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18.05.2018

Ab welchem Alter sind Teddys, Schmusedecken und Co. bedenklich?

Professor Amy Brown von der Swansea Universität, Wales, Großbritannien, kommt in einem Artikel zu dem Schluss, dass sogenannte Komfortobjekte oder Trostspender in der Kindheit durchaus ihren Sinn haben, aber eine Abhängigkeit davon spätestens im Teenageralter möglicherweise Anzeichen für seelische Probleme sein könne.

Viele Eltern machen sich Sorgen, wenn ihr fünfjähriges Kind ohne ihren Schnuller nicht schlafen kann oder ihr Teenager sich weigert, die zerfetzte Decke wegzuwerfen, die er seit seiner Geburt besitzt. Das Thema der Komfortobjekte wird heftig diskutiert, wobei einige argumentieren, dass die Bindung an Objekte aus der Kindheit kindisch, unnötig oder vielleicht sogar schädlich ist.

Selbst Erwachsene haben noch Komfortobjekte

Die Wahrheit sei, dass sogar Erwachsene Objekte hätten, an denen sie besonders hängen, gibt Professor Amy Brown in ihrem Artikel in „The Conversation“ zu bedenken. Das kann ein Glücksbringer-T-Shirt sein oder ein Geschenk einer geliebten Person. Viele Erwachsenen hätten auch Schwierigkeiten, sich von altem besonders lieb gewonnen Spielzeug aus der eigenen Kindheit zu trennen, erläutert Professor Brown.

Bestimmte Objekte erinnern uns daran, dass wir uns geborgen, sicher und geliebt fühlen. Säuglinge werden geboren und haben i.d.R. monatelang jemand um sich, der ihn liebkost, mit ihm zu kuschelt, ihn zu beruhigt und sich um seine Bedürfnisse kümmert. Dies hilft Babys, eine sichere Bindung zu den Eltern und Vertrauen in die Welt zu entwickeln.

Und eines Tages müssen kleine Kinder lernen, für eine Zeit ohne Eltern verbringen – anfangs einfach nur, wenn sie quer durch den Raum von den Eltern wegkrabbeln, später dann wenn sie in die Kindertagesstätte, in den Kindergarten und zur Schule gehen. Mutter oder Vater können nicht immer da sein, um sie zu trösten, aber etwas, das sie an diese Sicherheit erinnert, kann dabei sein - etwas, das eine Verbindung zwischen der neuen Situation und dem Komfort von zu Hause herstellt.

Je älter ein Kind wird, desto öfter sollten Kuscheltiere in Vergessenheit geraten

Obwohl solche Gegenstände in den 1940er-Jahren als Zeichen einer schlechten Elternbindung betrachtet wurden, stellte der Kinderarzt und Psychoanalytiker Donald Winnicott später das Gegenteil fest: Ihm zufolge sind sie eine Erinnerung an Liebe und Sicherheit.

Eine Studie fand sogar heraus, dass kleine Kinder mit starken Bindungen zu solchen Objekten eine stärkere Bindung zu den Eltern haben und glücklicher sind als diejenigen ohne. Aber dies ändert sich, wenn Kinder älter werden. Die gleiche Studie zeigte, dass Jugendliche, die noch eine starke Bindung an ein solches Objekt haben, oft eine schlechtere psychische Gesundheit besitzen. Es ist zwar nichts falsch daran, einen Gegenstand aufgrund seiner Erinnerungen zu behalten, aber ihn noch jeden Tag als Teenager oder als Erwachsener zu brauchen, könnte möglicherweise ein Anzeichen von Problemen sein, lautet das Fazit von Professor Brown.

Manche "Trostspender", wie Schnuller, sollten nach einiger Zeit abgelöst werden

Experten empfehlen, Babys nach sechs Monaten den Schnuller abzugewöhnen. Abgesehen von der Schwierigkeit, ältere Kinder zu entwöhnen, kann längeres Tragen eines Schnullers zu Fehlstellungen bei den durchbrechenden Zähnen führen. Die Sprachentwicklung kann sich zudem verzögern, wenn Babys nicht richtig sprechen können und Wörter falsch aussprechen, da ein Schnuller im Weg ist.

Professor Brown rät Elterndeshalb, zunächst am besten tagsüber damit zu beginnen den Schnuller wegzunehmen und versuchen, etwas Positives dafür anzubieten - mehr Umarmungen, ein Buch und ein Kuscheln oder ein Spielzeug, das ablenkt.

Die ersten Milchzähne brechen meist ab dem 4. Lebensmonat durch. Etwa mit drei Jahren hat das Kind dann alle 20 Milchzähne.

Zusammenfassend erklärte Professor Brown, dass Komfortobjekte normal seien und kleinen Kinder (und gelegentlich Erwachsenen) Trost spenden und sie beruhigen könnten. Eltern bräuchten sich keine Sorgen machen. Aber wenn Kinder laufen und reden können, sollten sie lieber zur Kuscheldecke, Lieblingspuppe oder zum Spielzeugauto als zum Schnuller oder zur Nuckelflasche greifen.

Quelle: medicalXpress, The Conversation

Autor: äin-red