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26.01.2022

Ätherische Öle eignen sich nicht als Heilmittel bei kleinen Kindern

Viele Erwachsene wenden ätherische Öle bei Erkältungen an, doch für kleine Kinder sind sie nicht geeignet. „Kleine Kinder reagieren besonders empfindlich auf ätherische Öle, viel empfindlicher als Erwachsene.

In Reinform eingenommen können diese Öle dem zentralen Nervensystem, den Nieren und den Atemwegen schaden. Sehr giftig sind beispielsweise Kampfer, Eukalyptus- (Cineol) und Pfefferminzöl (Menthol), etwas weniger giftig sind u.a. Terpentinöl, Orangen-/Zitronenschalen-, Teebaum- und Nelkenöl“, warnt Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Ätherische Öle sind aufgrund eines hohen Gehalts an Monoterpenen (Hauptbestandteil von ätherischen Ölen) lipophil (fettlöslich) und können deshalb mehrere biologische Barrieren leicht überwinden. Bestimmte chemische Bestandteile gelangen daher konzentriert - über den Verzehr (Mund), über die Haut oder über das Einatmen/Verschlucken (Lunge) - in den Körper. Die Folgen reichen von Haut- und Mundrötungen, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Müdigkeit, Unruhe, Zittern bis hin zu Bewegungsstörungen, Krämpfen und Atemstörungen. Die Giftwirkung kann sehr schnell eintreten und es genügen oft schon kleine eingenommene Mengen (z.B. 5ml), um für Kinder lebensbedrohlich giftig zu sein. Aus Europa und den Vereinigten Staaten gibt es Berichte über eine Zunahme von Vergiftungen mit ätherischen Ölen.

„Bei Säuglingen und Kleinkindern können schon wenige Tropfen, die versehentlich in den Nasen-Rachenraum gelangen, Verkrampfungen des Kehlkopfs (Stimmritzkrampf) auslösen und zu Atemstörungen führen“, verdeutlicht Dr. Fegeler. Eltern sollten Sprays, Diffuser, Einreibepräparate, Bäder oder Inhalationsmittel, die einen hohen Anteil an ätherischen Ölen wie Kampfer, Eukalyptus und Menthol enthalten, nicht bei Babys oder Kleinkindern anwenden und auch kindersicher verwahren. Fallberichte beschreiben z.B., dass ein 6-jähriges Kind nach der Einnahme von 10 Milliliter Eukalyptusöl Krämpfe entwickelte, ähnliche Reaktionen zeigte in 3-jähriges Kind bereits bei einer Dosis von 5 Milliliter.

„Wenn sich Eltern nicht sicher sind, ob die Inhaltsstoffe für ihr Kind geeignet sind, sollten sie ihren Kinder- und Jugendarzt fragen. Falls dennoch ein Kind versehentlich ätherisches Öl zu sich genommen hat, sollten Eltern zuerst den Notarzt rufen und sich bei einer Giftnotrufzentrale über mögliche Maßnahmen informieren“, so Dr. Fegeler.

Da manche ätherischen Öle, wie z.B. Fichten- oder Kiefernnadelöl, auch schleimhautreizend wirken können, ist bei Kindern mit Asthma, Keuchhusten oder Pseudokrupp Vorsicht geboten. So sollen ätherische Öle wie Lavendel, Eukalyptus und Teebaum unter anderem Terpene, Toluol und Benzol in die Luft freisetzen. Terpene können nächtliche Atemnot und Überempfindlichkeit der Bronchien begünstigen.

Auf der Haut können starke Reizungen und Entzündungen die Folge von einer Einreibung mit ätherischen Ölen sein. Manche ätherischen Öle können auf der Haut in Gegenwart von Sonnenlicht heftige Reaktionen verursachen. Diese können von Pigmentierung, Blasenbildung bis hin zu schweren Verbrennungen gehen. Dafür sind vorwiegend Furanocoumarine verantwortlich, die hauptsächlich in Zitrusschalenölen (C. bergamia [Bergamotteöl], C. aurantium [Bitterorangen / Pomeranzen-ÖL], C. limon [Zitronenöl], C. aurantifolia [Limettenöl]) vorkommen.

Bei regelmäßiger Anwendung entwickeln bestimmte Öle sogar hormonähnliche Wirkung, wie z.B. Lavendelöl oder Teebaumöl.

Quellen: ANES, AAAAI, BfR, Springermedizin.de, Toxicol Int., Clin Toxicol, Med J Aust., Biomedicine, J. Pl. Res., IntechOpen
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Autor: äin-red