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14.03.2016

Studie: Auswirkungen des Zika-Virus auf Ungeborenes vielleicht noch schwerwiegender als bisher angenommen

Eine aktuelle Studie kommt zu dem Schluss, dass das Zika-Virus ein ungeborenes Kind möglicherweise in einem noch größeren Ausmaß schädigen kann, als bisher angenommen wurde, und eine Reihe von lebensbedrohlichen Geburtsfehlern verursachen könnte. Die Experten sind sich aber darüber nicht einig.

Ein Beispiel sei ein tot geborenes Baby einer 20-jährigen brasilianischen Frau, die sich mit Zika infiziert hatte. Es besaß fast keine Hirngewebe und litt auch unter Mikrozephalie, ein Geburtsfehler, der am häufigste durch Virus verursacht wird. Kinder mit diesem Geburtsfehler haben unterentwickelt Köpfe und Gehirne. In dem Fötus wurde der Zika-Virus nachgewiesen.

Was die Forscher beunruhigte, war ein weiterer Defekt, der möglicherweise auf das Virus zurückzuführen sei. Diese Fehlbildung betrifft sowohl einen Teil des Körpers als das zentrale Nervensystem, berichten die Autoren der Studie. Flüssigkeitsansammlungen verursachten Schwellungen und Schäden an verschiedenen Teilen des Körpers, ein so genannter Hydrops fetalis, erklärten Wissenschaftler aus Brasilien und USA (Yale University). Sie veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Ausgabe vom 25. Februar der Zeitschrift „PLoS Neglected Tropical Diseases“. Es sei noch nicht sicher geklärt, ob Zika die Ursache dieser Anomalien war, und es blieben viele Fragen unbeantwortet, so die Autoren.
Einige Experten behaupten auch, dass Brasilien und manche internationalen Gesundheitsbehörden etwas voreilig eine Verbindung zwischen Zika und einem scheinbaren Anstieg der Geburtsfehler deklariert hätten. Unter ihnen befinden sich 14 brasilianische und amerikanische Wissenschaftler, die am 24. Februar in den „Annals of Internal Medicine“ erklärten, dass die Verbindung zwischen dem Virus und Mikrozephalie derzeit noch "eine Vermutung bleibt." Bisher sei der Beweis eher durch äußere Umstände gegeben, schrieben sie.

Erste nachweisbare Verbindung zwischen Zika und Fehlbildung

Andere Gesundheitsexperten sind der Meinung, dass sich die Beweise für einen Zusammenhang häufen. Der in „PLoS Neglected Tropical Diseases“ dokumentierte Fall ist der erste, der eine offensichtliche Verbindung zur Zika-Infektion beschreibt", so Stephen Higgs, Direktor des Biosecurity Research Institute an der Kansas State Universität. Die Fallstudie zeigt, dass die US Centers for Disease Control and Prevention auf dem richtigen Weg waren, als es empfohlen, dass jede schwangere Frau, die sich in einer von Zika betroffenen Region aufgehalten hatte, auf das Virus getestet werden sollte, sagte Professor Dr. Veronique Tache (maternal-fetal medicine) von der University of California, Davis. Sie hatte zum ersten Mal von den noch schwerwiegenderen Schäden gehört. "Es ist eine erschreckende Entdeckung, aber es stimmt mit dem überein, was wir über Infektionen in einem frühen Stadium der Schwangerschaft wissen. Sie können verheerende Schäden am Fötus anrichten", sagte Tache. In dieser Zeit entwickelt sich der Fötus sehr schnell, und es können deshalb viele Organgruppen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Die Auswirkungen einer Zika-Virus-Infektion auf die fetale Entwicklung ähneln denen einer Infektion mit dem Zytomegalievirus (CMV, gehört zu den Herpes-Viren), das ein breites Spektrum von Geburtsschäden und gesundheitlichen Problemen verursachen kann, ergänzte Tache. Kinder, die sich mit dem CMV in der Gebärmutter infizieren, können an Mikrozephalie leiden sowie von Hör- und Sehverlust, Krampfanfällen und Schäden an wichtigen Organen wie der Leber, der Lunge und dem Herzens betroffen sein.

Bis heute gibt es keine antiviralen Medikamente, die gegen das Zika-Virus wirksam sind. "Wir können die Diagnose stellen, dass eine Zika-Infektion vorlag, aber eine Infektion bedeutet nicht zwangsläufig, dass Kinder Anomalien entwickeln. Nicht jeder, der sich mit dem Zika-Virus infiziert, hat einen infizierten Fötus", so Tache.

Als das Zika-Virus im Jahr 1947 in Uganda entdeckt wurde, waren noch keine ernsthaften Gesundheitsrisiken bekannt - bis zum letzten Jahr. Etwa 80% der Menschen, die sich anstecken, zeigen keine typischen Symptome, wie Ausschlag, Fieber oder Muskelschmerzen.

Quelle: HealthDay, PLOS Neglected Tropical Diseases, Annals of Internal Medicine



Autor: äin-red