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14.03.2016

Risiken und Nebenwirkungen bei Asthma-Medikamenten für Kinder und Jugendliche

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) entscheidet in Deutschland darüber, welche Medikamente die Krankenkassen bezahlen. Nun hat der G-BA mehrere Medikamente bezüglich der Erstattungsfähigkeit („Festbeträge“) so eingeschränkt, dass gerade für Kinder, die an Asthma bronchiale leiden, eine an wissenschaftlichen Leitlinien orientierte Therapie erheblich erschwert wird.

Bei den durch diese Festbetragsregelungen als Alternative favorisierten Medikamenten sind mögliche Nebenwirkungen gerade für Kinder anscheinend nicht bedacht worden. 

Wirksame Medikamente gegen Asthma gibt es viele. Einige haben aber Nebenwirkungen, die besonders für Kinder und Jugendliche gefährlich sein
können: sie können langfristig zu Wachstumsverzögerungen oder zusammen mit anderen Medikamenten zu Kreislaufproblemen führen.

"Der G-BA ignoriert mit seinem aktuellen Beschluss zu Festbeträgen für fixe Kombinationen von Glukokortikoiden und langwirksamen Beta-2-Sympathomimetika (ICS-LABA) die bestehenden wissenschaftlichen nationalen wie internationalen Leitlinien zur Asthma-Therapie im Kindesalter. Seine Empfehlungen gefährden bzw. verhindern diese Therapieziele. Wenn der G-BA nicht einlenkt, müssen unsere Asthma-Patienten demnächst Medikamente nehmen, die ihre Gesundheit erheblich schädigen können", so Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, "das ist ein Skandal!"

Bei akuten Asthmaanfällen brauchen Kinder zudem kurzwirksame Medikamente, die sie mit und ohne Hilfe eines Inhalationssystems („Spacer“) einatmen. Ohne Verwendung dieser Spacers müssen die Präparate für viele Kinder so beschaffen sein, dass das Medikament zugleich mit dem Atemzug des in der Inhalation ungeübten Kindes freigesetzt wird. Diese "Autohaler" sollen die Kassen nach dem Willen des G-BA´s ebenfalls mit dem gleichen niedrigen Betrag erstatten, wie er für die deutlich einfacher gebauten Dosieraerosole mit Salbutamol festgelegt wurde. Ein wirtschaftlicher Vertrieb der Autohaler ist hierdurch zunehmend unmöglich. Die Präparate werden vom Markt genommen. "Die Folge wird sein, dass die Kinder ihre akute Atemnot schlechter behandeln können“, so Dr. Frank Friedrichs, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Pneumologie. "Und am Ende werden auch die Kassen mehr zahlen müssen, da Krankenhausbehandlungen wieder ansteigen werden."

Insgesamt, so die Kinder- und Jugendärzte und Kinderlungenärzte, werden die Beschlüsse des G-BA vor allem die sozial benachteiligten Familien von Asthmapatienten treffen. Ohne Zuzahlung bekommen sie Medikamente mit möglichen, eventuell langfristigen Nebenwirkungen und man enthält ihnen die geeigneteren Anwendungsformen vor, sofern diese überhaupt am Markt bleiben. Wohlhabendere Eltern werden die G-BA-Einschränkungen umgehen, indem sie Zuzahlungen für die besseren Medikamente und Applikationsformen leisten. Dr. Thomas Fischbach: "Zynischer geht es nicht mehr! Wir fordern den G-BA auf, dies auf keinen Fall zuzulassen."
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Pressemeldung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ e.
V.) und der Bundesarbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Pneumologie (BAPP e.V.)

Autor: äin-red