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04.02.2016

USA: Risiko von Hausgeburten bisher unterschätzt

Die Komplikationsrate ist bei geplanten Haus- und ambulanten Geburten anscheinend doppelt so hoch wie bei Klinikgeburten. So lautet das Ergebnis einer amerikanischen Statistik-Studie. Demnach wurde das Risiko von Hausgeburten in den USA bisher aufgrund einer unvollständigen Dokumentation unterschätzt.

Seit 2012 ist es in Oregon erforderlich, dass in Geburtsurkunden sowohl der geplante Ort der Entbindung als auch der tatsächliche Ort – ob in der Klinik, zuhause oder in einem Geburtshaus - eingetragen wird. Diese Änderung erlaubt es Forschern nun, die Daten der Geburtsurkunden zu verwenden, um ermitteln zu können, welche Geburten zwar ambulant geplant waren, aber aufgrund von Komplikationen schließlich im Krankenhaus landeten.

Dr. Jonathan M. Snowden und seine Kollegen analysierten Oregons Geburts- und Sterbeurkunden von 2012 bis 2013. Sie konzentrierten sich auf 79.727 Geburten (ohne Mehrlingsgeburten). 95,2% der Mütter hatten demzufolge vor, im Krankenhaus ihr Kind zur Welt zu bringen, und 4% planten und realisierten eine Hausgeburt (1.968 zuhause und 1.235 in einem Geburtshaus). 601 Frauen (0,8%) wollten ihr Kind zwar ambulant zur Welt bringen, mussten aber während der Geburt in ein Krankenhaus gebracht werden. 

Von den Müttern, die nicht ins Krankenhaus wollten, benötigten tatsächlich 16,5% eine Einweisung in eine Klinik und entbanden ihr Kind dort. Bisher galten diese Geburten als „Krankenhausgeburten“, da das Kind im Krankenhaus geboren worden war. Dabei wurde nicht berücksichtigt, dass die Mutter aufgrund Komplikationen erst in ein Krankenhaus kam. Auf diese Weise wurde das Komplikationsrisiko bisher einfach unterschätzt, so die Forscher in der im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichten Arbeit.

Als Krankenhauseinweisungen während des Geburtsvorgangs noch nicht klassifiziert wurden, gab es bei der Rate fetaler, perinatalen und neonatalen Todesfälle keine signifikanten Unterschiede für Geburten im und außerhalb eines Krankenhauses. Doch seit Krankenhauseinweisungen aufgrund von Komplikationen bei ursprünglich ambulant geplanten Geburten auch dokumentiert wurden, verschoben sich die Todesraten zuungunsten der ambulanten Geburten: Die fetale Todesrate (verstorbene Feten vor der eigentlichen Geburt) betrug 2,4 vs. 1,2/1.000 Geburten, die perinatale Sterblichkeitsrate (Tod während der Geburt) betrug 3,9 vs. 1,8 Todesfälle/1.000 Geburten und der neonatalen Todesrate (verstorbene Neugeborene) betrug 1,6 vs. 0,6/1.000 Geburten.

Bei Verwendung der nun korrekt erfassten Daten waren die Raten von schlechten Apgar-Werten, neonatalen Krampfanfällen und mütterlichen Blut-Transfusionen bei ambulant geborenen Babys deutlich höher als bei Babys, die im Krankenhaus zur Welt kamen.

Die Autoren schränken ein, dass der Unterschied insgesamt zwischen ambulanten und stationären Geburten immer noch relativ gering sei. Bei außerklinischen Geburten würden die Wehen seltener eigeleitet, gäbe es eine geringere Kaiserschnittrate und auch andere Geburtshilfeverfahren (wie z.B. Zangengeburt) kämen seltener zum Einsatz als in einer Klinik.

Quelle: Pediatric News, New England Journal of Medicine


Autor: äin-red