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14.01.2016

Gestohlene Kindheit: (Über)Leben nach Ebola

Die Zukunft tausender westafrikanischer Kinder ist ungewiss. Ebola hat etliche Jungen und Mädchen zu Waisen gemacht. Millionen haben Leid und Tod erlebt. Schulen wurden geschlossen, Impfungskampagnen unterbrochen.

Die Epidemie hat nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit mehr als 11.300 Menschen getötet. Mittlerweile ist sie so gut wie unter Kontrolle. Sierra Leone wurde im November für ebolafrei erklärt, Guinea folgte. In Liberia gab es im November zwar einen Rückschlag - in dem bereits für seuchenfrei erklärten Land wurden drei neue Infektionen gemeldet - doch insgesamt gilt die Krise als überstanden.

Aber die Zukunft tausender Menschen in den von der Epidemie am schwersten betroffenen Ländern - Guinea, Sierra Leone und Liberia - ist ungewiss. Ebola hat etliche Kinder zu Waisen gemacht. Mehr als 16.000 Mädchen und Jungen haben nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef in den drei Ländern mindestens ein Elternteil verloren. Rund neun Millionen Kinder haben Angst, Leid und Tod miterlebt. Mehr als fünf Millionen Mädchen und Jungen konnten für viele Monate nicht in die Schule gehen.

Tausende von Kindern seien unterernährt und hätten aufgrund der Krise weder Zugang zu Gesundheitsversorgung noch zu Sozialleistungen, heißt es bei Unicef. Wichtige Schutzimpfungen, wie gegen Polio, Masern und Tuberkulose, sind während des Ausbruchs ausgefallen. „Es ist eine entmenschlichende Epidemie, mit sehr tiefen, psychologischen und sozialen Folgen, besonders für Kinder“, sagt Fifi Diallo, die Unicef Kinderschutz-Spezialistin in Guinea. Einige minderjährige Waisen seien von Verwandten aus Verzweiflung verheiratet worden.

In diesem Jahr richtet sich der Fokus von Regierungen und Hilfsorganisationen auf den Wiederaufbau der Gesundheitssysteme. Die ersten Impfkampagnen seien bereits im Gang, erklärt der stellvertretende Repräsentant der WHO in Guinea, Mamoudou Djingarey.

„Trotzdem halten wir uns für vermehrte Ausbrüche von Kinderkrankheiten bereit“, sagt er. In Guinea seien im September bereits 24 Polio-Fälle registriert worden.

Auch im sozialen Bereich gibt es viel zu tun. Ebola-Waisen sollen wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden und eine Schulbildung bekommen. Tausende von Kindern brauchen psychosoziale Betreuung.
Zusätzliche Sozialarbeiter müssen geschult und eingestellt werden. Außerdem sollen tausende von Jungen und Mädchen Zugang zu Nahrungsmittelhilfe erhalten.

Quelle: dpa

Autor: äin-red