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Kinder- und Jugendärzte zum Mund-Nasen-Schutz: „Mund-Nasen-Bedeckung schützt und ist für Kinder gesundheitlich unbedenklich.“

© famveldman - stock.adobe.com
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Je nach Bundesland gilt auch für Kinder unter zehn Jahren eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum, der auch Schulen und andere Gemeinschaftseinrichtungen umfasst. Viele Eltern, Erzieher und Lehrer befürchten, dass die Masken Kindern schaden könnten. Nach allen bisher vorliegenden Erkenntnissen stellt das Tragen von Masken aber keine gesundheitliche Gefahr dar. Eltern sollten mit ihren Kindern das richtige Tragen der Masken üben.

Kinder unter zehn Jahren sind wenig an der Verbreitung des Corona-Virus beteiligt, dennoch schreiben einige Bundesländer ihnen die Bedeckung von Mund und Nase vor oder empfehlen sie zumindest, auch in der Schule.

„Bei hoher 7-Tage-Inzidenz von SARS-CoV-2 in der Region oder im Kreis halten wir diese Regeln für sinnvoll, auch bei Grundschülern. An ihrem Platz sitzend sollten sie unter Einhaltung der Abstandsregel die Maske jedoch wieder abnehmen dürfen. Die chirurgischen oder auch die so genannten Alltags-Maske mögen ein wenig unbequem sein für Kinder, sie schränken aber das Ein- und Ausatmen nicht ein, führen weder zu einer Einschränkung der Sauerstoffversorgung, noch zu einer gefährlichen Anreicherung von Kohlendioxid.

Sie gefährden auch sonst in keiner Weise die Gesundheit; sogar Kinder mit kontrolliertem Asthma ab sechs Jahren können sie gefahrlos tragen; es gibt keine Hinweise darauf, dass die Maske bei ihnen CO2 zurückhält oder ihre Atmung einschränkt,“ so Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ e. V.) heute in Köln. „In Kinderkliniken müssen Kinder mit geschwächtem Immunsystem schon seit jeher Masken tragen. Sie tun dies ohne Probleme und akzeptieren die Masken auch, wenn man ihnen Funktion und Sinn des Maskentragens gut erklärt. Inzwischen liegen uns auch Studien vor zur psychischen Belastung von Kindern und Jugendlichen durch die Corona Pandemie. Keine dieser Studien enthält Hinweise darauf, dass das Tragen von Masken an sich die Kinder in ihrer seelischen Gesundheit beeinträchtigt.

Aus kinder- und jugendärztlicher Sicht bestehen daher bei gesunden Kindern ab zehn Jahren generell keine Bedenken gegen das Tragen von Masken. Kinder ab sechs Jahren können optional eine Maske tragen, aber sie sollten sie jederzeit abnehmen können, wenn sie dies möchten.

Eltern sollten ihren Kindern liebevoll, geduldig und verständnisvoll helfen, selbständig und effektiv mit einer Maske umzugehen. Wenn sie selbst von der Bedeutung des Maskentragens überzeugt sind, können sie auch ihre Kinder überzeugen.“

Wie Eltern ihrem Kind helfen können, die Maske zu tragen

  • Erklären Sie Ihrem Kind, dass es mit der Maske dazu beiträgt, die Ausbreitung der Pandemie zu vermindern, dass es sich und andere mit der Maske schützt.
  • Achten Sie darauf, dass die Maske an die Größe und Gesichtsform Ihres Kindes so angepasst ist, dass sie um Mund, Nase und Kinn an allen Seiten gut sitzt, aber locker schließt und bequem ist.
  • Die um die Ohren oder um den Hinterkopf geführten Bänder dürfen nicht zu eng anliegen oder gar einschneiden. Achten Sie darauf, dass sich die Haut hinter den Ohren nicht entzündet durch langes Tragen.
  • Verwenden Sie chirurgische Masken oder selbstgenähte Masken aus Baumwolle, die das Atmen nicht einschränken.
  • Vor dem Anlegen und dem Entfernen der Maske die Hände gründlich waschen.
  • Beim Abnehmen oder Anlegen die Maske nur an den Bändern (von hinten) anfassen.
  • Das Kind sollte die Maske, insbesondere die Außenseite, beim Tragen nicht berühren.
  • Bevor Ihr Kind eine längere Zeit die Atemmaske trägt, lassen Sie es zuhause ausprobieren, wie es mit der Maske zurechtkommt.
  • Treten bei längerem Tragen von Alltagsmasken Anzeichen von Unwohlsein auf, sollte die Maske kurzzeitig im sicheren Abstand von anderen Personen, am besten im Freien, abgenommen werden. Überfordern Sie Ihr Kind nicht durch überlange Tragezeiten.
  • Einwegmasken nach dem Tragen sofort in den Abfalleimer werfen. Wiederverwendbare Stoffmasken nach dem Tragen gründlich mit Waschmittel reinigen: ab 60 Grad Celsius waschen und gut trocknen. Alternativ ist es möglich, die Masken für 10 Minuten auszukochen. Anschließend gut trocknen.

