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06.11.2015

Forscher: Krebsfälle bei Kindern in der Umgebung von Fukushima vermutlich mit Strahlenbelastung verbunden

Eine neue japanische Studie legt nahe, dass Kinder, die in der Nähe des verunglückten Fukushima-Reaktors leben, wesentlich häufiger an Schilddrüsenkrebs erkranken als andere (um den Faktor 20 bis 50). Sie widerspricht damit der Position der japanischen Regierung, die der Ansicht ist, dass die höhere Erkrankungszahl auf einer strengeren Überwachung beruhe, die vorsorglich vorgenommen wird.

© Thomas Bethge – Fotolia.com

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Die meisten der knapp 370.000 Kinder aus der weiteren Region um Fukuschima wurden seit März 2011 regelmäßig Ultraschalluntersuchungen unterzogen. Eine aktuelle Statistik, die dieses Jahres veröffentlicht wurde, zeigte, dass Schilddrüsen-Krebs bei 112 dieser Kinder diagnostiziert wurde (vom 11. März 2011 bis 31. März 2015). In anderen Ländern bzw. Regionen tritt die Krankheit bei nur etwa einem Kind oder zwei Kindern unter eine Million pro Jahr auf. Die höchste Erkrankungsrate befand sich im zentralen mittleren Distrikt 50 bis 60 km westlich von dem Kernkraftwerk, wo Anwohner nicht mehr evakuiert wurden.

"Das ist mehr als erwartet und entwickelt sich auch schneller", erklärte Autor Toshihide Tsuda der Associated Press (AP) in einem Interview in Tokio. "Dies ist das 20- bis 50-Fache, was man normalerweise erwarten würde."

Direkter Zusammenhang schwer nachweisbar

Einen Zusammenhang zwischen Strahlung und Krebs herzustellen ist schwer: Es ist wissenschaftlich unmöglich, einen einzelnen Krebsfall auf Strahlung zurückzuführen. Werden Routine-Check-ups, wie die in Fukushima verstärkt, führt dies zu einer früheren Entdeckung von Tumoren, die die Zahlen in die Höhe treiben – Experten sprechen von einem so genannten "Screening-Effekt."
Seit der Tschernobyl-Katastrophe von 1986 steht Schilddrüsenkrebs bei Kindern im Verdacht, mit Strahlung in Zusammenhang zu stehen. Wenn er behandelt wird, ist er selten tödlich, so dass Früherkennung sehr wichtig ist. Dennoch sind betroffene Patienten für den Rest ihres Lebens auf Medikamente angewiesen.
Ein Nachweis, dass die Strahlung in Fukushima mit Krebs zusammenhängt, würde Familien helfen Erstattungen und andere Kompensationszahlungen u.a. durch Versicherungen zu bekommen. Viele Menschen, die in Gebieten lebten, die die Regierung als sicher bezeichnete, sind geflohen - aus Angst vor gesundheitlichen Folgen, insbesondere für ihre Kinder.

Ein Gebiet, im Umkreis von etwa 20 Kilometern vom Kernkraftwerk entfernt, wurde zur Sperrzone erklärt. Die Grenzen werden nach laufenden Reinigungsarbeiten (z.B. Entfernung von radioaktiven Trümmerteilen und Abtragen von Erde) ständig neu bestimmt, um so viele Menschen wie möglich wieder dorthin zu bringen. Die Stilllegung der Anlage wird voraussichtlich noch Jahrzehnte dauern.

Quelle: FoxNews/AP, Epidemiology

   

Autor: äin-red