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05.10.2018

Antibiotika: Aufgrund von Nebenwirkungen mussten viele Kinder in die Notaufnahme

Laut einer amerikanischen Untersuchung mussten in den USA zwischen 2011 und 2015 fast 70.000 Kinder aufgrund von Nebenwirkungen, die Antibiotika ausgelöst hatten, in die Notaufnahme.

Bei der Analyse der der Notfallaufnahmefälle mit Beschwerden aufgrund einer Antibiotikaeinnahme zeigte sich, dass allergische Reaktionen am häufigsten auftraten, und zwar unverhältnismäßig oft bei kleinen Kinder. Die allergischen Reaktionen reichten von Hautausschlägen bis zum allergischen Schock.
"Dies sollte Eltern und andere Betreuer von Kindern daran erinnern, dass Antibiotika zwar Leben retten können, wenn sie angemessen verwendet werden, aber auch schaden können. Sie sollten deshalb nur eingesetzt werden, wenn sie notwendig sind", erklärte die Hauptautorin Dr. Maribeth C. Lovegrove, MPH aus der Abteilung Healthcare Quality Promotion am Centers for Disease Control and Prevention, in einer Erklärung der Pediatric Infectious Diseases Society (PIDS). Demnach treten Nebenwirkungen von Antibiotika vor allem bei Kindern häufig auf und können für sie schwere Folgen haben. 

Antibiotika gehören in Amerika zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten für Kinder, und die Autoren stellen fest, dass im Jahr 2011 in den USA fast 74 Millionen Rezepte für Patienten bis zu 19 Jahren für Antibiotika ausgestellt wurden.

Bemühungen, die Antibiotikaresistenzen zu verringert, konzentrierten sich darauf, de Verschreibungen von Antibiotika zu reduzieren. dennoch schätzen die Forscher, dass etwa ein Drittel der ambulant verschriebenen Antibiotika unnötig sind und noch mehr Verschreibungen mit ungeeigneten Antibiotika, falschen Dosierungen oder nicht richtiger Anwendungsdauer ausgestellt sind. 

In der aktuellen Studie analysierten Lovegrove und Kollegen Daten aus National Electronic Injury Surveillance System-Cooperative Adverse Drug Event Surveillance Projekt (dem Nationalen Projekt zur Überwachung von Arzneimittelnebenwirkungen und den Apothekenabgabedaten) von QuintilesIMS (2011 - 2015), um die Antibiotika zu identifizieren, die die meisten unerwünschten Nebenwirkungen und Notfälle verursachen sowie die Kinder, die das höchste Risiko für Nebenwirkungen haben. 

Basierend auf 6.542 Überwachungsfällen schätzen die Forscher, dass Antibiotika-Nebenwirkungen zu 69.464 Besuchen bei Notaufnahmen pro Jahr bei Patienten bis zu 19 Jahren führten. Nur ein kleiner Prozentsatz (3,0%) der Behandlungen in der Notaufnahme machten eine Krankenauseinweisung erforderlich. 

Fälle, die auf Antibiotika-Nebenwirkungen zurückzuführen waren, machten 46,2% aller Besuche der Notaufnahme aufgrund von Medikamentennebenwirkungen für Arzneien gegen körperliche Beschwerden aus. Bei Kindern im Alter von 2 Jahren und jünger waren Antibiotika für 63,9% der Besuche in den Notaufnahmen aufgrund von Arzneinebenwirkungen bei Medikamenten für körperliche Beschwerden aus. Bei Kindern im Alter von 10 bis 19 Jahren verursachten Antibiotika nur mehr 32,4% der mit einer systemischen Medikation verbundenen unerwünschten Nebenwirkungen.

Ein Großteil der Nebenwirkungen von Antibiotika waren leichte allergische Reaktionen wie Hautausschlag oder Juckreiz. Eine moderate bis schwere allergische Reaktion, wie Anaphylaxie (allergischer Schock) oder Angioödem (Wasseransammlung, Schwellung der Haut) trat bei bis 30,0% der Patienten auf – abhängig von der Art des Antibiotikums.

Je älter die Kinder wurden, desto geringer war das Risiko für Nebenwirkungen durch Antibiotika, die einen Besuch in der Notfallambulanz erforderlich machten. Nur wenige Antibiotika (z.B. Sulfamethoxazol-Trimethoprim) hatten bei älteren Kindern (10- bis 19-Jährigen) eine hohe Rate von Behandlungen in der Notaufnahme.

Die Autoren stellen mehrere Studienbeschränkungen fest, u.a., dass nur Nebenwirkungen, die zu einer Behandlung in der Notaufnahme führten, eingeschlossen wurden. Nebenwirkungen, die woanders therapiert wurden, oder die nicht so schwerwiegend waren, dass eine Notfallbehandlung erforderlich war, wurden nicht berücksichtigt. Die Experten vermuten deshalb, dass ihre Zahlen das wahre Ausmaß unterschätzen und es eine höhere Dunkelziffer gibt.

Quelle: Medscape, Pediatric Infectious Diseases Society, J Pediatr Infect Dis Soc.

Autor: äin-red