mit 8 Jahren ein erhöhtes Risiko für eine Diabeteserkrankung (Typ-1-Diabetes) haben.

Zu Infektionen der Atemwege zählten die Forscher Erkrankungen, die die Nebenhöhlen, den Hals, die Atemwege oder die Lunge betreffen. Diese werden am häufigsten durch Viren verursacht. Erkältungen, Grippe, Mandelentzündungen, Bronchitis und Lungenentzündungen führen zu Atemwegsinfekten.

Kinder sind besonders anfällig für Infektionen der Atemwege, denn anders als Erwachsene, hat ihr Immunsystem noch keine Immunität gegen einige der Viren erworben, die solche Infekte verursachen. Das Respiratory-Syncytial-Virus (RSV) ist eines der häufigsten Auslöser von Infektionen der Atemwege bei Kindern. Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) gehen davon aus, dass fast alle Kinder bis zum Alter von 2 Jahren eine RSV-Infektion durchgemacht haben. Die meisten Kinder, die aufgrund einer RSV-Infektion ins Krankenhaus müssen, sind unter 6 Monate alt.

Eine Autorin der Studie, Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler vom Helmholtz Zentrum in München und ihre Kollegen, wiesen darauf hin, Dass bereits frühere Studien nahegelegt hätten, dass Virusinfektionen das Risiko für die Entwicklung eines Typ-1-Diabetes erhöhen können. Neuere Studien hätten sogar einen Zusammenhang zwischen Infektionen der Atemwege in den ersten 6 Lebensmonaten und einem erhöhten Risiko für Diabetes Typ 1 nahegelegt.
Typ-1-Diabetes tritt auf, wenn der Körper nicht mehr in der Lage ist, das Hormon Insulin zu produzieren, was einen Anstieg des Blutzuckerspiegels verursacht.

Erstes halbes Jahr von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung des Immunsystems

Prof. Dr. Ziegler und ihr Team untersuchen Daten von 295.420 Kindern, die zwischen 2005 und 2007 in Bayern geboren wurden und die durchschnittlich 8,5 Jahre beobachtet wurden. Während dieser Zeit wurde bei 720 der teilnehmenden Kinder Typ-1-Diabetes diagnostiziert, was einer Inzidenz von 29 pro 100.000 Kinder pro Jahr entspricht.

Rund 93% aller Teilnehmer hatten mindestens eine Infektion durchgemacht, bis sie 2 Jahre alt waren, während 97% der Kinder mit Typ-1-Diabetes mindestens an einer Atemwegsinfektion bis dahin erkrankt war. Rund 87% dieser Infektionen betrafen die Atemwege, so das Team, und rund 84% waren durch Viren verursacht.

Die Forscher fanden heraus, dass Kinder, die von Infektionen der Atemwege zwischen ihrer Geburt und einem Alter von 2,9 Monaten oder einem Alter zwischen 3 und 5,9 Monate betroffen waren, mit größerer Wahrscheinlichkeit im Alter von 8 Jahren die Diagnose Typ-1-Diabetes erhielten - im Vergleich zu Kindern, die in diesen Altersstufen an keiner Atemwegsinfektion erkrankt waren.

Das Risiko für Typ-1-Diabetes erhöhte sich zusätzlich, wenn ein Kind während beider Altersphasen eine Infektion der Atemwege entwickelt hatte, fand das Team. Darüber hinaus fanden die Forscher heraus, dass eine Virusinfektion zwischen Geburt und 5,9 Monate das Risiko für Typ-1-Diabetes im Alter von 8 Jahren zudem mehr steigerte als andere Infektionen.

Die Autoren schränken ein, dass sie nicht in der Lage waren, Faktoren auszuklammern, die die Ergebnisse beeinflusst haben könnten, wie Typ-1-Diabetes in der Familie oder wie das Kind zur Welt kam. Dennoch glauben sie, ihre Ergebnisse seien ein weiterer Beweis dafür, dass frühe virale Infektionen der Atemwege das Risiko für Diabetes vom Typ 1 erhöhen können.

Die Autoren schreiben: "Es ist nicht bekannt, ob der Zusammenhang mit frühen Infektionen auf eine erhöhte Exposition gegenüber Viren zurückzuführen ist oder auf eine Beeinträchtigung der Immunabwehr, die vielleicht genetisch bedingt ist. Doch stimmen unsere Ergebnisse mit kleineren Studien überein, die sich mit der Autoantikörperentwicklung befassten und zu dem Schluss kamen, dass das erste Halbjahr des Lebens für die Entwicklung des Immunsystems und der Autoimmunität von entscheidender Bedeutung ist.“

Quelle: MedicalNewsToday, JAMA



Autor: äin-red