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15.03.2016

Zweisprachigkeit erleichtert flexibles Denken

Forscher der Concordia Universität in Montreal konnten nachweisen, dass zweisprachige Kleinkinder mit zunehmender Sprachpraxis beim problemlösenden Denken teilweise besser abschneiden als Kinder, die mit einer Muttersprache aufwachsen.

Schätzungsweise die Hälfte der Weltbevölkerung spricht zwei oder mehr Sprachen. Ob damit Vorteile verbunden sind, wollten kanadische Wissenschaftler erfahren. Die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlichten sie im „Journal of Experimental Child Psychology“. Demnach besitzen zweisprachige gegenüber einsprachigen Kindern bei manchen Anforderungen eine bessere geistige Kontrolle, und dies umso mehr, je mehr diese Kinder den Wechsel zwischen verschiedenen Sprachen beherrschen.

Mehrsprachigkeit erfordert mühsames Üben beim Wechsel von einer Sprache in eine andere. "Diesen Wechsel praktizieren Kinder mit zunehmendem Alter und wachsendem Vokabular immer häufiger", erklärte Professor Diane Poulin-Dubois vom Concordia Institut für Psychologie, die auch Studienleiterin war. Bei anscheinend widersprüchlichen Aufgaben gelingt es mehrsprachigen Kindern deshalb leichter, flexibel zu reagieren und sich selektiv zu konzentrieren, d.h. den Widerspruch auszublenden.

Für die Studie beurteilten die Forscher den Wortschatz von 39 zweisprachigen Kinder und 43 einsprachigen, als sie 24 Monate alt waren, und dann wieder, als sie 31 Monate erreichten. Während der zweiten Sichtung forderten die Experten die Kinder auf, eine Reihe von Aufgaben zu bewältigen, die ihre kognitive Flexibilität und ihr Gedächtnisfähigkeiten testen sollten.
"Zum größten Teil gab es keinen Unterschied zwischen den zwei- und einsprachigen Kleinkindern", sagte Poulin-Dubois. Doch beim „Conflict Inhibition Test“ schnitten die zweisprachigen Kinder deutlich besser ab. Bei diesem Test wird die Fähigkeit überprüft, eine gut gelernte Regel zu missachten, der das Kind normalerweise folgen würde, wie z.B. wenn eine bekannte Aufgabe, die das Kind gut lösen kann, plötzlich so gestellt wird, dass es anders vorgehen muss.

Zweisprachige Kinder müssen häufig gewohnte Denkmechanismen verlassen

Um die Flexibilität im Denken zu testen, sollten Kinder folgende Aufgaben lösen:

  1. Umkehr-Kategorisierung: Die Kinder sollten eine Reihe von kleinen Klötzchen in einen kleinen Eimer und große Klötzchen in einen großen Eimer legen. Dann sollten sie genau das Gegenteil tun und große Klötzchen in dem kleinen Eimer und kleine Klötzchen in den großen Eimer sammeln.
  2. Form-Konflikt: Den teilnehmenden Kindern wurden Bilder von unterschiedlich großen Früchten gezeigt, und sie wurden gebeten, sie beim Namen zu nennen. Dann sollten sie eine Reihe von neuen Bildern ansehen, wo kleinen Früchte je in einer großen eingebettet abgebildet waren. Die Kleinkinder sollten dabei auf die kleine Frucht zeigen.

Es war nicht überraschend, so die Forscher, dass die zweisprachigen Kinder bei diesen Aufgaben deutlich besser abschnitten als ihre einsprachigen Altersgenossen.

Der Wechsel von einer Sprache zur anderen erfordert den Experten zufolge ebenso das Ausblenden eines Konflikts. Das Kind muss bestimmte Informationen zu ignorieren - wie die Größe eines Klötzchens in Relation zu einem Eimer oder der Tatsache, dass eine Frucht in einer anderen ist. Das gleicht der Erfahrung, die eine Kind macht, wenn es zu einer zweiten Sprache wechseln soll, auch wenn ihm das Wort in der ersten Sprache vielleicht geläufiger oder bekannter ist.
Innerhalb der zweisprachigen Gruppe von Kleinkindern, fiel diejenigen, die eine größere Anzahl von "Dubletten" in ihrem Wortschatz hatten - Wortpaare in jeder Sprache, wie Hund / Dog, auch der „Conflict Inhibition Test“ leichter.

Quelle: Concordia Montreal/newswise, Journal of Experimental Child Psychology




Autor: äin-red