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16.10.2020

Amerikanische Experten warnen vor unsinnigen und lebensgefährlichen Challenges

Die FDA (U.S. Food and Drug Administration) berichtet in einer aktuellen Veröffentlichung über unsinnige und lebensgefährliche Challenges Jugendlicher in Social-Media-Kanälen. Der letzte Trend, die unsachgemäße Einnahme bzw. Überdosierung des Antihistaminikums Diphenhydramin als Challenge, führte bereits zu Krankenhauseinweisungen und Todesfällen.

© Antonioguillem - Fotolia.com

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Die FDA, eine Behörde, die für die Zulassung und Sicherheit von Medikamenten in der USA zuständig ist, untersuchte Berichte von Teenagern, die ins Krankenhaus eingeliefert wurden und starben, nachdem sie an dem jüngsten Social-Media-Wahn teilgenommen hatten, der Jugendliche dazu ermutigte, eine gefährliche Menge Antihistaminika-Tabletten (Diphenhydramin) zu konsumieren. Das Cook-Kinderkrankenhaus in Fort Worth, Texas, berichtete, dass drei Teenager im Mai ins Krankenhaus mussten, nachdem sie bis zu 14 Tabletten eingenommen hatten. Ein 15-jähriges Mädchen auf Oklahoma starb im August an einer Überdosis, die sie wegen einer „Challenge“ zu sich genommen hatte.
Diphenhydramin ist ein Antihistaminikum, das früher auch in Deutschland zur Therapie von Allergien verwendet wurde, aber wegen seiner stark sedativen Wirkung heute nur noch gegen Schlaflosigkeit und bei Übelkeit eingesetzt wird. In den USA ist es weiterhin ein weit verbreitetes Mittel bei allergischen Reaktionen, wie bei Heuschnupfen.

Die empfohlene Dosis beträgt im Allgemeinen eine oder zwei Tabletten alle 4 bis 6 Stunden für Kinder bzw. Erwachsene. Die Einnahme von mehr als der vorgeschriebenen Menge des rezeptfreien Allergiemedikaments kann zu schwerwiegenden Herzproblemen, Krampfanfällen, Koma oder zum Tod führen. Es sind auch Halluzinationen möglich.

Von Waschmittelkapseln bis zu Zimt – Heranwachsende sind sich der extremen Gefahr nicht bewusst

Dies ist nicht das erste Mal, dass Kinder in den Sog einer "Challenge" in den sozialen Medien geraten. Im Jahr 2018 vergifteten sich Dutzende von Teenagern, nachdem sie bei der "Waschmaschinenkapsel-Challenge" ("Tide Pod Challenge") Waschmittelkapseln konsumiert hatten. Hier können schwere Verätzungen des Mundes sowie der Speise- und Luftröhre die Folge sein. Mindestens ein Todesfall wurde auch bei der "Zimt-Challenge" ("Cinnamon Challenge") gemeldet. Bei dieser Herausforderung, versuchen Teilnehmer einen Löffel Zimtpulver ohne Flüssigkeit zu schlucken. Der dabei eingeatmete Zimt kann Lungenentzündungen und schwere allergische Reaktionen hervorrufen. Vor Kurzem gab es Videos, in denen Jugendliche ihre eigenen Zähne feilten. Zahnärzte warnten jedoch schnell, dass dies zu dauerhaften Schäden an den Zähnen führen könnte.

Dass Teenager gerne experimentieren, sei nicht neu, aber dieses Phänomen wird ins Extreme getrieben, indem sich Teenager auf populären Social-Media-Plattformen wie TikTok zu überbieten versuchen, so Dr. Michael S. Toce, MD, MS, vom Boston Children's Hospital.

"Wir sehen immer wieder, dass Familien die Gefahren von rezeptfreien Medikamenten unterschätzen, in der Annahme, dass etwas nicht rezeptfrei sei, wenn es gefährlich ist", ergänzte Toce gegenüber MedPage Today. "Familien sperren diese Medikamente nicht weg."

Die FDA empfahl Eltern, Medikamente kindersicher aufzubewahren, um versehentliche Vergiftungen bei kleinen Kindern verhindern. Sie sollten die Arzneien aber auch wegsperren, um Missbrauch durch Jugendliche vorzubeugen, insbesondere während der COVID-19-Pandemie, wenn sie "möglicherweise eher experimentieren".

Für Kinder mit psychischen Grunderkrankungen oder Jugendliche, bei denen das Risiko eines Substanzmissbrauchs besteht, könnte die mit der COVID-19-Pandemie verbundene soziale Isolation ihren Wunsch verstärken, mit rezeptfreien Medikamenten zu experimentieren, vermutete Toce.
"Wir haben vermehrt Fälle von Selbstverletzung und Besuche in der Notaufnahme wegen Depressionen und Selbstverletzungsversuchen gesehen. Ich denke, dies kann sicherlich eine weitere Manifestation der Auswirkungen von sozialer Isolation und COVID-19 sein", so Toce.

Quelle: MedpageToday, FDA







Autor: äin-red