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10.02.2016

Enge Freundschaften im Jugendalter wirken sich positiv auf die Gesundheit aus

Teenager werden oft davor gewarnt, sich nicht zu sehr dem Gruppenzwang ihrer Clique zu beugen. Dem widerspricht eine Studie, die zu dem Schluss kommt, dass die Integration in einer Gruppe von Gleichaltrigen einige unerwartete Vorteile für die körperliche Gesundheit im frühen Erwachsenenalter haben kann. Die Studie wurde in der Zeitschrift „Psychological Science“ veröffentlicht.

© Syda Productions - Fotolia.com

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Den Psychologen Joseph P. Allen und Bert N. Uchino und Christopher A. zufolge kann die Qualität von engen Freundschaften im Jugendalter die Gesundheit im Erwachsenenalter beeinflussen. Darüber hinaus waren die Bemühungen eines Teenagers, sich seinen Altersgenossen anzupassen, tatsächlich mit einer höheren Gesundheitsqualität im Erwachsenenalter verbunden.

"Beziehungen zu Gleichaltrigen sind emotional intensive Erfahrungen im Leben eines Jugendlichen, und die meisten Heranwachsenden wollen sich den Normen ihres Freundeskreises unterordnen, selbst wenn es mit erhebliche Einschränkungen für den einzelnen verbunden ist", schreiben die Forscher. "Interkulturelle Forschung hat festgestellt, dass das Zurückstellen der eigenen Wünsche zugunsten der Gruppenziele ein Ansatz ist, der dabei hilft, weniger Stress im Leben zu empfinden."

Streben nach Gruppenzugehörigkeit hat sich in der frühen Geschichte der Menschheit etabliert

Im Wesentlichen vermuten Allen und seine Kollegen, dass "durch den Anschluss an die Herde" und die Nähe sowie die unterstützenden Beziehungen von Gleichaltrigen im Jugendalter sich die Gefahr für stressbedingte Gesundheitsprobleme im Erwachsenenalter senken lässt. Um dies zu testen, rekrutierten die Forscher eine Gruppe von 171 Siebt- und Achtklässlern und folgte ihnen in der Alterspanne von etwa 13 bis 27 Jahren.
Jeder Teilnehmer nannte seinen engsten gleichgeschlechtlichen Freund zu Beginn der Studie. Im Alter von 13 bis 17 Jahren füllten die besten Freunde der Teilnehmer Fragebögen aus, in denen sie die Gesamtqualität der Freundschaft bewerteten, darunter auch wie viel Vertrauen sie zueinander hatten, wie sie sich verstanden oder ob sie sich voneinander entfernten. Die Freunde sollten auch beschreiben, ob und inwieweit sich ihr bester Freund an die Gruppe anpasste.

Die Gesundheit der Teilnehmer wurde dann jedes Jahr im Alter von 25, 26 und 27 Jahren bewertet. Die Wissenschaftler erfassten die allgemeine Gesundheit, Angst- und depressive Symptome und Body Mass Index.

Um mögliche Gesundheitsprobleme auszumachen, sollten die Probanden auch von bestimmten medizinischen Diagnosen berichten – falls vorhanden - sowie alle Krankenhausaufenthalte angeben.

Die Ergebnisse zeigten, dass sowohl enge Freundschaften als auch das Bestreben, in die Gruppe zu passen, mit einer besseren Gesundheit im Alter von 27 Jahren verbunden war, auch nach Berücksichtigung von anderen potenziell einflussreichen Variablen wie Haushaltseinkommen, Body Mass Index und Drogenkonsum.

"Obwohl die Unabhängigkeit und Autonomie eindeutig an Wert in der modernen westlichen Gesellschaft gewonnen hat, und Bedrohungen bzw. ein Kampf ums tägliche Überleben kaum noch existieren, hat sich im Laufe der Evolution des Menschen ein Bewusstsein der Gefahr entwickelt, wenn Menschen von ihren Artgenossen getrennt werden", schreiben Allen und seine Kollegen.
"Vor diesem Hintergrund und für die spätere Gesundheit können Jugendliche, die Schwierigkeiten haben, enge Kontakte zu knüpfen, als gefährdet betrachtet werden, dass sie langfristig gesundheitliche Schwierigkeiten haben", erklärt Allen.

In Zukunft sollte für die langfristige Gesundheitsförderung auch die Qualität der sozialen Beziehungen in der Adoleszenz geprüft werden – zusätzlich zu den häufig untersuchten Gesundheitsrisiken wie Übergewicht und Rauchen.

Quelle: ScienceDaily, Psychological Science



Autor: äin-red