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04.10.2015

Typ-1-Diabetes erhöht Knochenbruchrisiko von klein auf

Menschen mit Typ-1-Diabetes haben ein erhöhtes Risiko von Knochenbrüchen (Frakturen), das als Kind beginnt und sich über die gesamte Lebensdauer hinweg fortbesteht. Dies legen neue amerikanische Forschungsergebnisse nahe.

© rkris - Fotolia.com

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Die Studie wurden von Professor Dr. David R Weber, von der Abteilung für Endokrinologie und Diabetes an der Golisano Kinderklinik von der Universität von Rochester, New York, in er Fachzeitschrift „Diabetes Care“ veröffentlicht.
Die Experten verfolgten mehr als 30.000 Patienten mit Typ 1 Diabetes von einer britischen Datenbank und verglichen deren Daten mit mehr als 300.000 Menschen mit entsprechendem Alter und Geschlecht ohne Diabetes.
Das Knochenbruchrisiko war bei Männern unter 20 Jahren mit 14% deutlich erhöht, und stieg um mehr als das Doppelte bei den Männern im Alter von 60 bis 69 Jahren und Frauen im Alter von 40 bis 49 Jahren. Brüche der Beine waren ebenfalls bei Typ-1-Diabetes-Patienten häufiger als bei gesunden Vergleichspersonen.

"Brüchige Knochen sind ein wichtiges, aber unterschätztes Gesundheitsrisiko bei Patienten mit Typ 1 Diabetes. Unsere Resultate zeigen, dass Typ-1-Diabetes-Patienten in allen Altersgruppen besonders gefährdet sind, Knochenbrüche zu erleiden. […]", warnt Prof. Weber mit Medscape.
Dr. Lorenz C Hofbauer, Leiter der Abteilung für Endokrinologie, Diabetes und Knochenerkrankungen an der TU Dresden, Deutschland, sagte Medscape Medical News: "[Typ-1-Diabetes] muss als ein Risikofaktor für Osteoporose zunehmend berücksichtigt werden und erfordert mehr Aufmerksamkeit als bisher."

Die Ergebnisse bei Kindern sind überraschend, so Dr. Hofbauer. "Wir neigen dazu, diese Frakturen in der Kindheit zu ignorieren, da wir annehmen, dass sie Folge einer übermäßigen Beanspruchungen sind, dabei handelt es sich um die Spitze eines Eisberges...."

Männliche Jugendliche besonders betroffen

Bei den Männern traten die meisten Brüche im Alter von 10 bis 20 Jahren auf, bei Frauen im Alter von 80 bis 90 Jahren.
Dr. Weber wies darauf hin, dass diese Verteilung auch bei Patienten ohne Diabetes zu beobachten ist. Denn Männer haben das größte Frakturrisiko während ihrer Jugend, wenn die Knochen noch wachsen und Jugendliche sich besonders riskanten Aktivitäten widmen.

Für ausreichende Kalzium und Vitamin D bei Kindern mit Typ 1 Diabetes sorgen

Dr. Weber sagte, sein Team vermutet, dass vor allem zwei Ursachen für die Knochenbrüchigkeit bei Typ 1 Diabetes verantwortlich sind: Die beeinträchtigte Knochenbildung während der Kindheit und Jugend sowie eine insgesamt schlechtere Knochenqualität durch langfristig bzw. wiederholt erhöhten Blutzuckerspiegel.

Ausreichende Kalzium- und Vitamin-D-Zufuhr kann bei jungen Patienten besonders wichtig sein, da die Kindheit ein kritischer Zeitraum für die Knochenbildung ist. Eine geringe Knochendichte scheint Dr. Hofbauer zufolge aber nicht der einzige Grund für das Frakturrisiko bei Typ-1-Diabetes zu sein.
Dr. Webers Fazit lautet: "Sobald wir ein besseres Verständnis für die Mechanismen haben, die die Knochenbrüchigkeit bei Typ-1-Diabetes verursachen, werden mehr klinische Studien erforderlich sein, um festzustellen, welche Vorsorge- und Therapiemaßnahmen sinnvoll sind."

Quelle: Medscape, Diabetes Care


Autor: äin-red