Kinder- und Jugendärzte empfehlen: Keine Masken für

  • Kinder unter sechs Jahren
  • Kinder mit schweren Atemproblemen
  • Kinder, die die Maske nicht selbst entfernen können
  • Kinder mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung, mit intellektueller Reifungsverzögerung oder Verhaltensauffälligkeiten. Sie sollten - wenn überhaupt – die Maske nur nach Rücksprache mit dem Kinder- und Jugendarzt oder der -ärztin tragen.

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Kind einen Mund-Nasen-Schutz tragen kann, oder wenn Ihr Kind krank ist, sprechen Sie bitte mit Ihrem Kinder- und Jugendarzt oder Ihrer Kinder- und Jugendärztin.
Köln, 12. November 2020

PDF der Pressemeldung

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Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ). Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.kinderaerzte-im-netz.de. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des BVKJ-Elternportals verlinken. Fotos und Abbildungen dürfen grundsätzlich nicht übernommen werden.


Stellungnahme von DGPI, bvkj, DGKJ, GPP und SGKJ zur Verwendung von Masken bei Kindern zur Verhinderung der Infektion mit SARS-CoV-2


Alltagsmasken: Sauerstoffversorgung für Kinder ist gewährleistet

© ravipat - stock.adobe.com
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Die Befürchtung, dass Kinder beim Tragen von Alltagsmasken zu viel CO2 (Kohlenstoffdioxid) aufnehmen oder gar eine Kohlenstoffdioxidvergiftung erleiden, kann der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) Eltern nehmen. Zwischen Gesicht und Maske gibt es einen Abstand von wenigen Millimetern, der ausreicht, dass genügend Luftaustausch stattfindet. Und auch durch das Gewebe dringt Luft. Mit jedem Atemzug kommt wieder ausreichend frische, sauerstoffreiche Luft herein. Eine amerikanische Untersuchung zeigt, dass selbst lungenkranke Menschen keine Probleme mit OP-Masken entwickeln. Der Gasaustausch wird demnach nicht beeinträchtigt und auch die CO2-Ansammlung nicht erhöht. Eine Studie aus Singapur bestätigt auch für Kinder im Alter von sieben bis 14 Jahren, dass die Sauerstoffsättigung mit Nasen-Mund-Schutz im Normbereich bleibt.

Nur von geschlossenen Masken, wie Staubschutzmasken aus dem Baumarkt, raten Kinder- und Jugendärzte ab. Und kleinere Kinder können einfach noch nicht richtig mit Masken umgehen, befürchten Pädiater. Unter zwei Jahren kann ein Kind kaum einen Gesichtsschutz tragen. Auch im Vorschulalter kann es Probleme haben. Ein Großteil der Kinder dieser Altersgruppe greift eher ständig an die Maske oder spielt mit ihr, sodass sich damit die Infektionsgefahr eher noch erhöht. Aus entwicklungspsychologischer Sicht ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes erst vom Grundschulalter an sinnvoll. Diese Altersgruppe kann bereits vernünftig mit Masken umgehen. 

Der BVKJ schließt sich damit den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an. Der WHO zufolge sind im Allgemeinen für Kinder nicht medizinische Masken bzw. Stoffmasken (sog. Alltagsmasken) ausreichend. Sie sollten der Gesichtsgröße des Kindes angepasst sein und Nase, Mund und Kinn des Kindes bedecken. Kinder mit chronischen Krankheiten wie Mukoviszidose, Krebs oder die ein geschwächtes Immunsystem haben, sollten hingegen in Absprache mit ihrem Kinder- und Jugendarzt eine medizinische Maske tragen. Diese vermindert nicht nur die Ausbreitung von virushaltigen Tröpfchen, sondern schützt auch die Träger, die ein höheres Risiko haben, an COVID-19 schwer zu erkranken.

Auch die American Academy of Pediatrics (AAP) betont in einem im August veröffentlichten Elternratgeber, dass normale Stoffmasken weder das Atmen noch die Entwicklung der Lunge beeinträchtigen, auch wenn sie über einen längeren Zeitraum in der Schule getragen werden. Dass Stoffbedeckungen zu einer Kohlendioxidvergiftung führen können, weil die Luft, die wir normalerweise ausatmen, wieder eingeatmet wird, wird ebenfalls als Mythos widerlegt. Kohlendioxidmoleküle sind sehr klein, sogar kleiner als Atemtröpfchen, erklärt die AAP. Sie können nicht von gewebeähnlichen Materialien wie Stoff eingeschlossen werden. Sonst könnten auch Chirurgen nicht den ganzen Tag mit eng anliegenden Masken arbeiten, ohne Schaden zu nehmen.
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Dies ist eine Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte Bayerns e.V.
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